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Brustrekonstruktion: Eigengewebe oder Implantat?

Nicht immer kann bei einem Mammakarzinom brusterhaltend operiert werden, und neben den vielfältigen psychischen und körperlichen Belastungen, die die Diagnose mit sich bringt, sind die Folgen der Brustentfernung ein weiterer Aspekt, der das Leben der betroffenen Frauen entscheidend beeinträchtigt.

Mag auch der Überlebenswille primär im Vordergrund stehen, so kann sich mit der Zeit mehr die innere Stimme Gehör verschaffen, die nach Lebensqualität und Attraktivität fragt. Doch so sehr unter der gestörten Optik das Selbstwertgefühl vieler Frauen leiden kann, so erstaunlich ist, dass sich ein geringer Teil der Betroffenen zu einem Brustaufbau entschließt.

Dass sie auch nach der Operation nicht ohne Brust werden leben müssen, ist vielen Frauen gar nicht von Anfang an klar. Dabei gibt es inzwischen so viele Wege, den Verlust plastisch-rekonstruktiv auszugleichen. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass sich wohl die wenigsten Frauen ohne eine intensive Beratung werden entscheiden können: Brustrekonstruktion mit Eigengewebe oder mit Implantaten?

Rekonstruktion mit Eigengewebe

DIEP-Lappen-Methode (DIEP-Flap) aus Haut und Fettgewebe (inkl. Blutgefäßen) aus dem Unterbauch ohne Verwendung von Muskelgewebe: Die Bauchwand wird durch den Erhalt des Muskelgewebes nicht nur stabil gehalten, sondern wird durch Straffung der Bauchdecke bei der Operation noch zusätzlich gefestigt. Durch die flexible Formbarkeit der neuen Brustsubstanz ist es möglich, auch größere Brüste nachzubilden. Die Operationsnarben quer am Unterbauch und in der Brustfalte sind kosmetisch wenig störend.

Gestielte TRAM-Lappenplastik (TRAM-Flap) ebenfalls mit Eigengewebe aus dem Bauch bestehend aus Haut, Muskel- und Unterhautfettgewebe: Bei dem Eingriff unter der Haut wird die Blutversorgung nicht unterbrochen, sodass anschließend auch zumeist kein mikrochirurgischer Gefäßanschluss nötig wird. Dessen ungeachtet gibt es aber auch Nachteile dieser Methode wie z. B. eine Wulstbildung an der Umschlagstelle und Probleme bei der Formgebung der neuen Brust.

Latissimus-dorsi-Lappenplastik unter Einsatz der Rückenmuskulatur (Musculus latissimus dorsi): Das mitverwendete umliegende Fettgewebe dient dabei als Material für die neue Brust, während der Muskel vor allem die Aufgabe hat, die Durchblutung aufrechtzuerhalten. Die ursprüngliche Funktion des Muskels am Rücken wird von der verbleibenden Rückenmuskulatur übernommen.

Die Narbe am Rücken stört optisch wenig, da sie sich durch den BH verdecken lässt, sie kann jedoch zu einem funktionellen Problem führen, indem sie die Beweglichkeit einschränkt. Von der Substanz her verlangt die Methode genügend Gewebe am Rücken, das aber trotzdem nicht immer für einen zufriedenstellenden Brustaufbau ausreicht. In diesen Fällen muss mangelndes Eigengewebe durch ein Implantat ersetzt werden.

Superior/Inferior-gluteal-artery-perforator-Lappenplastik (S-GAP/I-GAP-Flap) aus Haut- bzw. Unterhautgewebe des Gesäßes: Diese Methode wird angewendet, wenn körpereigenes Gewebe von Rücken oder Bauch nicht eingesetzt werden kann: Die Gewebelappen können dabei je nach Bedarf recht groß gewählt werden, sodass sich damit auch größere Brüste problemlos nachbilden lassen. Die entstehende Narbe liegt verdeckt in der Brustfalte.

Grazilis-Lappenplastik (Grazilis Flap) mit Gewebe aus dem Oberschenkel: Der Name leitet sich vom Musculus gracilis ab, einem sehr kleinen Muskel, der aufgrund seiner geringen Kraft aber keine große funktionelle Lücke in seiner angestammten Körperregion hinterlässt. Die Narbenbildung ist optisch nicht störend, da sie in der Leistenfalte bzw. in der Brustfalte verborgen ist.

Rekonstruktion mit Implantaten

Die Verwendung von Implantaten ist unkompliziert, sofern ein ausreichend großer Hautmantel vorhanden ist. Sollte dies nicht der Fall sein, muss zunächst eine Dehnung der verbliebenen Haut vorgenommen werden. Dazu wird – möglicherweise schon während der Mastektomie – ein Expander auf Höhe der Brust unter die Haut gesetzt. Er besteht aus einem kleinen Kunststoffkissen, das über ein Ventil von außen nach und nach mit einer Kochsalzlösung gefüllt wird. Sobald die gewünschte Größe erreicht ist, wird der Expander durch das eigentliche Implantat ersetzt.

Zumeist handelt es sich um eine Silikonhülle, die mit Silikon gefüllt ist. Heute wird ein sog. hochkohäsives Gel verwendet, das nicht mehr auslaufen kann und somit derzeit die beste Sicherheit bietet. Durch Einsatz des künstlichen Materials erspart man sich den Schritt, Gewebe aus anderen Körperteilen zu entnehmen, was vor allem bei schlanken Frauen ein substanzielles Problem darstellen kann. Andererseits kann es bei Silikonimplantaten u. U. zu einer Kapselfibrose kommen, die nach ggf. zehn Jahren eine erneute Operation zum Austausch des Silikonkissens erfordert.

Quelle: LL 3/2011

20.09.11