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Vitiligo

Vitiligo wird häufig als Weißfleckenkrankheit oder Scheckhaut bezeichnet. Betrachtet man das Erscheinungsbild der Krankheit, liegen diese Bezeichnungen nahe, denn die Haut der Vitiligo-Patienten ist stellenweise unpigmentiert, was sich in weißen Flecken äußert. Vitiligo zählt zu den chronischen, nicht ansteckenden Hauterkrankungen und tritt bei den meisten Betroffenen ohne körperliche Beschwerden auf. Die psychische Belastung bei Vitiligo ist aufgrund des Erscheinungsbildes der Haut jedoch meist belastend für die Betroffenen. Ungefähr 0,5 % der Weltbevölkerung, so die Europäische Leitlinie zur Vitiligo, sind von der Krankheit betroffen. Statistisch gesehen tritt Vitiligo vornehmlich an Händen, Fingern, Handgelenken und Unterarmen, sowie den Ellenbogen, den Füßen und dem Genitalbereich auf.

Normale Pigmentierung der Haut

Das Zusammenspiel verschiedener Pigmente entscheidet über die Hautfarbe. Größter Ausschlaggeber ist dabei die Menge des vorhandenen Hautfarbstoffes Melanin. Wie viel Melanin die Haut enthält, ist dabei genetisch bedingt. Die Melaninbildung kann jedoch bis zu einem gewissen Grad durch Sonnenbestrahlung (UV-Strahlung) gesteigert werden – die Haut kann also „nachgebräunt“ werden. Farbbeeinflussende Faktoren für die Hautfarbe sind auch die Blutgefäße, ohne sie wäre ein „Erröten“ oder „Erblassen“ nicht möglich, sowie die genetische Disposition, das Geschlecht und auch die jeweilige Körperregion. Während Hand- und Fußflächen aufgrund des geringen Melaninanteils heller erscheinen, wirkt der Bereich der Brustwarzen, sowie der Geschlechtsorgane durch den höheren Melaninanteil dunkler.

Woher kommen die weißen Flecken bei Vitiligo?

Die genauen Ursachen für Vitiligo sind bislang noch nicht bekannt. Vermutet wird eine erbliche Veranlagung sowie eine Fehlfunktion des Immunsystems, das körpereigene Zellen angreift (sogenanntes autoimmunes Geschehen). Deshalb erfolgt nur eine symptomatische Behandlung, keine ursächliche Therapie.

Sicher ist, dass die von Vitiligo betroffenen Hautzellen gegenüber gesunden Hautzellen einen erhöhten Wasserstoffperoxid-Anteil aufweisen und dadurch die Bildung des Hautfarbstoffes (Melanin) verhindert wird. Die betroffenen Stellen bleiben also weiß und können auch durch UV-Licht nicht „nachgebräunt“ werden. Gleichzeitig ist bei den von Vitiligo-Betroffenen das für den Abbau von Wasserstoffperoxid verantwortliche Enzym Katalase beschädigt.

Zwar verursacht Vitiligo keine körperlichen Beschwerden, bei vielen Betroffenen rufen die für alle sichtbaren Hautveränderungen jedoch psychische Probleme hervor, insbesondere wenn sie an exponierten Stellen wie dem Gesicht auftreten. Betroffene haben häufig mit Vorurteilen zu kämpfen, u. a. damit, dass die Krankheit evtl. ansteckend sein könnte – was sie nicht ist.

Klassifizierung der Vitiligo-Arten

Die Ausprägung der Vitiligo ist recht unterschiedlich. Sowohl die Form als auch die Anzahl und Größe der weißen Flecken können sich von Patient zu Patient teilweise erheblich unterscheiden. Zum besseren Verständnis werden die einzelnen Erscheinungsbilder der Krankheit daher in vier Klassifizierungen eingeteilt. Zum einen in die nicht-segmentale Vitiligo, gleichzeitig der häufigsten Form, die bei rund 90 Prozent aller Betroffenen auftritt. Hierbei lassen die weißen Hautflecken eine gewisse Symmetrie erkennen, treten also auf beiden Körperhälften gleichzeitig auf, etwa an beiden Ellenbogen oder an beiden Knien.

Bei der segmentalen Vitiligo treten die Pigmentstörungen einseitig auf, eine Form, die hauptsächlich bei Kindern beobachtet werden kann. Hinzu kommen die gemischte Vitiligo (segmental und nicht-segmental) und die nicht klassifizierte Vitiligo. Eines haben jedoch sämtliche Formen der Vitiligo gemeinsam. Zu Beginn der Hautkrankheit sind die weißen, völlig pigmentlosen Flecken nur wenige Millimeter große, breiten sich im weiteren Krankheitsverlauf immer weiter aus und werden im Laufe der Zeit immer größer.

Möglichkeiten der Behandlung bei Vitiligo

Treten die weißen Flecken im Gesicht oder anderen gut sichtbaren Hautregionen auf, haben viele Betroffene den Wunsch, eine Behandlung einzuleiten, die die Flecken weniger auffällig erscheinen lässt. Alle Therapien haben deshalb zum Ziel, die Bildung des Hautfarbstoffs Melanin anzuregen. Das funktioniert jedoch nicht in jedem Fall. Eingesetzt werden in der Therapie u. a. glukokortikoidhaltige Salben, die jedoch bei längerer Behandlungsdauer zu einer dünneren Haut führen können, oder Cremes mit Calcineurininhibitoren, die die Tätigkeit des Immunsystems hemmen. Besonders häufig kommen Phototherapien zum Einsatz, bei denen die betroffenen Hautregionen mit UV-Strahlen behandelt werden, um die Repigmentierung der Haut anzuregen. Teilweise werden dabei zusätzlich Wirkstoffe eingesetzt, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Auch eine Bestrahlung der Haut mit einem Laser kann unter Umständen hilfreich sein. Allerdings müssen gesetzlich versicherte Patienten die Kosten für diese Behandlung in der Regel selbst tragen.

Sollte keine Behandlung die gewünschten Erfolge bringen, ist es immer noch möglich, die Hautflecken mit Make-up abzudecken. Welche Pflegeprodukte die größten Erfolge erzielen, ist von Hauttyp zu Hauttyp unterschiedlich. Am sinnvollsten ist es, sich von einer Kosmetikerin beraten zu lassen.

Begleiterscheinungen bei Vitiligo

Oft ist zu beobachten, dass Vitiligo zusammen mit anderen Erkrankungen in Erscheinung tritt, etwa der Addison-Krankheit, einer Erkrankung der Nebenniere, bei Diabetes mellitus oder in Verbindung mit einer Blutarmut oder Schilddrüsenfunktionsstörungen auftritt. Teilweise wird Vitiligo von Autoimmunerkrankungen begleitet. Betroffene, die an der Hashimoto Thyreoiditis, einer der häufigsten Autoimmunerkrankungen des Menschen, auch als Kropf bekannt, leiden, sind oft ebenfalls von Vitiligo betroffen. Da das Immunsystem bei einer Autoimmunerkrankung vereinfacht ausgedrückt körpereigenes Gewebe angreift bzw. bestimmte Enzyme unschädlich macht, scheint ein häufiges Zusammenspiel von Vitiligo mit Autoimmunerkrankungen naheliegend.

Wer ist von Vitiligo betroffen?

Gibt es in der Familie bereits Mitglieder, die an Vitiligo leiden, so ist eine erbliche Disposition nicht auszuschließen, aber auch bei genetisch nicht belastete Personen kann diese Hautkrankheit auftreten. Besonders bei der segmentalen Vitiligo wird eine gewisse familiäre Häufigkeit beobachtet, weniger relevant scheint eine erblich bedingte Disposition bei der nicht-segmentalen Vitiligo-Form zu sein.

Während die segmentale Form der Vitiligo hauptsächlich bei Kindern auftritt, kann die nicht-segmentale Vitiligo Menschen jeden Alters treffen. Häufig beginnt die Krankheit dabei in der ersten Lebenshälfte. Frauen und Männer sind etwa gleich oft betroffen. Neben der genetischen Veranlagung und möglichen, bereits vorhandenen Erkrankungen, die Vitiligo begünstigen, können auch lokale Hautschäden, starke Sonnenbrände oder Stressfaktoren zum Ausbrechen der Hautkrankheit führen. Selbst nach ungewöhnlichen Verletzung kann es in der Folge zum Auftreten einer Vitiligo kommen, insbesondere nach Kopfverletzungen.

Quellen:
Judith Schomaker
Patient und Haut 2/2018

17.04.19

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