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Kreativ trotz MS

Im Verlauf ihrer Krankheit entdecken viele MS-Betroffene ihre künstlerische Seite – sie beginnen zu malen, zu schreiben, spielen Theater, tanzen, machen Musik, fotografieren oder filmen. Kreativität ist ein Mittel, um Empfindungen auszudrücken und die MS und ihre Folgen zu verarbeiten.

Dass Kreativität eine heilsame Wirkung haben kann, ist schon seit Langem bekannt. Das machen sich auch zahlreiche Therapieverfahren (z. B. Kunsttherapie) zunutze. Denn mithilfe kreativer Mittel lässt sich oft ausdrücken, was sprachlich nur schwer umschrieben werden kann. In den kreativen Prozess fließt zudem oft Unbewusstes (z. B. Wünsche, Ängste) ein, die Empfindungen finden ein Ventil. Hinzukommt: Wer kreativ ist, fühlt sich (wieder) selbstwirksam und kann daraus Kraft für den Alltag schöpfen.

Seine künstlerische Ader entdecken

Während manchen Menschen ein natürliches Bedürfnis haben, sich künstlerisch auszudrücken, schrecken andere davor zurück. „Ich kann das doch nicht“ und „Was dabei herauskommt, wenn ich male (schreibe, tanze, singe, fotografiere etc.), ist nichts Besonderes“ gehören zu den Sätzen, die Kunsttherapeuten oft hören, wenn Erkrankte zum ersten Mal kreativ werden sollen. Dabei geht es beim Kreativwerden nicht darum, ein vorzeigbares Ergebnis zu produzieren. Der Leistungsgedanke steht im Hintergrund. Es geht darum, Zugang zu den eigenen Gefühlen, Ängsten, Wünschen, Blockaden usw. zu finden. Der kreative Prozess ist das, was zählt, nicht das Ergebnis.

Selbstverständlich muss das kreative Mittel auch zur Person passen. Wer nie gern gemalt hat, sollte sich vielleicht besser eine andere künstlerische Ausdrucksform suchen. So gehören auch Handarbeiten, Töpfern oder Gärtnern selbstverständlich zu den kreativen Tätigkeiten. Doch wer schon immer gerne ein Bild malen, eine Geschichte schreiben, tanzen oder singen wollte, sollte einfach damit beginnen – ohne den Anspruch, ein perfektes Ergebnis abliefern zu müssen.

Kreativ werden

Oft gibt es beim Malen oder Schreiben die Angst vor dem leeren Blatt. Hier gibt es ein paar einfache Tricks, um ins Tun zu kommen. So gibt man sich ein Stichwort vor (oder besser noch: Lässt es sich von einer anderen Person vorgeben) und malt oder zeichnet dazu innerhalb einer Minute ein kleines Bild oder schreibt innerhalb von zehn Minuten alles auf, was einem dazu einfällt. Da die Zeit so knapp ist, ist es nicht möglich, sich vorab viele Gedanken zu machen – eine Blockade tritt so seltener auf. Direkt nach dem Aufstehen fünf Minuten lang aufzuschreiben, was einem gerade einfällt, ist ein weiteres Mittel, die eigene Kreativität hervorzulocken.

Wer nicht gern allein kreativ ist, kann in zahlreichen Kursen (z. B. in Volkshochschulen) das Malen, Zeichnen oder Schreiben üben. Wer singen möchte, findet bestimmt einen Chor in der Nähe. Auch freie Theatergruppen gibt es viele. Zum gemeinsamen Handarbeiten treffen sich ebenfalls mehr und mehr Menschen. Wichtig ist, dass die Chemie in einer solchen Gruppe stimmt.

Kreativität lässt sich fördern

Kreativität kann man nicht erzwingen, aber einüben. Ideen für Bilder, Geschichten oder Videos finden sich überall, z. B. auf einem Spaziergang in der Natur. Welche Struktur haben die Steine, die mitten auf dem Weg liegen? Was mag wohl der Vogel denken, der am Himmel seine Kreise zieht?

Es gibt so viele Dinge, die die meisten Menschen im Alltag nur am Rande wahrnehmen. Wer genauer hinschaut und vielleicht auch den Stein oder die Vogelfeder berührt, findet zahlreiche Anregungen für die eigenen Bilder oder Geschichten. Den Fotoapparat haben viele Menschen mit ihrem Smartphone ohnehin immer dabei. Warum nicht einfach zwischendurch kleine Details fotografieren wie die einzelne Dose im Supermarkt, das Salatblatt, das auf den Boden gefallen ist, die Blüte, die sich soeben geöffnet hat, den Tautropfen auf dem Blatt?

Sinnvoll kann es sein, unterwegs stets Papier und Stift bei sich zu tragen, um die eigenen Ideen gleich aufzuschreiben oder zu zeichnen. Denn nichts ist so ärgerlich, wie eine gute Idee zu vergessen, weil schon bald weitere Eindrücke die ersten überlagern oder man durch etwas anderes abgelenkt wird. Auch hier kann das Smartphone hilfreich sein, wenn Papier und Stift fehlen: Einfach eine kurze Sprachnachricht aufzeichnen – schon sind die Ideen gespeichert und können zu Hause abgerufen werden.

Um die MS und ihre Folgen zu verarbeiten, stellen sich manche MS-Betroffene ihre Krankheit gegenständlich vor, zeichnen oder malen die MS. Manche schreiben Geschichten oder Briefe über oder an die MS, beschimpfen sie darin oder beschreiben, was sie durch die MS entdeckt haben. Mithilfe dieses Ventils lassen sich die Krankheit und ihre Folgen oft leichter bewältigen.

Besonders Mutige haben die Möglichkeit, die eigenen kreativen Ergebnisse zu veröffentlichen: in den sozialen Medien im Internet oder auf der eigenen Website oder dem eigenen Blog. Auf diese Weise kommt häufig der Kontakt zu anderen Betroffenen zustande, auch die Anerkennung, die viele durch andere erfahren wenn sie ihre Werke zeigen (z. B. auch Fotos von Handarbeiten, eine Aufnahme des Chors), hilft, mit MS und ihren Folgen umzugehen.

Wichtig: Zeit

Kreativität braucht Zeit. Natürlich ist es möglich, ein Bild in 60 Sekunden zu malen oder eine Geschichte in zehn Minuten zu schreiben, doch in der Regel ist es besser, eine gewisse Zeit am Tag oder in der Woche fürs eigene künstlerische Schaffen einzuplanen. Erzwingen lässt sich Kreativität in der Regel jedoch nicht. Sollte „die Muse“ gerade nicht vorbeischauen, ist es manchmal besser, den kreativen Prozess abzubrechen, als sich zu quälen. Mit der Zeit, etwas Erfahrung und verschiedenen Techniken (z. B. zu versuchen, den Kopf möglichst frei zu machen) gelingt es immer besser, zu den geplanten Zeiten kreativ zu werden.

Quelle: Befund MS 2/2019

28.11.19

Ich habe Multiple Sklerose