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Atemphysiotherapie als sinnvolle Therapieergänzung bei Asthma

Besonders für Menschen mit Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD ist eine Atemtherapie mit Atemübungen wichtig. Denn zusammen mit körperlicher Bewegung wird dadurch die Leistungsfähigkeit sowie das Wohlbefinden verbessert.

Je nach individuellem Schweregrad und den Beschwerden stehen verschiedene Übungen zur Verfügung. Atemphysiotherapeutische Übungen sollen Hustenattacken lindern bzw. bei Atemnot und akuten Anfällen helfen, die Atemmuskulatur stärken, das Bronchialsekret lösen und die Wirkung der Medikamente unterstützen.

Primäres Ziel der Atemphysiotherapie ist es, das Auftreten von Störungen der Atmung bzw. Störungen, die bereits bestehen, zu beseitigen oder zu reduzieren. Erlernt werden Selbsthilfetechniken bei Atemnot, Methoden zur Atemkontrolle, schleimfördernde Techniken, Inhalationstechniken, bestimmte gymnastische Übungen sowie Techniken, um die Atemmuskulatur zu trainieren. Die Übungen können Betroffene entweder alleine oder in der Gruppe durchführen.

Techniken bei Atemnot bzw. einem akuten Anfall

Betroffene erlernen in einer beschwerdefreien Phase bestimmte Techniken, die sie bei einem akuten Anfall oder bei Atemnot anwenden können. Atemerleichternde Positionen entlasten den Brustkorb, da die Atemmuskeln dabei wenig arbeiten müssen und sich entspannen können. Bei den Positionen stehen vor allem folgende drei Aspekte im Vordergrund:

  • Der mechanische Aspekt: Die Techniken sollen das Einatmen erleichtern und die Schwere des Kopfes abnehmen.
  • Der regulatorische Aspekt: Durch die Maßnahmen wird die Bauchatmung gefördert. Durch die Bewegung des Zwerchfells wird das Volumen des Brustkorbs deutlich vergrößert und die Bronchien erweitern sich.
  • Der psychische Aspekt: Die Angst der Betroffenen wird durch die verbesserte Atmung reduziert. Durch das Ablegen des Kopfes entspannen sie sich.

Zu den atemerleichternden Ausgangsstellungen gehören beispielsweise:

  • Kutschersitz: Der Betroffene sitzt auf dem vorderen Teil der Sitzfläche eines Stuhls, stellt die Beine hüftbreit auf, stützt die Unterarme auf den Oberschenkel ab und lässt die Hände sowie den Kopf locker herunter hängen. Der Rücken ist leicht gerundet (Katzenbuckel). In dieser Position muss der Brustkorb das Gewicht der Schultern nicht mehr halten und Muskeln, die normalerweise die Arme an den Körper heranführen, können dabei helfen, dass der Brustkorb weiter wird. Variante: Der Betroffene legt seinen Kopf auf einem Tisch ab. Die Hände liegen ebenfalls auf dem Tisch und stützen den Kopf.
  • Schülersitz/Stuhlstütze: Der Stuhl wird umgedreht. Der Betroffene setzt sich also mit Gesicht zur Stuhllehne auf einen Stuhl, legt die Unterarme auf der Lehne. Anschließend legt er den Kopf auf den Unterarmen ab.
  • Fersensitz: Der Betroffene kniet sich auf den Boden, die Fersen liegen eng nebeneinander und fallen auseinander. Nun setzt er sein Gesäß auf die Innenseite der Füße ab. Die Hände liegen auf den Oberschenkeln, wobei die Arme leicht gebeugt sind. Der Rücken des Betroffenen sollte dabei gerade und der Bauch entspannt sein.
  • Päckchensitz: Fersensitz mit nach vorne abgelegten Armen.
  • Torwartstellung: Der Betroffene steht mit geradem Rücken, Beine sind hüftbreit aufgestellt, Knie sind leicht gebeugt. Nun beugt er den Oberkörper nach vorne, stützt die Hände etwa eine Handbreit oberhalb der Knie auf den Oberschenkeln auf und lässt den Kopf locker hängen.
  • Stütze: Der Betroffene stützt sich mit einem oder beiden Armen seitlich an einer Wand, einem Geländer oder einer Parkbank ab. Der Oberkörper ist dabei vorgebeugt und die Arme sind gestreckt. Stützt sich der Betroffene nur mit einer Hand ab, kann er den freien Arm auf der Hüfte abstützen. Der Rücken ist wieder gerade und der Bauch entspannt.

Methode zur Atemkontrolle

Bei obstruktiven Atemwegserkrankungen bleibt häufig aufgrund der verengten Atemwege auch nach vollständigem Ausatmen noch Luft in der Lunge zurück. Bestimmte Techniken können die Ausatemtechnik verlängern und die Ausatmung unterstützen, sodass keine Restluft in der Lunge verbleibt.

  • Lippenbremse: Diese Übung eignet sich besonders bei akuter Atemnot oder bei Belastung. Der Betroffene atmet durch die Nase ein und gegen den Widerstand seiner locker aufeinandergelegten Lippen aus. Die Ausatmung sollte nicht zu lange unter Zwang verstärkt und nicht gepresst werden. Durch diese Technik bleiben die Atemwege weit und die Lunge wird entleert.
  • Hauchen: Der Betroffene haucht eine Brille oder ein Spiegel an.
  • Phonisches Ausatmen: Der Betroffene atmet auf die Vokale „a e i o u“ aus bzw. auf die Hauchlaute „h ha“. Hierdurch werden der Brustkorb und die Bronchien weit gestellt.
  • Weitere Maßnahmen, die das Ausatmen unterstützen: z. B. ein Wasserglas mit Strohhalm zum Blubbern oder eine Kerze zum Flackern bringen, Seifenblasen blasen.

Schleimfördernde Techniken

Bestimmte Hustentechniken wie z. B. das Huffing können helfen, den in der Luftröhre festsitzenden Schleim zu entfernen. Beim Huffing wechseln sich Ausatem-Manöver (engl.: huffs) mit entspannter, kontrollierter Bauchatmung ab. Der Patient atmet durch die Nase ein und – nach einer Atempause – erfolgen zwei bis drei schnelle „Huffs“: Hier hilft die Vorstellung, eine Scheibe anzuhauchen.

Gymnastische Übungen und Techniken, um die Atemmuskulatur zu trainieren

Die Einatemtechniken trainieren zusammen mit den Ausatemtechniken (siehe oben) die Zwischenrippenmuskulatur. Zudem wird das Sekret in den Bronchien gelöst und alle Lungenabschnitte werden gleichmäßig belüftet und weit gestellt.

  • Langsames, tiefes Einatmen durch die Nase: auch in Verbindung mit Kontaktatmung. Der Betroffene legt hierfür die Hände auf den Bauch (vorne, zur Seite, in den Rücken) und auf das Brustbein (vorne-oben). Anschließend „atmet er diese weg“.
  • Schnupperndes, schnüffelndes Einatmen.
  • Höflichkeitsgähnen (Gähnen bei geschlossenem Mund)

Bitte Beachten: Um Fehler bei der Durchführung zu vermeiden, sollten Betroffene die hier vorgestellten Atemtechniken sowie Dehnübungen in atemphysiotherapeutische Schulungen für Lungenpatienten zuerst erlernen.

Quelle: COPD und Asthma 2/2018

15.01.19