- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Krebs - Krebs allgemein - Chemotherapie - Chemotherapie – früher und heute

Chemotherapie – früher und heute

Die Chemotherapie ist neben Operation und Strahlentherapie eine der wichtigsten Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen. Sie hat ihren Namen aufgrund der chemischen Substanzen, mit der die Tumorzellen im Körper angegriffen werden sollen. Bei der heutigen Chemotherapie werden diese Wirkstoffe in Form von Infusionen, Spritzen oder Tabletten verabreicht, informiert die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG).

Geschichte der Chemotherapie

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das erste Mal der Begriff Chemotherapie vom Medizin-Nobelpreisträger Paul Ehrlich verwendet. Er dachte dabei jedoch nicht an die Behandlung von Krebs, sondern an Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten, so die DKG. Sein Konzept wurde später in Bezug auf Krebszellen übernommen und weiterentwickelt: Es sollten natürliche Wirkstoffe synthetisch weiterentwickelt werden, die später im Körper Tumorzellen angreifen, jedoch nicht die gesunden Zellen. Nach Angaben der Krebsliga Schweiz wurde die Chemotherapie ab 1950 gezielt zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt.

Wirkung der Chemotherapie

Eine Chemotherapie wirkt systemisch – das bedeutet, sie wirkt im ganzen Körper. Die während einer Chemotherapie eingesetzten Medikamente heißen Zytostatika, was mit Zellhemmer übersetzt werden kann. Chemotherapeutika greifen in den Teilungszyklus von Zellen ein. Das bedeutet aber auch, dass gesunde Zellen, die sich teilen und vermehren, ebenfalls von den Wirkstoffen erreicht werden. Krebszellen haben eine sehr hohe Teilungsgeschwindigkeit, weshalb sie vornehmlich von der Chemotherapie angegriffen werden. Dennoch kann es zu Nebenwirkungen wie Haarausfall kommen, da die gesunden Zellen der Haarwurzeln sich ebenfalls schnell teilen.

Behandlung von Nebenwirkungen früher und heute

Ein Unterschied zur Chemotherapie von früher besteht insbesondere in der Behandlung von Nebenwirkungen. Waren diese vor einigen Jahren noch sehr stark, beispielsweise Übelkeit und Erbrechen, wird nun in der Krebsbehandlung durch die Gabe von zusätzlichen Medikamenten versucht, Nebenwirkungen möglichst zu verhindern oder zumindest zu reduzieren, um die Belastung für den Körper zu verringern. Gegen Übelkeit werden beispielsweise bei Gabe der Chemotherapeutika bestimmte Medikamente hinzugefügt, die sogenannten Antiemetika.

Systemisch oder lokal

In der Regel wirkt die Chemotherapie im ganzen Körper, bis auf das Gehirn, das durch die Blut-Hirn-Schranke nur von bestimmten Medikamenten erreicht werden kann, so die DKG. Das macht es möglich, auch Metastasen mithilfe der Chemotherapie zu bekämpfen, ebenso wie einzelne Tumorzellen oder sogenannte Mikrometastasen im Frühstadium. In der modernen Chemotherapie gibt es bei einigen Krebsarten aber auch die Möglichkeit, eine lokale Behandlung vorzunehmen: Bei der sogenannten transarteriellen Chemoembolisation (TACE) werden die Wirkstoffe über die Leberarterie in die Leber geleitet und bekämpfen dort Leberkrebs oder Metastasen.

Wirkstoffe in der Chemotherapie

Nach Angaben der DKG sind mittlerweile rund 50 Wirkstoffe im Einsatz. Diese können auch kombiniert werden, was es ermöglicht, Tumorzellen besser zu erreichen. Neue Wirkstoffe, die derzeit in der Erprobung sind, sollen beispielsweise besonders selektiv wirken und dabei insbesondere Krebszellen angreifen, während gesunde Zellen verschont werden, so die DKG. Sogenannte eingekapselte Zytostatika sollen beispielsweise von tumortypischen Enzymen geöffnet werden – so werden die Wirkstoffe erst bei den Tumorzellen freigesetzt. In sogenannten Therapieoptimierungsstudien geht es darum, welche Kombinationsmöglichkeiten es bei den einzelnen Medikamenten gibt, um größere Effizienz und geringere Nebenwirkungen zu erreichen.

Zu den Wirkstoffklassen der Chemotherapie gehören u. a.:

Alkylanzien

Alkylanzien sind laut DKG Medikamente, die schon lange bei Krebs eingesetzt werden. Sie wirken auf die DNA des Zellkerns, indem sie sich mit dieser verbinden, und verhindern die Weitergabe der Erbinformation bei der Zellteilung.

Antimetabolite

Antimetabolite ähneln körpereigenen Substanzen und verhindern die Zellteilung, indem sie in den Stoffwechsel der Krebszellen eingreifen – allerdings auch bei anderen sich schnell teilenden Zellen, weshalb es unter ihnen häufig zu Nebenwirkungen wie Schleimhautentzündungen kommt, so der Krebsinformationsdienst.

Anthrazykline

Anthrazykline werden nach Angaben der DKG aus Bakterien (Streptomyces) gewonnen. Sie stören den Aufbau von DNA und RNA im Zellkern und gelten als sogenannte Antitumorantibiotika.

Taxane

Taxane zählen zu den pflanzlichen Zytostatika, sie werden aus Eibenrinde gewonnen. Sie können die Zellteilung anhalten, indem sie auf Eiweißstrukturen (sogenannte Mikrotubuli) wirken.

Vincaalkaloide

Vincaalkaloide sind als giftige Stoffe in immergrünen Pflanzen enthalten und werden auch als Spindelgifte bezeichnet.

Quelle: Befund Krebs 2/2019

19.08.19