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Diagnose eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels

Prinzipiell ist die reine Diagnose von Alpha-1-Antitrypsin-Mangel allein durch eine Blutuntersuchung zu stellen. Dennoch dauert es nicht selten mehrere Jahre bis die Betroffenen eine eindeutige Diagnose erhalten. Das liegt daran, dass ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel leider noch immer nicht hinreichend bekannt ist.

Zusammen mit der Atemluft gelangen auch Krankheitserreger in die Lunge, die durch sog. Proteasen unschädlich gemacht werden. Die Proteasen greifen jedoch auch körpereigenes Gewebe an. Die Folge ist, dass die Lungenbläschen an Elastizität verlieren und beim Ausatmen schlaff in sich zusammen fallen. Alpha-1-Antitrypsin ist eine Art molekulares Schutzschild, das die Lunge vor dem Abbau durch die Proteasen schützt und bei der Stoffwechselkrankheit Alpha-1-Antitrypsinmangel fehlt.

Wann sollte auch die Möglichkeit eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels in Betracht gezogen werden?

Da ein Mangel an Alpha-1-Antitrypsin sowohl Schädigungen der Lunge als auch der Leber nach sich zieht, sollte diese Möglichkeit bei folgenden Symptomen abgeklärt werden:

  • Bereits in jungen Jahren treten Lebererkrankungen auf, eventuell liegt bereits eine Leberzirrhose vor.
  • Sehr häufige Atemwegsinfekte bis hin zur chronischen Bronchitis, Atemnot, Blaufärbungen der Haut (Zyanose), ein fassförmiger Brustkorb oder sogar in letzter Konsequenz ein Lungenemphysem machen den Betroffenen zu schaffen.
  • In der Familie sind ebenfalls Leberschädigungen in jungen Jahren, chronische Lungenerkrankungen oder sogar ein Lungenemphysem zu finden. Liegt bereits ein diagnostizierter Alpha-1-Antitrypsin-Mangel innerhalb der Familie vor, muss die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass dieser vererbt wurde.

Symptome eines Alpha-1-Antitrypsin-Mangels

Erstes Anzeichen der Erkrankung ist häufig Atemnot – anfangs nur unter Belastung, später auch in Ruhe. Im Lauf der Zeit kommen Husten und Auswurf hinzu und es kann ein Lungenemphysem entstehen. Verglichen mit anderen Lungenerkrankungen wie COPD erkranken die Betroffenen früher, manchmal bereits in einem Alter von 30 bis 40 Jahren, und die Krankheit schreitet schneller fort. Häufig befindet sich bei Betroffenen in der Leber, dem Bildungsort des Alpha-1-Antitrypsins, zu viel Schutzeiweiß, da es dort verklumpt und nicht mehr ausgeschleust werden kann. Von der Stoffwechselkrankheit betroffene kleine Kinder und Säuglinge haben häufig hohe Leberwerte und vergrößerte Organe. Sowohl Kinder als auch Erwachsene weisen ein erhöhtes Risiko für eine Leberzirrhose auf. Manchmal sind auch die Haut oder weitere Organe betroffen.

Welche Untersuchungsverfahren stehen bei einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zur Verfügung?

Nach einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) wird der behandelnde Arzt eine Blutabnahme veranlassen. Ob jemand an einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel leidet, kann mithilfe eines Diagnosetests festgestellt werden. Bei diesem Test überprüft der Arzt den Spiegel des Alpha-1-Antitrypsins, der beim Gesunden zwischen 150 und 300 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) liegt. Befindet sich der Wert unterhalb eines bestimmten Grenzwertes, wird das Blut weiter untersucht. Der Test kann beim Haus- oder Lungenfacharzt durchgeführt werden.

Neben der Blutuntersuchung geben bildgebende Verfahren weiteren Aufschluss darauf, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Lungenröntgen oder auch ein CT (Computertomografie) helfen, den Zustand der Lunge zu ermitteln. Ein fassförmiger Brustkorb weist z. B. auf eine bereits bestehende Lungenüberblähung hin, die nicht selten in einem Lungenemphysem mündet. Lungenfunktionstests grenzen den Grad der Lungenschädigung weiter ein.

Da in einigen Fällen statt der Lunge die Leber von den Auswirkungen des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels betroffen ist, bringt hier eine Leberbiopsie den Grad der Schädigung ans Licht. Es wird eine Gewebeprobe der Leber entnommen und im Labor auf Ablagerungen funktionsloser Moleküle hin untersucht.

Wer sollte sich testen lassen?

Laut Gesellschaft für Alpha1-Antitrypsinmangel Erkrankte sollten sich auf einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel folgende Menschen testen lassen:

  • Menschen mit einem Alpha-1-Antitrypsin-Betroffenen in der Verwandtschaft
  • Menschen, die an einer COPD leiden, denn dahinter kann sich u. U. ein Alpha-1-Antitrypsin-Mangel verbergen
  • Menschen, bei denen die Leberwerte erhöht sind
  • Menschen, die häufig an Entzündungen der Bronchien, Lungenentzündungen oder anderen Lungenerkrankungen leiden, insbesondere wenn die Betroffenen noch jung sind

Welche Genotypen von Alpha-1-Antitrypsin-Mangel gibt es?

Alpha-1-Antitrypsin wird auch als Proteinase-Inhibitor (Pi) bezeichnet. Je nachdem, wo der Gendefekt auf dem Chromosom 14 liegt, unterscheidet man zwischen einer Z- oder S-Mutation. Der Krankheitsverlauf der Z-Mutation ist stärker als der der S-Mutation.

Handelt es sich bei dem Defekt um den heterozygoten Typ, liegt der Defekt bei nur einem Gen vor und wird durch das gesunde Gen ausgeglichen. Heterozygote Typen führen in der Bezeichnung des Genotyps den Buchstaben M, der für das gesunde Gen steht. Homozygote Typen hingegen weisen ein doppeltes defektes Gen auf. Hier zeigt sich die Erkrankung mit entsprechenden Symptomen. Dies wird in der Wahl des Genotyps durch ein SS, ein SZ oder ein ZZ gekennzeichnet. Produziert der Körper sehr wenig bis gar kein Antitrypsin findet man im Genotyp die Kürzel Z0 (Z null) oder 00 (null null).

Genotypen von Alpha-1-Antitrypsin und die Ausprägung der Symptome:

PiMM: 93 % der Bevölkerung weisen diesen Genotyp auf. Hier ist der Alpha-1-Antitrypsin-Spiegel im Blut auf normalem Niveau. Die Betroffenen sind gesund und ihr Körper produziert genug Alpha-1-Antitrypsin. Das Risiko an einem Lungenemphysem oder einer Leberzirrhose zu erkranken ist normal.

PiMS: Hier handelt es sich um einen heterozygoten Typ mit einer milden Mutation, die allerdings durch das gesunde Gen ausgeglichen wird. Der Wert von Alpha-1-Antitrypsin liegt hier etwas niedriger als normal, hat aber keine Auswirkungen auf den Körper. Das Risiko an einem Lungenemphysem oder einer Leberzirrhose zu erkranken ist normal.

PiMZ: Auch hier liegt ein heterozygoter Typ vor, doch durch die Z-Mutation könnten milde Krankheitssymptome zutage treten. Der Wert des Alpha-1-Antitrypsins kann hier bis auf 60 % des Normalwertes sinken. Rauchen die Betroffenen, besteht ein leicht erhöhtes Risiko an einem Lungenemphysem zu erkranken. Das Risiko einer Leberzirrhose ist normal.

PiSS: Dieser Genotyp ist homozygot, sprich es gibt kein gesundes Gen, welches die Auswirkungen des Gendefekts ausgleichen könnte. Dennoch ist der Krankheitsverlauf milder. In der Regel weisen die Betroffenen einen Alpha-1-Antitrypsin-Wert von 40 bis 60 % des Normalwertes auf. Erfahrungsgemäß ist das Risiko an einem Lungenemphysem zu erkranken leicht erhöht. Das Risiko einer Leberzirrhose hingegen ist normal.

PiSZ: Auch dieser Typ ist homozygot. Dennoch ist der Krankheitsverlauf nicht so stark wie bei einer reinen Z-Mutation. Die S-Mutation mildert hier ab. Der Alpha-1-Antitrypsin-Spiegel bewegt sich bei 30 bis 50 % des Normalwertes. Das Risiko an einem Lungenemphysem oder einer Leberzirrhose zu erkranken ist erhöht.

PiZZ: Hierbei handelt es sich um den am häufigsten vorkommenden Genotyp des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels. Dieser homozygote Typ leidet unter einer reinen Z-Mutation, sprich der Krankheitsverlauf ist stärker. Betroffene weisen nur 10 bis 15 % des normalen Alpha-1-Antitrypsin-Spiegels auf. Das Risiko an einem Lungenemphysem zu erkranken ist sehr stark erhöht und liegt bei einer Wahrscheinlichkeit von 80 bis sogar 100 %. Die Wahrscheinlichkeit an einer Leberzirrhose zu erkranken liegt hingegen bei 20 %.

PiZ0: Bei dem Typ PiZ0 liegt ebenfalls ein homozygoter Genotyp vor. Die Leber der Betroffenen produziert kaum Alpha-1-Antitrypsin. Auch hier handelt es sich um einen schweren Krankheitsverlauf. Das Risiko an einem Lungenemphysem zu erkranken liegt bei 80 bis 100 %. Die Wahrscheinlichkeit einer Leberzirrhose ist erhöht, allerdings geringer als beim Typ PiZZ.

Pi00: Menschen des homozygoten Genotyps Pi00 weisen in ihrem Blut gar kein Alpha-1-Antitrypsin auf. Diese Mutation ist allerdings äußerst selten. Patienten dieses Typs erkranken definitiv an einem Lungenemphysem, während das Risiko einer Leberzirrhose normal ist.

Melissa Seitz

12.01.17

Diagnose