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Immuntherapie: die neue Waffe im Kampf gegen den Krebs

Erstmalig Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen mit triple-negativem Brustkrebs

Das Immunsystem bekämpft Erreger, die dem Körper schaden, etwa bei einer Erkältung. Es macht diese Erreger unschädlich, die Krankheit verschwindet. So einfach hat es das Immunsystem mit Krebszellen nicht. Denn: Krebszellen haben ihre ganz eigene Strategie, sich vor dem Immunsystem zu verstecken. Doch die Immuntherapie macht große Fortschritte. Sie unterstützt das Immunsystem, Tumorzellen zu erkennen und zu vernichten. Prof. Dr. Dirk Jäger, Geschäftsführender Direktor des Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, erklärt Wirkweise und Einsatzgebiete.

Herr Prof. Dr. Jäger, wie wirkt Immunonkologie?

Bei der Immuntherapie benutzt man das Immunsystem des Patienten, um gegen die Erkrankung vorzugehen. Dabei aktiviert man sogenannte T-Zellen. Das sind Immuneffektorzellen, die in der Lage sind, Tumorzellen zu erkennen und abzutöten.

Worin liegt der entscheidende Unterschied der Immunonkologie zu anderen Krebstherapien?

Man behandelt vielmehr das Immunsystem als den Tumor. Die hohe Spezifität und Effektivität des Immunsystems wird genutzt, um gegen Tumorerkrankungen vorzugehen. Man versetzt das Immunsystem wieder in die Lage, die Erkrankung zu erkennen und hoch spezifisch selektiv die Erkrankung abzustoßen.

Welche Bedeutung hat die Immunonkologie in der Behandlung von Krebs?

Die Bedeutung wird immer größer. Für viele Tumorerkrankungen sind bereits Substanzen aus dem Bereich der Immunonkologie zugelassen und „Standard of Care“ (Behandlungsstandard). Bei einem kleineren Teil der Patienten ist es damit sogar möglich, weit fortgeschrittene, metastasierte Erkrankungen in eine Langzeitremission (dauerhaftes Verschwinden der Erkrankung) zu bringen.

Welche Fortschritte gab es in der Immunonkologie in den vergangenen Jahren?

Sehr viele. Es gab viele neue Zulassungen, verbunden mit erheblicher Prognoseverbesserung für diverse Tumorerkrankungen. Kürzlich wurden weitere Verfahren wie die CAR-T-Zelltherapie Zulassung für B-Zellneoplasien (bösartige Erkrankungen des Bluts/Lymphsystems) bekommen. Bei diesen Verfahren werden Immunzellen des Patienten genetisch verändert und dem Patienten dann zurückinfundiert. Hiermit hat man erhebliche Erfolge bei refraktären B-Leukämien und Lymphomen beobachtet.

Bei welchen Tumoren und in welchen Krankheitsstadien kommt die Immunonkologie schwerpunktmäßig zum Einsatz?

Bei einer Vielzahl solider Tumoren wie Melanom, Bronchialkarzinom, Harnblasenkarzinom, Nierenzellkarzinom, Hodgkin-Lymphom, Merkelzelltumoren, Kopf-Hals-Tumoren und einigen anderen.

Wird die Immunonkologie auch bei der Behandlung gynäkologischer Tumoren eingesetzt?

Das Mammakarzinom war bislang ein Tumor, der wenig gut auf Checkpoint-Inhibitoren (T-Zellaktivierende Substanzen) angesprochen hat. Demnächst werden aber auch Kombinationen aus Chemotherapie mit Checkpointinhibitoren Zulassung erlangen. Diese Therapie wird beim triple-negativen Brustkrebs eingesetzt werden. Die Kombination aus Chemotherapie und Checkpoint-Inhibition hat den Effekt, dass das Immunsystem der Patientin gegen die Tumorerkrankung aktiviert wird, gleichzeitig attackiert die Chemotherapie Mechanismen des Tumors, sich Immunantworten zu entziehen. Die Chemotherapie macht also Tumorerkrankungen empfänglicher für die Immuntherapie.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Immuntherapie auftreten?

In der Regel kann es zu Autoimmunreaktionen kommen. Grundsätzlich kann es in allen Organen zu überschießenden Reaktionen kommen, die sich gegen gesundes Gewebe richten. Meist sind diese Autoimmunreaktionen milde ausgeprägt und lassen sich gut kontrollieren. Selten kommt es zu sehr heftigen Autoimmunphänomenen, die sehr selten lebensbedrohlich sein können.

Welche Auswirkungen haben die Fortschritte in der Immunonkologie auf die Überlebenschancen der Patienten?

Sie konnten die Überlebenschancen bei diversen Erkrankungen signifikant verbessern. Ein kleinerer Teil der Patienten mit vormals unheilbarer Erkrankung ist möglicherweise sogar heilbar.

Quelle: Leben? Leben! 4/2018

27.03.19