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Krampfadern frühzeitig behandeln

60 % der 20- bis 29-Jährigen haben bereits Besenreiser. Dies geht aus einer Studie des Universitätsklinikums Bonn hervor. Doch während Besenreiser für die Betroffenen i. d. R. ein ästhetisches Problem darstellen, da sie keine Beschwerden verursachen, können Krampfadern (Varikose) z. T. schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen.

Wann genau Besenreiser und Krampfadern auftreten, ist genetisch abhängig. Eine Bindegewebsschwäche ist die Hauptursache für die Erkrankung und wird durch äußere Einflüsse, wie etwa langes Stehen oder Sitzen im beruflichen Alltag, Übergewicht oder wenige bis keine sportlichen Aktivitäten, verstärkt. Damit ist neben einer angeborenen Bindegewebsschwäche auch die individuelle Lebensweise für den Zeitpunkt des Auftretens entscheidend, der meist eher zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr liegt.

Blut in den Venen staut sich

„Während es sich bei Besenreisern lediglich um eine ästhetische Beeinträchtigung handelt, stellen Krampfadern ein behandlungsbedürftiges medizinisches Problem dar“, erklärt Dr. Aljoscha Greiner, Bad Bertrich. Die Venen in den Beinen haben die Aufgabe, das sauerstoff- und nährstoffarme Blut zum Herzen zu pumpen. Krampfadern entstehen dann, wenn sich aufgrund einer angeborenen oder altersbedingten Schwäche die Venenwände weiten und die Venenklappen nicht mehr richtig schließen. Die Mediziner sprechen dann von einer primären Varikose. In der Folge staut sich das Blut in den Venen, die sich dauerhaft ausdehnen. Dieser anhaltende Rückstau des Blutes führt dazu, dass die Adern unter der Haut deutlich hervortreten.

Eine Störung des Blutabflusses in den Venen kann darüber hinaus auch durch eine Schwangerschaft, Thrombose oder Herzschwäche ausgelöst werden, was ebenfalls zu Krampfadern führt. Dies wird als sekundäre Varikose bezeichnet.

Folgeerkrankungen sind möglich

I. d. R. gehen Krampfadern mit Beschwerden wie müden und schweren Beinen, Überwärmung, Schwellungen, Muskelkrämpfen, Druckschmerzen bis hin zu entzündlichen Reaktionen einher. Schlimmstenfalls kann eine tiefe Venenthrombose, eine Lungenembolie oder ein Beingeschwür (Ulcus cruris) die Folge sein.

Deshalb ist es wichtig, dass Betroffene bei den kleinsten Anzeichen von Krampfadern oder Hautveränderungen einen Spezialisten für das Venensystem, einen sog. Phlebologen, aufsuchen. Auch wenn die Beine häufig müde und schwer sind, kann der Besuch beim Experten hilfreich sein.

Abhängig vom genauen Befund und dem Gesundheitszustand des Patienten werden Krampfadern ambulant, kurzstationär oder vollstationär behandelt. „Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Behandlung so schonend wie möglich ist“, sagt Dr. Greiner. „Alle Krampfaderbefunde können in örtlicher Betäubung operiert werden, auch die schwersten. Eine Vollnarkose oder eine rückenmarksnahe Anästhesie sind nicht notwendig“, betont er.

Individuelle Behandlung ist wichtig bei Krampfadern

„Das Ziel einer Krampfaderbehandlung ist zunächst immer der Erhalt der Venen“, erklärt der Phlebologe. Zu diesem Zweck setzen die Mediziner bei Befunden, die noch nicht zu stark ausgeweitet sind, die sog. Venenklappen-Repair-Technik (extraluminale Valvuloplastie) ein. Die Vene wird zu diesem Zweck von außen mithilfe einer dünnen Kunststoffhaut eingeengt, damit die Venenklappe wieder vollständig schließt und das Blut wie gewünscht wieder vollständig zum Herzen transportiert wird.

In den meisten Fällen wird allerdings das sog. Stripping, also das Herausziehen der Vene, eingesetzt. „Dieses Verfahren wurde in den vergangenen Jahren immer weiter verfeinert“, bemerkt Dr. Greiner. Möglich ist darüber hinaus ggf. auch die Behandlung mit Laser- oder Radiowellentherapie. Dabei verbleibt die Vene im Körper und wird thermisch verschlossen. In bestimmten Fällen kann zudem eine (Schaum-) Verödung sinnvoll sein. Wichtig ist: „Jeder Patient braucht ein individuelles Therapiekonzept. Häufig kommen dabei mehrere verschiedene Verfahren zum Einsatz“, betont der Experte.

Zur Behandlung von Besenreiser wird fast ausschließlich die Verödung (Sklerosierungstherapie) eingesetzt. In seltenen Fällen können ergänzend dazu minichirurgische Verfahren zur Beseitigung größerer Besenreiseräste oder Besenreisernährvenen in Betracht kommen. Auch eine Lasertherapie kann als Ergänzung zur Verödung zur Beseitigung feinster roter Haargefäße verwendet werden. Abhängig von der Anzahl und der Größe der betroffenen Areale sind für die Therapie der Besenreiser mehrere Sitzungen erforderlich.

Bestmöglich vorbeugen

Wer eine Bindegewebsschwäche hat und der Entstehung von Besenreisern oder Krampfadern vorbeugen will, sollte sich regelmäßig bewegen, hier sind vor allem Ausdauersportarten geeignet, und langes Stehen oder Sitzen nach Möglichkeit vermeiden. Auch die Reduzierung von einem möglichen Übergewicht und u. U. das Tragen von Kompressions- und Stützstrümpfen kann helfen, die Ausbreitung der Symptome einzudämmen.

Diagnostik

Die moderne Diagnostik der Krampfadern besteht aus einer Stufendiagnostik, die i. d. R. folgende Untersuchungen beinhaltet:

  • Zunächst findet eine körperliche Untersuchung statt. Bereits hier können verschiedene Krampfaderformen diagnostiziert werden. Es erfolgt die sog. Palpation (das Abtasten) der Venen. Hierbei fallen Verhärtungen, Überwärmungen und druckschmerzhafte Areale auf.
  • Im Anschluss erfolgen sog. apparative Untersuchungen wie:
  1. Lichtreflexionsrheografie (LRR): Sie lässt Aufschlüsse über den Füllungszustand von Hautvenen zu.
  2. Venenverschlussplethysmographie (VVP): Sie misst die venöse Kapazität und den venösen Abstrom.
  3. Ultraschalldoppleruntersuchung: Sie untersucht die oberflächlich gelegenen Venen.
  4. Farbcodierte Duplexsonografie: ein bildgebendes Verfahren zur Untersuchung des tiefen und oberflächlichen Venensystems.

Quelle: Patient und Haut 2/2017

05.01.18