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Lachen trotz Krebs

Antje Bach baut mit erkrankten Frauen ein „Haus der Freude“

Als junge Frau begleitet Antje Bach ihre Mutter durch eine schwere Krebserkrankung. Sie hat für sich gelernt: Auch die Schattenseiten des Lebens sind wertvoll. Heute unterstützt sie an Krebs erkrankte Frauen.

„Am schlimmsten war für mich Weihnachten“, sagte mir eine gute Freundin Anfang des Jahres. Ihre Tochter ist an Krebs erkrankt, musste eine Chemotherapie und Bestrahlung durchstehen. An Weihnachten saß die Familie unterm Baum und fragte sich: Was war dieses Jahr schön? Ihnen fiel nichts ein.

Meine Freundin und ihre Familie sind damit nur ein Beispiel dafür, wie Krebs mit den Emotionen spielt. Angst, Panik, Zweifel und Wut – sie alle sind uns bekannt, brechen jedoch zusammen mit der Diagnose Krebs in ungeahnter Wucht und bis dahin unbekannter Intensität über die betroffenen Menschen herein.

Denn die Erkrankung bewirkt eine nie da gewesene Fokussierung der Aufmerksamkeit: Das Leben steht mit einem Mal unter dem Brennglas Krebs. Anderes hat keinen Platz mehr – weder im Leben der Patientin, noch in dem ihrer Angehörigen. Wenn Frauen sich in dieser Situation wiederfinden, kann ich ihnen nur wärmstens empfehlen: Lachen Sie!

Möbel im Kopf

Ich weiß, das erscheint makaber, geradezu zynisch. Lachen mit Krebs? Das darf man nicht. Und wie soll das überhaupt gehen? Nun, ich meine, es geht einwandfrei. Denn Frauen mit Krebs haben vielleicht eine Krankheit – aber ihre Seele ist doch noch gesund. Sie leben trotz allem noch. Und zum Leben gehört Freude und ja, eben auch das Lachen.

Mit betroffenen Frauen werde ich deshalb aktiv. Sie bauen ihr eigenes „Haus der Freude“, in dem sie ihr Lachen wiederfinden können. Dieses Lebenshaus braucht keinen einzigen Ziegelstein und keinen Tropfen Zement. Es entsteht in ihnen. Richten wir es ein …

Raum für Fröhlichkeit

Wie jedes schöne Haus hat auch das in Ihren Gedanken mehrere Räume, einen für jeden Anlass. Natürlich gibt es in diesem Haus einen Raum der Traurigkeit, denn die Krankheit zwingt Sie, Ihre alte Normalität schmerzhaft loszulassen. Nebenan ist ein Raum der Angst, denn Sie erleben eine enorme Unsicherheit. Aber das sind doch nur zwei Räume in einem riesigen Haus!

Nachdem Sie der Ernsthaftigkeit der Situation also Raum gegeben haben, öffnen Sie Ihr Haus für andere Dinge, die Ihnen guttun. Vielleicht gibt es da einen Raum der Fröhlichkeit, in dem Sie alles sammeln, was Ihnen Spaß macht und Ihnen freudvolle Momente beschert. Bei mir wäre in diesem Raum immerzu Sommer und im Fernsehen würden rund um die Uhr Heinz-Erhardt-Filme laufen.

Möglicherweise befindet sich nebenan ein Raum der Wohltat. Darin könnten Fotos sämtlicher Menschen stehen, mit denen Sie sich gerne umgeben oder die Sie immer zum Lachen bringen.

In Ihrem Haus der Freude sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Sie können anbauen, umbauen, einrichten, dekorieren – sowohl in den notwendigen schattigen Räumen als auch in den lichtdurchfluteten, fröhlichen Zimmern.

Eine Schale Glück

In Ihrem gedanklichen Haus findet so Ihr eigentliches Leben wieder Raum und erhält Aufmerksamkeit – mitsamt seiner positiven Facetten, die Sie zum schallenden Lachen, zum heiteren Lächeln, zum fröhlichen Grinsen oder zum stillen Schmunzeln bringen. Mit diesem Erschaffenen erobern auch krebskranke Frauen sich ihre Lebenszeit zurück.

Und falls Ihnen der gedankliche Hausbau auf Anhieb ein zu großes Projekt ist, beginnen Sie ganz allmählich mit dem Fundament. Meine Freundin und ihre Tochter haben im Wohnzimmer eine Schale aufgestellt. Immer wenn etwas die Familie fröhlich stimmt und zum Lachen bringt, schreiben sie es auf einen Zettel und werfen ihn in die Schale. Kommendes Weihnachten wollen sie sich ihre Glücksmomente gegenseitig vorlesen.

Antje Bach

Quelle: Leben? Leben! 2/2018

12.09.18