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Leben mit metastasiertem Brustkrebs

Sandra Haase hat ihren Lebensmut trotzdem nicht verloren

20. Juli 2017, ein Tag, der das Leben von Sandra Haase von Grund auf verändert hat. Der Tag, an dem die 39-Jährige ihre Diagnose erhielt: Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium mit Metastasen in den Knochen, im Knochenmark und im Lungenfell. Aus Sicht der Schulmedizin nicht mehr heilbar. Doch nach der Diagnose ist Sandra Haase nicht in ein tiefes Loch gefallen, sondern hat durch diese lebensbedrohliche Erkrankung erst wieder Lust am Leben bekommen. „Ich war depressiv und hatte fast zwölf Monate vor der Diagnose heftige Schmerzen“, erinnert sie sich. Die Diagnose hat ihre Sicht auf das Leben verändert. „Ich hatte keine Perspektive mehr, durch den Krebs habe ich neue Aufgaben, neue Leidenschaften gefunden“, sagt sie. Deshalb sucht sie auch nicht nach Erklärungen, warum der Tumor –fast nicht tastbar – nicht früher entdeckt wurde. Erst eine ausführliche Ultraschalluntersuchung im Sitzen machte ihn sichtbar.

Eine ihrer Leidenschaft ist das Schreiben. „Sie war plötzlich da, so wie der Krebs“, sagt sie. Sie beginnt, ihre Geschichte mittels Blog mit der Öffentlichkeit zu teilen. Beschreibt ihre Gefühle, Schmerzen, Hoffnungen, Ängste, Verzweiflung, Mut. Veröffentlicht Details ihrer Therapie, postet z. B. ein CT-Bild ihrer Wirbelsäule, das die Metastasen zeigt – aber auch die Fortschritte der Therapie. Sie lässt nichts aus und sagt: „Schweigen war für mich nie eine Option.“

Andere Frauen unterstützen

Doch Sandra Haase möchte ihre Mitmenschen nicht nur an ihrer Geschichte teilhaben lassen, sie will mit ihrem Blog „Plötzlich Krebs“ gesunde Frauen aufwecken und erinnern: „Vorsorge ist wichtig. Wir müssen umdenken, wir müssen unsere Gesundheit ernster nehmen.“ Anderen Betroffenen möchte sie eine Stütze sein, ihnen helfen, einen Sinn im Leben zu finden – trotz Krebs. Und sie hat noch mehr vor: „Ich möchte einen Verein gründen, der Frauen direkt hilft, die allein sind, mittellos ohne Familie und Partner.“

Sie selbst wird unterstützt, von ihrer Familie, ihren Freunden: „Ich wurde mit Liebe überschüttet“, sagt sie. Diese Zuneigung gibt ihr Kraft, ebenso wie ihr neu erwachter Lebenswille. „Im besten Fall wird mein Krebs eine chronische Erkrankung bleiben, die unter Kontrolle gebracht werden kann. Ob das klappen wird? Ich gehe davon aus – ich glaube daran“, sagt sie.

Zumba ist ihre große Leidenschaft

Sie beginnt wieder Zumba zu tanzen in schwarzen Leggins, schwarzem Shirt, weißen Schuhen, die schwarzen Haare mit einem Haarband fixiert. Denn Zumba ist ihre große Leidenschaft. „Ich bewege mich noch wie ein Storch“, schreibt sie auf ihrem Blog. Und trotzdem: Es macht riesig viel Spaß, so viel, dass sie selbst auch wieder beginnt, Zumba zu unterrichten. Ihre Aufregung und Bedenken teilt sie mit ihren Abonnenten, lädt sie ein, mit ihr gemeinsam zu tanzen. Denn die Beziehung zu all jenen, die ihren Blog lesen, ist für Sandra Haase etwas ganz Besonderes. „Die beste Therapie überhaupt“, sagt sie.

So offen und ehrlich, wie sie die Krankheit in der virtuellen Welt kommuniziert, so offen und ehrlich bespricht sie die Krankheit auch mit ihrem acht Jahre alten Sohn Maddox. „Aber nicht, dass ich sterben könnte, denn das habe ich nicht vor.“ Auch ihren Sohn hat die Krankheit starkgemacht. Fast sein ganzes Leben lang ist er selektiv mutistisch, leidet und starken Angststörungen. „Unser Leben war von diesen Ängsten geprägt. Alles war ein Kampf, Tagesmutter, Kindergarten, Schule. Seit der Diagnose ist er stark und mutig. Für dich Mama, sagt er immer.“

Quelle: Leben? Leben! 3/2018

16.01.19