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Marco Dorer: Mehr als zehn Jahre aktiv mit MS

Marco Dorer sagt von sich selbst, er sei völlig aktiv mit MS, neutrale Beobachter haben ihm bereits gespiegelt, dass er trotz oder mit seiner Erkrankung sogar schon fast überaktiv sei. Der Gesundheitsberater GGB und Yogalehrer YVS erhielt seine Diagnose 2008 mit Mitte 20. Damals verließ er gerade die Universität mit dem Abschluss Wirtschaftsingenieur.

In den Jahren zuvor hatte er bereits mit Sehproblemen zu kämpfen, die er zunächst auf die viele Bildschirmarbeit für seine Masterarbeit schob. Er konnte den Horizont nicht mehr richtig erkennen. Die Symptome wurden immer stärker, sodass er schließlich die Augenklinik an der Universität Freiburg aufsuchte. Der Weg zur Diagnose war lang und als er erfuhr, dass MS die Ursache für seine Augenprobleme war, war das ein Schlag für ihn.

Eine Entscheidung aus heiterem Himmel

Er bekam Depressionen, lag nachts im Bett und überlegte sich, wie er am besten Suizid begehen könnte. Doch dann kam ihm, so sagt er, wie aus heiterem Himmel eine andere Idee. Er stand auf, ging an seinen Computer und buchte ein One-Way-Ticket nach Brasilien. Am nächsten Tag ging er im Elternhaus die Treppe hinunter und teilte seinen Eltern mit, dass er dann mal wegfahre.

Seine Eltern antworteten darauf, dass sie seine Idee befürworteten, denn drei Wochen Spanien oder Italien würden ihm sicher guttun. Doch er meinte, dass es sich weder um Spanien noch Italien handele und er jetzt jemanden bräuchte, der ihn zum Bahnhof oder zum Flughafen bringt.

In seinen eigenen Worten: „Das, was ich damals getan habe, war schon brutal. Meine Eltern brachten mich zum Bahnhof – und dann war ich weg. Fast ein Jahr weg. Und es hat mir gutgetan, es war das Beste, was ich je gemacht habe. Würde jemand mit einem Ticket wedeln, würde ich es wieder tun. Ich zehre heute noch sehr von meiner Reise, von den Bildern, die ich gemacht habe, den Menschen, die ich kennengelernt habe, davon, erst Portugiesisch in Recife (Brasilien), danach Spanisch in Córdoba (Argentinien) zu lernen. Noch heute habe ich Kontakt zu den Menschen dort.“

Mit MS in Südamerika

Trotz MS bereiste er Südamerika, von Brasilien über die südlichste Stadt Argentiniens, wo es Seebären und Seehunde gibt und es langsam richtig kalt wird, bis hin nach Bogotá in Kolumbien. Besonders beeindruckt haben ihn auf seiner Reise die Menschen, die so herzlich, freundlich und offen waren, wie er es aus Deutschland nicht kannte: „Die Menschen dort sind arm, sie haben kaum etwas, aber das Wenige, was sie besitzen, teilen sie mit dir. Sie laden dich ein, gehen mit dir an den Strand, dann wird dort ein Asado (Grillmahlzeit) gemacht, Caipirinha getrunken, Musik gespielt. Und du bist mittendrin.“

Mit der MS ist Marco Dorer in Südamerika gut zurechtgekommen, er hat die Symptome selbstverständlich gespürt, doch sie machten sich weit weniger bemerkbar als in Deutschland. Er führt diese Tatsache auf das positive Umfeld in Südamerika zurück, auf die Warmherzigkeit der Menschen. Schließlich würden Körper, Seele und Geist eine Einheit bilden und ein positives Umfeld wirke sich auch positiv auf den Körper aus.

Über seine Eindrücke hat er – zurück in Deutschland – ein Buch geschrieben. Marco Dorer, der sich selbst als Globetrotter bezeichnet und gern im Freien unterwegs und unter Menschen ist, würde zwar gern erneut auf eine Reise gehen, doch allein, so sagt er, schafft er es nicht mehr. Er bräuchte eine(n) Reisebegleiter(in), der oder die sagt: „Ich achte auf dich.“ Dann wäre es egal, wann und wohin er reisen würde.

Sich von der MS nicht unterkriegen lassen

Doch auch zu Hause ist Marco Dorer sehr aktiv. Er hat seine Wirtschaftskarriere an den Nagel gehängt, seine Ernährung – auch im Rahmen seiner Gesundheitsberaterausbildung – komplett umgestellt (viel Gemüse, Salat, wenig Fleisch, kaum Zucker), fährt Rad (mit einem Dreirad zur Sturzprävention), macht regelmäßig Yoga und Spaziergänge. Zwar nimmt er wegen seiner Ataxie zum Spazierengehen meist den Rollator, doch die MS hindert ihn nicht daran, weiterhin seinen Hobbys nachzugehen, auch wenn er das Fußballspielen bereits vor ca. sechs Jahren an den Nagel hängen musste. Dafür geht er regelmäßig Bouldern – in einer Gruppe, in der auch Menschen mit Handicap klettern können.

Im November 2019 hat er bereits ein zweites Buch veröffentlicht. Ob er weiterschreibt, weiß er derzeit jedoch nicht. In jedem Fall rät er allen Betroffenen, sich von der MS nicht unterkriegen zu lassen, auch wenn es schwerfällt. Er sei derzeit in einem Alter, in dem alle um ihn herum eine Familie gründeten, Häuser bauten, Karriere machten. Das sei, wie er sagt, schon „richtig brutal“. Er wisse jedoch mittlerweile, was gehe oder nicht. Kalt lassen tut es ihn dennoch nicht. Doch wer weiß? Die nächste Reise lässt vielleicht bereits auf sich warten.

Quelle: Befund MS 1/2020

22.07.20

Ich habe Multiple Sklerose