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Migräne erfolgreich behandeln

Rund 15 % der Deutschen leiden unter Migräne. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Häufig tritt Migräne das erste Mal in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter auf. Beim Erstauftreten können leichte Schädelhirntraumata oder psychische Belastung eine Rolle spielen. Migräne kann aber auch ganz spontan auftreten. Auch hormonelle Schwankungen können für die Kopfschmerzen verantwortlich sein.

Was häufig als Kopfschmerz abgetan wird, ist viel mehr als das: Ein Migräneanfall ist der Ruf des Gehirns nach einer Pause. Die Kopfschmerzen sind dabei nur ein Symptom dieser Erkrankung. Hinzu kommen i. d. R. Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit, manchmal Erbrechen, häufig auch Geruchsempfindlichkeit. „Typisch für die Migräne ist außerdem, dass der Schmerz bei körperlicher Aktivität zunimmt, hier kann Treppensteigen bereits ausreichen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Charly Gaul, Facharzt für Neurologie und spezielle Schmerztherapie, Königstein. Aufgrund dieser zahlreichen Beschwerden haben Betroffene in einem akuten Migräneanfall das Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe.

Migräneanfälle reduzieren

Auch, wenn Migräne eine erbliche Erkrankung und damit grundsätzlich nicht heilbar ist, können die Anfälle mithilfe einer systematischen Behandlung deutlich reduziert werden. Dazu gehören die Behandlung während eines akuten Migräneanfalls sowie vorbeugende Maßnahmen. Wer vorbeugt, kann seine Kopfschmerztage oft im Monat um die Hälfte reduzieren.

Wichtig ist, dass Betroffene zunächst akzeptieren, dass die Migräneattacken ein Teil ihres Lebens sind. Diese Akzeptanz ist der Grundstein für eine erfolgreiche Behandlung, die idealerweise aus nichtmedikamentösen Verfahren, wie Entspannung und Ausdauertraining, Verhaltensmaßnahmen (psychologisch basiertes Stressmanagement) und, wenn notwendig, medikamentös vorbeugende Maßnahmen zusammengesetzt ist. Eine Kombination dieser Maßnahmen verspricht deutlich mehr Erfolg als einzelne Behandlungsmaßnahmen. Wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirksamkeit belegen dies.

„Da bei Kopfschmerzerkrankungen biologische Voraussetzungen, psychische Einflüsse – wie etwa die Lebensumstände, Stress oder psychische Belastungen – und soziale Folgen zu denen z. B. eine verminderte Leistungsfähigkeit in der Familie oder am Arbeitsplatz oder auch eine Diskriminierung aufgrund einer Erkrankung gehört, aufeinandertreffen, sollte die Behandlung all diese Aspekte berücksichtigen“, erklärt Dr. Gaul.

Bio-Psycho-Soziales Schmerzmodell

Im sog. Bio-Psycho-Sozialen Schmerzmodell werden diese unterschiedlichen Einflussfaktoren berücksichtigt. Deshalb werden in der Patientenschulung durch Ärzte, Psychologen und Physiotherapeuten sowie die medikamentöse Behandlung der akuten Kopfschmerzen und die vorbeugende Behandlung kombiniert. Ergänzt wird dies durch psychologische Einzelbehandlung in Form eines Coachings oder auch einer Psychotherapie. Darüber hinaus lernen Migränepatienten in der physiotherapeutischen Behandlung individuelle Übungen zur Schmerzreduktion.

Zu den vorbeugenden Maßnahmen zählen vor allem verhaltenspsychologische Konzepte wie u. a Stressmanagement, Achtsamkeitstraining, Entspannungsverfahren, z. B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, sowie Ausdauersport.

Behandlung im akuten Fall

Die ambulante Behandlung konzentriert sich zunächst auf die Therapie eines akuten Kopfschmerzanfalls. Die Akutmedikation zielt in erster Linie auf die rasche Linderung oder Beseitigung der Schmerzen und den damit einhergehenden Begleitsymptomen.

Ein akuter Migräneanfall wird i. d. R. zunächst mit Schmerzmitteln (Analgetika) behandelt. Zum Einsatz kommen Azetylsalizylsäure, Paracetamol und Ibuprofen sowie Medikamente aus Azetylsalizylsäure, Paracetamol und Koffein. „Wichtig ist, dass die Medikamente frühzeitig und ausreichend hoch dosiert in einem Anfall eingenommen werden“, erklärt der Arzt. Reicht die Gabe von Analgetika nicht aus, um die Schmerzen zu reduzieren, kann der Arzneistoff Triptan eingesetzt werden, der speziell zur Behandlung eines Migräneanfalls entwickelt wurde und bei vielen Betroffenen Linderung der Schmerzen bewirkt.

Treten die Kopfschmerzen sehr häufig auf, muss aufgrund individueller Aspekte, wie Begleiterkrankungen, weiterer eingenommener Medikamente, bestehender psychischer Beeinträchtigung oder anderer Erkrankungen, wie Bluthochdruck, ein geeignetes Medikament zur Prophylaxe ausgewählt werden.

Darüber hinaus ist es grundsätzlich hilfreich, wenn Betroffene über ihre Erkrankung informiert sind. So vermeidet das Wissen über die richtige Medikation u. U. Komplikationen, die auf eine zu häufige Einnahme von Medikamenten zurückzuführen sind. Denn: Die Einnahme der Akutmedikation an zehn oder mehr Tagen im Monat kann eine Zunahme der Migränehäufigkeit (Chronifizierung) bewirken.

Ärztliche Diagnostik sinnvoll

Betroffene sollten am besten immer dann einen Arzt aufsuchen, wenn die Kopfschmerzen häufig auftreten, sich verstärken oder nicht mehr auf die bislang eingesetzte Schmerzmedikation zur akuten Behandlung ansprechen. „Manchmal ist Diagnostik auch notwendig, um eine sog. Aura (Flimmersehen, Gesichtsfelddefekt, halbseitige Gefühlsstörung) im Rahmen einer Migräneattacke von anderen neurologischen Erkrankungen abzugrenzen“, erläutert Dr. Gaul. Zudem bedürfen „Kopfschmerz wie noch nie“ ebenfalls der ärztlichen Diagnostik und Therapie. Gelegentlich kommt es zum Status migraenosus, einem mehr als drei Tage anhaltenden Migräneanfall. Auch dann ist ärztliche Hilfe notwendig.

Ansprechpartner finden

Selbsthilfegruppen können häufig erfahrene Ärzte in Wohnortnähe nennen. Eine Liste von Behandlern ist auch über die Fachgesellschaft der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft nach Postleitzahlen geordnet einsehbar. Die Mehrzahl der Betroffenen kann gut hausärztlich versorgt werden. Ist die Therapie nicht erfolgreich oder besteht bereits eine Chronifizierung können Neurologen, Spezialambulanzen für Kopfschmerzpatienten oder Schmerztherapeuten häufig weiterhelfen.

Migräne oder „normaler Kopfschmerz?“

Migräne wird von Spannungskopfschmerzen (sog. Kopfschmerz vom Spannungstyp) abgegrenzt, der häufig als „normaler Kopfschmerz“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich meist um einen beidseitigen Kopfschmerz, der ohne wesentliche Begleitsymptome einhergeht und bei körperlicher Anstrengung nicht zunimmt. Das typische Rückzugs- und Ruhebedürfnis, das bei Migräne besteht, tritt hier i. d. R. nicht auf.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen zur Linderung von Kopfschmerzen

Bei Migräne:

  • Pause einlegen
  • Reizabschirmung, Ruhe und ggf. Schlaf
  • Lokale Kühlung von Stirn und Nacken mit Cool-Packs

Bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp:

  • Bewegung an der frischen Luft
  • Entspannungstraining
  • Warmes Bad, Wärmflasche oder Kirschkernkissen auf den verspannten Nacken auflegen
  • Eisreibungen mit einem „Eislolly“ (gefrorenes Wasser, z. B. in einem Joghurtbecher hergestellt). Durch den Kältereiz wird das Gewebe mehr durchblutet, die Muskeln entspannen sich.

Quelle: Deutsches Magazin für Frauengesundheit 1/2018

05.07.18