- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Neurologie - Multiple Sklerose - Therapie - MS: Hilfe bei Nebenwirkungen

MS: Hilfe bei Nebenwirkungen

Jedes Medikament kann unerwünschte Wirkungen nach sich ziehen, unabhängig davon ob es sich um frei verkäufliche oder verschreibungspflichtige Medikamente handelt. Das gilt auch für die Medikamente zur verlaufsmodifizierenden Therapie bei MS. Nebenwirkungen müssen nicht immer sofort auftreten, sie können sich auch erst nach einer Weile der Einnahme bzw. Verabreichung bestimmter Wirkstoffe entwickeln.

Bei plötzlich auftretenden Beschwerden sollte bei MS daher nicht nur an mit der Erkrankung einhergehende Symptome, sondern auch an mögliche unerwünschte Wirkungen der verlaufsmodifizierenden Behandlung gedacht werden – vor allem, wenn die Symptome in zeitlichem Zusammenhang mit der Einnahme/Injektion von Medikamenten stehen. Allgemein gilt: Bei allen neu auftretenden Beschwerden sollten MS-Patienten ihren Arzt aufsuchen, denn in der Regel können diese dann schnell behandelt werden. Sollte es sich tatsächlich um Nebenwirkungen der MS-Behandlung handeln, lassen sich notwendige Maßnahmen (z. B. ein Wechsel der Medikation) ergreifen. Bei der Einnahme einiger MS-Medikamente ist eine engmaschige Kontrolle unerlässlich, da sie in seltenen Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen nach sich ziehen kann. Wichtig ist, dass unter der Therapie mit verlaufsmodifizierenden Medikamenten in regelmäßigen Abständen ein Blutbild erstellt wird und Daran lassen sich viele risikoreiche Nebenwirkungen bereits erkennen.

Interferon-beta und Glatirameracetat

Zu den gut erprobten Medikamenten der verlaufsmodifizierenden Therapie zählt Interferon-beta. Es ist bereits seit mehr als 20 Jahren bei MS im Einsatz. Zu den Symptomen, die zu Anfang einer Therapie häufig auftreten, gehören Fieber, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen. Diese Beschwerden klingen in der Regel ab, dennoch sollten Patienten mit ihrem Arzt darüber sprechen. Der Arzt kann bei Bedarf zudem Medikamente gegen Beschwerden verschreiben. Rötungen und Entzündungen der Haut an den Stellen, an denen Interferon-beta injiziert wird, sind zu Anfang der Therapie ebenfalls häufig. Später treten sie nur noch selten auf. Patienten, die diese Probleme haben, sollten sich von einer MS-Schwester zur richtigen Injektionstechnik beraten lassen. Letzteres gilt auch für Patienten, die statt Interferon-beta den Wirkstoff Glatirameracetat injizieren. Sollte die Haut an der Einstichstelle schmerzen, gibt es zudem die Möglichkeit, den betroffenen Hautbereich zu kühlen und gegen Schmerzen den Wirkstoff Ibuprofen zu nehmen. Halten die Probleme an, sollte der Arzt informiert werden.

Dimethylfumarat und Teriflunomid

Zwei Wirkstoffe – Dimethylfumarat und Teriflunomid – sind zur oralen Therapie der MS zugelassen. Bei der Einnahme von Dimethylfumarat kann es besonders in der Anfangszeit zu Übelkeit, Durchfall und weiteren Magen-Darm-Beschwerden kommen. Diese Beschwerden geben sich in der Regel mit der Zeit und sollten durch Medikamente eingedämmt werden. Teriflunomid kann unter Umständen die Nieren oder die Leber sowie die Knochenmarksfunktion schädigen. Das Auftreten dieser Nebenwirkungen lässt sich oft bereits am Blutbild feststellen. Erhöht sich die Zahl der weißen Blutkörperchen bei der Kontrolle auffällig, ist unter Umständen über einen Wechsel der Medikation nachzudenken. Das Gleiche gilt für Dimethylfumarat.

Weitere MS-Medikamente

Zur Behandlung der hochaktiven Form der MS stehen weitere Medikamente zur Verfügung, von denen Alemtuzumab, Fingolimod und Natalizumab die Mittel der ersten Wahl sind. Alemtuzumab ist ein Medikament, das als Infusion verabreicht wirund Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen, Hitzegefühl, Nesselsucht, Fieber, Abgeschlagenheit. Aber auch Autoimmunreaktionen (insbesondere gegen die Schilddrüse) können auftreten. Da die Gabe von Alemtuzumab die Gefahr von schweren Nebenwirkungen (z. B. schweren Infektionen) bergen kann, müssen die Patienten nach der Verabreichung in regelmäßigen Zeitabständen untersucht und ihr Blut kontrolliert werden.

Fingolimod, ein oral einzunehmendes Medikament bei hochaktiver RRMS, kann wie Natalizumab im Einzelfall eine progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) nach sich ziehen, weshalb auch hier regelmäßig das Blut untersucht werden muss. Zu den weiteren möglichen Nebenwirkungen zählen u. a. Herzrhythmusstörungen und eine erhöhte Infektionsneigung.

Bei hochaktiver RRMS ist Mitoxantron, ein Wirkstoff, der die Tätigkeit des Immunsystems unterdrückt, das Medikament der zweiten Wahl. Bei sekundär progredienter MS (SPMS) kommt es ebenfalls zum Einsatz. Unter der Einnahme verändert sich das Blutbild, weshalb hier ebenfalls engmaschige Kontrollen erforderlich sind. Allgemein gilt: Bei Symptomen nach der Einnahme oder Verabreichung von MS-Therapeutika sollte der Arzt aufgesucht werden. MS-Patienten sollten zudem daran denken, dass Medikamente auch Depressionen nach sich ziehen können. Deshalb sollte auch bei psychischen Veränderungen immer an Nebenwirkungen der MS-Therapie gedacht werden.

Quelle: Befund MS 3/2018

03.04.19

Therapie von Multipler Sklerose