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Sonstige Erkrankungen

Weitere mögliche Erkrankungen können z. B. den eigenen Schlaf betreffen, so kann es unter anderem zu Schlafstörungen oder nächtlichem Bettnässen kommen.

Sonstige Erkrankungen
© iStock - blackCAT

Müdigkeit: Symptom mit vielen Ursachen

Rund jeder vierte Erwachsene leidet unter Schlafstörungen. Die Folge kann eine anhaltende Müdigkeit sein. Doch Müdigkeit kann noch viele andere Ursachen haben. Dr. Samia Little Elk, Berlin, weiß, was dahinter stecken und was Betroffenen helfen kann.

Wie viele Menschen in Deutschland sind von Müdigkeit betroffen?

Von einer Müdigkeit, die Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen im Alltag beeinflusst, sind viele betroffen. In Befragungen von Personen ab 16 Jahren liegt der Anteil bei etwa 30 Prozent. Frauen sind dabei häufiger betroffen und bei den über 70-Jährigen steigt der Anteil der Betroffenen auf über 70 Prozent.

Diese hohen Zahlen stehen durchaus auch für unsere beschleunigte Zeit. Wir sind immer erreichbar, auch für Kolleg*innen und Vorgesetzte. Die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen zunehmend. Die Abgrenzung zu anderen Menschen und ihren Bedürfnissen wird immer schwerer. Das daraus resultierende erhöhte Anspannungsniveau führt dazu, dass auch unser Schlaf häufiger gestört ist.

Wann ist die Rede von einer auffälligen Müdigkeit?

Müdigkeit ist erst einmal ein natürliches Bedürfnissignal des Körpers. Er benötigt regelmäßig Ruhe, Erholung und Schlaf.

Wir schauen als Ärzt*innen, wie häufig die Müdigkeit vorkommt und wie stark sie die Betroffenen beeinträchtigt. Auffällig wird es, wenn Müdigkeit und Erschöpfung durchschnittlich mehr als drei Tagen in der Woche prägen – also jeweils über den Tag anhalten oder etwa gleich nach den ersten Aktivitäten des Morgens erneut auftreten. Da sollte dann genauer geschaut werden.

Was können die Ursachen für häufige Müdigkeit sein?

Als Erstes schauen wir uns den Lebensstil der Betroffenen an: Wann geht sie ins Bett? Wie viel Schlaf bekommt oder erlaubt sie sich? Wie ernährt sie sich? Trinkt sie Kaffee und Alkohol, wann und in welchen Mengen? Gibt es Drogenkonsum oder werden regelmäßig Medikamente eingenommen?

Auch andere Vorerkrankungen spielen eine wichtige Rolle. Unterm Strich steht hier die Frage, ob die Möglichkeiten zum Laden der eigenen Batterie weniger stark ausgeprägt sind, als sie am Tag beansprucht wird, sodass eine negative Bilanz entsteht.

Natürlich gibt es auch seelische Ursachen, die mit einem chronischen Erschöpfungsgefühl einhergehen können. Etwa depressive Erkrankungen werden häufig von einer gesteigerten Erschöpfung und dem Gefühl ,ausgebrannt‘ zu sein begleitet. Auch Angststörungen verursachen oft eine hohe Angespanntheit während des Tages, die ebenfalls viel Energie kostet.

Außerdem kommen körperliche Ursachen infrage. Etwa eine Schilddrüsenunterfunktion. Oder im Zuge einer eigentlich überstandenen Infektion, etwa der Grippe oder von Corona. Bei Frauen können auch Veränderungen im Zyklus oder Schwangerschaft und Geburt häufige Müdigkeit verursachen.

Wie genau kann sich Müdigkeit äußern?

Wir fühlen uns erschöpft, haben ein Bedürfnis nach Schlaf. Manch einer bemerkt einen Kopfdruck oder gar Kopfschmerzen oder ein Druckgefühl auf den Augen.

Es kommt zu Konzentrationsstörungen. Wir sind nicht mehr so leistungsfähig. Gerade, wenn die Müdigkeit länger anhält oder stark ausgeprägt ist, werden wir reizbarer oder sind näher am Wasser gebaut.

Wie sieht eine Diagnostik bei häufiger Müdigkeit aus?

Hausärztinnen und -ärzte werden von Betroffenen in der Regel als Erstes aufgesucht. Neben den Standarduntersuchungen von Blut und Schilddrüse wird im Idealfall auch bereits die seelische und psychosoziale Situation berücksichtigt. Gibt es im persönlichen Umfeld aktuell außergewöhnliche Herausforderungen, wie z. B. die Pflege eines Angehörigen?

Psyche und Somatik, also seelische und körperliche Ursachen, sind dann auch bei eingehender Diagnostik und Behandlung die zentralen Bausteine. Hier blicken Fachärzt*innen in spezialisierten Kliniken ganzheitlich und sehr individuell auf den Menschen und seine persönliche Situation.

Es geht nach dem Henne-Ei-Prinzip häufig darum, was zuerst da war und wo die Ursache für die Müdigkeit liegt. Liegt sie im Körperlichen? Gibt es psychische Ursachen? Ist es etwas Situatives oder Soziales?

Um das herauszufinden, werden am Anfang ausführliche Gespräche geführt. Im nächsten Schritt kann es sinnvoll sein, auch den Schlaf zu untersuchen. Im Schlaflabor werden u. a. die Schlafphasen gemessen und beurteilt: Sind die wichtigen Tief- und Traumschlafphasen in ausreichender Menge vorhanden und sehen gesund aus?

Aber auch Herz- und Hirnaktivität, Atmung, Sauerstoffsättigung und Muskelanspannung können wir messen und beurteilen, ob sie sich gesund darstellen. So können u. a. auch neurologische und andere körperliche Ursachen entdeckt werden.

Je nach Ergebnis der Untersuchung kooperieren bei Bedarf die Fachärzt*innen über die Disziplinen hinweg, und es wird z. B. für körperliche Ursachen eine Internistin/ein Internist hinzugezogen.

Wie wird Müdigkeit behandelt?

Behandelt wird immer die Ursache. Wir gehen ganzheitlich und interdisziplinär vor. Oft liegt die Ursache für Müdigkeits- und Schlafprobleme im Psychischen. Das ist in etwa 80 Prozent der Fälle so. Dann behandeln wir diese, wie z. B. eine Depression oder eine Angsterkrankung. Gibt es eine körperliche Ursache, wird auch diese zugrunde liegende Problematik bei uns direkt oder in Kooperation mit den jeweiligen Fachärzt*innen behandelt.

Mit einem individuellen Ansatz und einer ganzheitlichen Betrachtungsweise ist es in den meisten Fällen möglich, gute Behandlungserfolge zu erzielen. Und das auch für bereits seit langer Zeit bestehende Schlafstörungen.

Was können Betroffene selbst tun, um die Müdigkeit zu bekämpfen?

Die erste und naheliegende Erkenntnis lautet: Wie wir uns am Tag verhalten, beeinflusst maßgeblich unsere Nacht.

Meine Empfehlung ist: Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, sollten Sie im Urlaub die Tage einmal genauso gestalten, dass sie Ihrer inneren Uhr entsprechen. Sind Sie eher Frühaufsteher? Dann stehen Sie dementsprechend rechtzeitig auf und gehen am Abend auch früh genug, wenn Sie müde werden, ins Bett.

Oder haben Sie abends noch ein Hoch und werden noch mal richtig aktiv oder kreativ? Dann sind Sie womöglich ein Spättyp und erlauben sich, spät ins Bett zu gehen und auch auszuschlafen.

Die innere Uhr lässt sich nicht umprogrammieren oder austricksen, auch nicht langfristig. Zu verstehen, wie sie tickt, ist oft die halbe Miete.

Nicht jede kann ihr Berufsleben am inneren Rhythmus ausrichten. Aber meine Erfahrung ist, dass viele Betroffene auch vorhandene Gleitzeitmodelle nicht effektiv nutzen, obwohl es ihrem Schlafbedürfnis zugutekäme. Nach dem Motto: ,Dann ist ja der ganze Tag um, wenn ich erst um 10 Uhr anfange zu arbeiten.‘ Obwohl das für den späten Schlaftyp, also die ,Nachteule‘, eher eine ungünstige Einstellung wäre.

Das andere ist die Bedeutung von Tageslicht für die Produktion des ,Glückshormons‘ Serotonin. Es hilft uns dabei, uns tagsüber ausgeglichener zu fühlen. Abends finden wir nach einem erfüllten Tag wiederum besser in die Entspannung, können besser herunterfahren.

Melatonin, unser Schlafhormon, wird ausreichend produziert und bereitet den Körper auf einen erholsamen Schlaf vor. Und auch hier gilt: Wie der Tag verlief, beeinflusst maßgeblich den Verlauf der Nacht. Selbst an einem bewölkten Tag lohnt es sich also, sich auch mal draußen aufzuhalten, sich draußen zu bewegen und durch alle Wolken hindurch etwas wertvolles Tageslicht zu tanken.

Quelle: Frauengesundheit 4/2023

 

21.06.2024
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