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Neuer Therapieansatz bei Neurodermitis?

Körpereigene Cannabinoide wirken entzündungshemmend

Die Volksmedizin wusste es schon immer: Extrakte der Hanfpflanze Cannabis heilen. Bis in die 30er Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts gab es den Pflanzenextrakt sogar noch in der Apotheke. Eingesetzt wurde er bei rheumatischen Beschwerden oder Malaria. Seit etwa zwei Jahrzehnten weiß man, dass der Körper auch eigene Cannabinoide bildet. Sie spielen eine Rolle bei der Regulation von Entzündungsvorgängen. In einem Forschungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft gehen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn dieser Hypothese nach, wie das Universitätsklinikum Bonn berichtet. Der bekannteste Wirkstoff des Cannabis ist das Tetrahydrocannabinol (THC). Bisher sind zwei körpereigene Rezeptoren bekannt, über die THC seine Wirkung entfalten kann: CB1 und CB2. Der CB1-Rezeptor wurde zuerst im zentralen Nervensystem nachgewiesen, kommt aber auch im Darm und in der Haut vor. CB2-Rezeptoren sitzen vor allem auf Zellen des Immunsystems wie z. B. Lymphozyten, Makrophagen oder antigenpräsentierenden, sog. dendritischen Zellen. Tetrahydrocannabinol, aber auch körpereigene sog. Endocannabinoide können über die Bindung an CB1 und CB2-Rezeptoren die Immunabwehr beeinflussen und Immunantworten unterdrücken.

Die Haut im Fokus

Die hemmende Wirkung des Endocannabinoid-Systems wurde zunächst im zentralen Nervensystem beobachtet. Der immunregulierende Effekt von Cannabinoiden ist aber auch bei kontaktallergischen Entzündungen in der Haut von Bedeutung. Die Dermatologin Dr. med. Evelyn Gaffal leitet die experimentellen Arbeiten zur Bedeutung des körpereigenen Cannabinoidsystems in der Haut. „Cannabinoid-Rezeptoren finden sich im Gehirn, auf den Nerven, im Immunsystem, in Gefäßen und in der Haut“, sagt die Fachärztin. „Unsere Forschungen konzentrieren sich auf die Haut. Bisher können wir nur vom Mausmodell sprechen. Mäuse denen Cannabinoid-Rezeptoren fehlen, entwickeln stärkere kontaktallergische Entzündungen“, fasst Dr. med. Evelyn Gaffal die Ergebnisse zusammen. „Wir sind dabei, den Mechanismus genauer zu erklären. Z. B. testen wir, was passiert, wenn wir den Rezeptor nur auf bestimmten Zellen in der Haut, wie z. B. Nervenzellen oder Mastzellen wegnehmen. So können wir die gewebespezifische Wirkung der Endocannabinoide genauer untersuchen. Unser Ziel ist der Einsatz von Cannabinoiden zur Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen.“

Neue Therapien für Neurodermitiker

Die Ergebnisse eröffnen neue Optionen für die Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen wie z. B. der Neurodermitis. Ins Auge fassen die Forscher zum einen Medikamente, die den Abbau von Endocannabinoiden verhindern. Aber auch das alte Hausmittel Cannabis könnte als Salbe neu zum Einsatz kommen. Im Mausexperiment zeigte dieser Ansatz schon Wirkung: „Wenn wir den Tieren kurz vor und nach Auftrag des Allergens eine THC-Lösung auf die Haut pinselten, fiel die Schwellung deutlich geringer aus“, erklärt Prof. Dr. Thomas Tüting aus der Forschergruppe um Dr. Gaffal. Die dämpfende Wirkung körpereigener Cannabinoide wird auch in anderen Zusammenhängen untersucht. Eine Forschergruppe an der Universität in Göttingen forscht an seinem Einfluss auf Asthma, ein spanisches Team konzentriert sich auf den Einsatz von Endocannabinoiden in der Therapie bei Hirntumoren.

Quelle: Allergikus 3/2012

29.11.12

Therapie von Neurodermitis