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Entstehung des Reizdarms

Welche Ursachen zum Reizdarm-Syndrom (RDS) führen, ist bis heute nicht bekannt. Es gibt einige Theorien darüber, welche Faktoren zu einem Reizdarm-Syndrom führen könnten. Vermutlich wird die Entstehung des Reizdarm-Syndroms stark von psychischen Einflüssen und Stress begünstigt. Als gesichert gilt momentan eine Störung der Empfindlichkeit des Darms gegenüber Reizen (viszerale Sensitivität).

Familiäre Häufung deutete zunächst auf genetische Ursachen

Beobachtungen aus vergangenen Studien ergaben, dass rund ein Drittel der Reizdarm-Patienten Verwandte ersten Grades hatte, die ebenfalls am Reizdarm-Syndrom litten. Demgegenüber fanden sich jedoch nur bei 2 % der gesunden Studienteilnehmer erkrankte Familienmitglieder. Befragungen von ein- und zweieiigen Zwillingspaaren bekräftigten zunächst den Verdacht, dass ein familiärer Zusammenhang bestehe. Die detaillierte Auswertung dieser Befragungen ließen jedoch Zweifel bezüglich eines genetischen Zusammenhangs aufkommen.

Neuere Studien konnten keine erblichen Faktoren aufdecken

Für die beobachtete familiäre Häufung konnten bis heute keine genetischen Faktoren ermittelt werden. Auch weitere Studien, in denen Gene untersucht wurden, die den Bauplan für verdauungsrelevante Proteine enthalten, erbrachten keinen Hinweis auf Genveränderungen. Aufgrund der fehlenden Nachweise erblicher Komponenten vermuten Wissenschaftler derzeit, dass Umweltfaktoren und erlernte Verhaltenweisen eine Rolle in der Entstehung des Reizdarm-Syndroms spielen könnten.

Veränderte Darmflora

Im Rahmen einer im Jahr 2008 veröffentlichten Untersuchung wurde festgestellt, dass sich der Anteil bestimmter Darmbakterien im Stuhl von Reizdarmpatienten und einer gesunden Vergleichsgruppe unterschied. Diese Ergebnisse werden durch Beobachtungen gestützt, nach denen rund ein Drittel der Reizdarm-Patienten an einem Infekt im Verdauungstrakt litt, bevor sich das Reizdarm-Syndrom manifestierte. Auch durch die Einnahme von Antibiotika könnte sich bei einigen Menschen die Reizdarm-Symptomatik erklären lassen. Ebenfalls untermauert wird die Hypothese einer veränderten Darmflora als Ursache für das Reizdarm-Syndrom durch die Besserung der Krankheitszeichen durch eine probiotische bzw. antibakterielle Behandlung. Ob jedoch die Darmfloraveränderungen Ursache oder Auswirkung des Reizdarm-Syndroms sind, ist weiterhin unklar.

Bewegungsabläufe des Darms bei der Entstehung des Reizdarms

Normalerweise bewegt sich der Darm bei gesunden Menschen in einer spezifischen Weise: Der Dünndarm bewegt sich immer wieder regelmäßig in Richtung Dickdarm, damit der Nahrungsbrei effektiv weiter transportiert werden kann. Bei Patienten, die unter einem Reizdarm leiden, zieht sich der Darm krampfartig zusammen, in kurzen, schnell aufeinanderfolgenden Bewegungen. In manchen Fällen ist diese Verkrampfung des Reizdarms auf der Röntgenaufnahme als sogenannter Perlschnurdarm zu sehen.

Schmerzempfindlichkeit des Darms bei der Entstehung des Reizdarms

Wenn man von Reizdarm betroffen ist, kann die Schmerzempfindlichkeit des Darms erhöht sein. Man vermutet, dass die Ursache hierfür in einem fehlerhaften Austausch von Informationen zwischen Gehirn und Darm liegt. Es ist wahrscheinlich, dass in diesem Zusammenhang der Botenstoff Serotonin von Bedeutung ist. Serotonin ist sowohl für die Lenkung der Darmfunktion als auch für das Schmerzempfinden zuständig. Die Patienten, die von der Entstehung des Reizdarms betroffen sind, reagieren besonders auf Dehnung. Da die Schmerzschwelle niedriger als bei gesunden Menschen ist, kann z. B. ein normaler Gasgehalt im Darm zu Schmerzempfinden führen.

Die Psyche bei der Entstehung des Reizdarms

Die meisten Menschen haben schon einmal ein Gefühl von Nervosität, körperlicher Anspannung und Fahrigkeit kennengelernt, z. B. vor einer Rede, die man halten muss. Unter solchen Umständen ist auch der Magen-Darm-Trakt überaktiv. Die Reaktionen auf solche Situationen sind zwar nicht bei allen Menschen gleich, aber bei vielen kommt es zu Veränderungen in der Magen-Darm-Gegend. Im Magenbereich können Übelkeit, Sodbrennen oder Erbrechen entstehen, im Darmbereich Krämpfe, Rumoren und Durchfall. Solche Symptome können – wenn auch in abgeschwächter Art – zum Dauerzustand werden, vor allem, wenn psychische Probleme vorliegen. Wenn man für diese Symptomatik keine körperlichen Ursachen diagnostizieren kann, sind psychische Ursachen für die Entstehung des Reizdarms wahrscheinlicher.

Die Rolle des Zentralnervensystems bei der Entstehung des Reizdarms

Es ist noch nicht wissenschaftlich gesichert, dass das Zentralnervensystem bei der Entstehung des Reizdarms beteiligt ist. Einer amerikanischen Theorie folgend besteht eine „Gehirn-Darm-Achse“. Bei dieser Verbindung sind verschiedene Substanzen involviert, deren Aufgabe die Übertragung von Reizen oder Impulsen ist. Bei der Entstehung eines Reizdarms ist diese Verbindung verändert. Dehnungsreize und andere Impulse aus dem Magen und dem Darm werden im Gehirn falsch verarbeitet und als Beschwerden gemeldet. Bei Patienten mit Reizdarm ist das Zentralnervensystem leichter aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Die Ernährung bei der Entstehung des Reizdarms

Bestimmte Ernährungsweisen kommen als Ursache bei der Entstehung des Reizdarms infrage, z. B. ein ungenügendes Kauen. Auch zu kalte oder zu heiße Speisen können die Entstehung eines Reizdarms begünstigen. Zitrusfrüchte, fettige Speisen und Kohl, Erbsen, Linsen und Bohnen können Blähungen auslösen. Beim Reizdarm können auch Fruchtzuckerunverträglichkeit, Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) oder Unverträglichkeit von Kohlenhydraten eine Bedeutung haben.

Antje Habekuß, Fedor Singer

27.11.14

Entstehung