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Betroffene berichtet von ihrer Rückkehr in den Beruf

Stück für Stück zurück

Der Tumor in der Brust von Natalie Weber (Name von der Redaktion geändert) ist 5,5 × 6 Zentimeter groß, als er entdeckt wird. Zu diesem Zeitpunkt ist sie 37 Jahre alt, hat drei Kinder und nach einer mehrjährigen Elternzeit vor neun Monaten wieder angefangen zu arbeiten. Die Diagnose stellt das ganze Leben auf den Kopf – und bedeutet auch den Ausstieg aus dem Beruf. Für insgesamt 14 Monate. In dieser Zeit durchläuft sie ihre Krebstherapie: Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, anschließend folgt eine Antihormontherapie.

So wie Natalie Weber geht es vielen Frauen, sie werden nicht nur aus ihrem Leben gerissen, sondern auch aus ihrem beruflichen Umfeld. Insgesamt kehren rund 60 % der Krebspatienten nach der Therapie wieder zurück in ihren Beruf. Für viele bedeutet der Arbeitsplatz auch ein Stück Alltag, der ihnen hilft, das Erlebte zu verarbeiten und den Weg zurück ins Leben zu finden. Auch Natalie Weber wollte nach ihrer Therapie wieder arbeiten gehen, obwohl sie finanziell durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert wäre. „Arbeiten gehen, bringt ein Stück Normalität zurück“, sagt sie. „Das ist schön und anstrengend zugleich.“

Wiedereingliederung

14 Monate nach der Diagnose begann sie mit der Wiedereingliederung, die insgesamt rund drei Monate dauerte. Zunächst arbeitete sie täglich zwei Stunden, die Arbeitsstunden wurden dann langsam erhöht. Das Geld kommt in dieser Zeit i. d. R. von der Krankenkasse (Krankengeld) oder der Rentenversicherung (Übergangsgeld), je nachdem, wer Träger der Maßnahme ist. Der Arbeitgeber selbst muss in dieser Zeit kein Gehalt zahlen.

Eine langsame Rückkehr in den Beruf kann sinnvoll sein, denn nach einer Therapie braucht der Körper einige Zeit, um wieder voll leistungsfähig zu sein, die Patientinnen sind manchmal noch müde und schlapp. Da kann ein Arbeitstag die Betroffenen vielleicht sogar überfordern.

Natalie Weber machte vor allem die Strahlentherapie zu schaffen. „Ich war müde, schlapp, wie erkältet“, erinnert sie sich. Auch während der Chemotherapie hatte sie mit Nebenwirkungen zu kämpfen. „Ich habe manchmal drei Mal pro Einkauf den Einkaufswagen im Laden nicht mehr wieder gefunden.“ Auch Worte und Namen fielen ihr nicht mehr ein. „Aber dank Omas und Co. konnte ich mir Auszeiten nehmen und so Stück für Stück in den Alltag zurückfinden.“ Auch eine Haushaltshilfe stand ihr zur Seite. „Viele Frauen haben hier eine Hemmschwelle, möchten sich keine Hilfe ins Haus holen“, berichtet sie von ihren Gesprächen mit anderen Betroffenen. Doch für Natalie Weber war die Haushaltshilfe eine große Entlastung und sie ermutigt andere Frauen, sich rechtzeitig darum zu kümmern. Später, mitten in der Therapie, falle dies angesichts schwindender Kräfte oft schwer. Und: „Man muss kein schlechtes Gewissen haben“, betont sie. Die Haushaltshilfe unterstützte sie während der gesamten Wiedereingliederung.

Einstieg sorgfältig abwägen

Bevor Betroffene damit beginnen, sollten sie sich vorab genau fragen, wie belastbar sie sind, wie viele Stunden sie arbeiten können und wollen oder, ob vielleicht eine Umschulung oder eine neue Arbeitsstelle die bessere Alternative ist. Unabhängig davon, wie die Entscheidung am Ende ausfällt, ist es wichtig, möglichst frühzeitig den Kontakt mit dem Arbeitgeber zu suchen, um Möglichkeiten auszuloten.

Natalie Weber hat nach der Krebserkrankung ihre Arbeitszeit reduziert, arbeitet statt 20 nun 15 Stunden in der Woche. „Der Wiedereinstieg hat gut geklappt. Die Arbeit ist ok“, berichtet sie. Vor der Erkrankung habe sie – rückwirkend betrachtet – kurz vor einem Burn-out gestanden. „Die Stelle hat nicht zu mir gepasst.“ Jetzt hat sie einen anderen Arbeitsplatz im Unternehmen bekommen, mit der sie besser zurechtkommt. Natalie Weber stellt aber auch fest: „Multitasking geht nicht mehr. Ich vergesse hier und da etwas und versuche, dies mit Struktur zu kompensieren.“

Hilfe bei Problemen

Die meisten haben, so wie auch der Senior-Chef des Unternehmens, auf ihre Erkrankung mitfühlend und geschockt reagiert. Doch es gab auch Probleme: „Der Personalchef war da nicht so mitfühlend, er drängte mich dazu, wieder zu arbeiten, wollte mir meinen Urlaub streichen. Außerdem will er meine Arbeitszeiten, die von meinen Vorgesetzten so gewollt sind, nicht in der EDV pflegen, sodass mir bei einem Urlaubs- oder Feiertag Minuten auf dem Stundenkonto fehlen. Er wollte auch, dass ich einen neuen Arbeitsvertrag unterschreibe, was ich auch tat, aber erst nachdem ich ihn von einem Rechtsanwalt habe prüfen lassen.“

Das zeigt, bei der Rückkehr in den Job müssen u. U. auch einige Hürden überwunden werden. Natalie Weber haben hier vor allem die während der Anschlussrehabilitation (AHB) durch die Sozialberatung erhaltene Informationen geholfen, ihre Rechte besser zu kennen. Außerdem holte sie sich Rat bei ihrer Rechtsschutzversicherung.

Dies zeigt, wie wichtig es sein kann, sich Hilfe suchen. Hier stehen z. B. auch die Krebsberatungsstellen den Betroffenen zur Seite. Diese können in fachlichen Fragen weiterhelfen oder Experten vermitteln und Erkrankte auch unterstützen, mit der Rückkehr in den Beruf und damit verbundenen Sorgen und Ängsten besser zurechtzukommen.

Natalie Weber hat sich auf ihrer neuen Stelle gut eingelebt. Mit ihrer Erkrankung geht sie offen um, spricht auch ab und zu ein wenig mit ihren Kollegen darüber. Irgendwann will sie sich aber wahrscheinlich doch noch einmal umorientieren und eine neue Stelle suchen.

Quelle: Leben? Leben! 1/2018

31.07.18

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