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Therapie von Alkoholsucht

Die Behandlung von Alkoholsucht ist in der Regel durch einen zur Entgiftung durchgeführten sogenannten Entzug, eine Therapie und lebenslange Abstinenz gekennzeichnet. Die Therapie wird bei ernsthafter Motivation und bei Abstinenz von mindestens zwei Monaten von Kostenträgern übernommen. Die Gefahr, einen Rückfall zu erleiden, ist groß, zumal der Betroffene bei weiterer regulärer Teilnahme an der Gesellschaft häufig mit Alkohol konfrontiert werden kann.

Stationäre Entziehung

Bei der zur Entgiftung des Körpers dienenden Entziehung wird dem Betroffenen der Alkohol entzogen. Dieser Vorgang sollte unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden, da lebensbedrohliche Entzugserscheinungen wie Krampfanfälle und Psychosen auftreten können, die sofort medikamentös behandelt werden müssen. Daher erfolgt der Entzug stationär auf speziellen Entgiftungsstationen für Alkoholsüchtige.

Die stationäre Entgiftung erfolgt über einen Zeitraum von acht bis zehn Tagen. Die häufigsten Entzugssymptome sind Übelkeit, starkes Schwitzen, Nervosität, Schlafstörungen und der innere Drang, Alkohol zu trinken. Der Gemütszustand des Betroffenen schwankt zwischen Gereiztheit und depressiver Verstimmung. Zittern, grippeähnliche Symptome und Krampfanfälle, Halluzinationen und Delirien deuten auf eine starke und bereits lang anhaltende körperliche Abhängigkeit hin.

Medikamentöse Therapie von Alkoholsucht

Die Entzugserscheinungen können medikamentös behandelt werden. Dabei ist in Deutschland die Verwendung von Psychopharmaka üblich, um ein Delirium tremens, eine hirnorganische Störung, die beim Alkoholentzug auftreten kann, zu vermeiden. Die Hälfte aller alkoholentzugsbedingten Delirien wird von einem epileptischen Anfall eingeleitet. Delirien können auch als Folge alkoholsuchtbedingter Krankheiten wie Entzündungen von Bauchspeicheldrüse und Leber oder Lunge auftreten. Bestimmte Psychopharmaka besitzen ein hohes Abhängigkeitspotenzial, sodass eine Therapie nur kurzfristig erfolgt. Die Verabreichung darf nur stationär erfolgen. Alternativ werden sogenannte Benzodiazepine, die angstlösend, sedierend und hypnotisch wirken, gegeben. Entzugskrampfanfällen wird mittels Antiepileptika vorgebeugt, hoher Blutdruck wird mit blutdrucksenkenden Medikamenten bekämpft. Nach Ende des Entzugs ist der Körper des Patienten vom Alkohol entgiftet.

Psychotherapie bei Alkoholsucht

Ausschlaggebend für die Verhinderung eines Rückfalls ist eine psychische Betreuung des Alkoholsüchtigen nach der Entziehung. Ziel der Therapie ist die Vermittlung von Problemlösungsstrategien ohne Alkoholkonsum und die Langzeitentwöhnung durch lebenslangen Alkoholverzicht. Soziales Training muss bei vielen Alkoholsüchtigen verordnet werden, um der in der Alkoholsucht „erlernten“ Distanzierung zu Angehörigen und anderen Gesellschaftsmitgliedern entgegenzuwirken und einen offenen Umgang mit der Sucht zu ermöglichen.

Die eigene Motivation des von Alkoholsucht Betroffenen, die Therapie anzufangen und durchzuhalten sowie zur weiteren Motivation Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker zu besuchen, ist für den Therapieserfolg ausschlaggebend. Die Therapie von Alkoholsucht erfolgt in der Regel stationär über einen längeren Zeitraum in speziellen Suchtkliniken. Auch die nur tagsüber durchgeführte stationäre Therapie mit Entlassung zur Nacht nach Hause wird angewandt.

Notwendige Erkenntnis

Die Erkenntnis, dass nur ein lebenslanger Alkoholverzicht die Rückfallgefahr sicher ausschließt, ist wesentlich und unentbehrlich. Die „Trockenheit“ zu erlangen und zu erhalten, ist für einen Alkoholsüchtigen ein lebenslanger Prozess, der durch persönliche und soziale Entwicklung erreicht wird. Die psychische und körperliche Stabilität, sich mit der Konfrontation mit Alkohol und Alkoholkonsum im Alltag auseinanderzusetzen, ist ein stetiger Lernprozess.

Prognose

Nach einem bis vier Jahren Therapie sind etwa 50 % der Patienten noch abstinent. Die Erfolgsquote steigt mit der Länge der therapeutischen Behandlung. Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker werden in die Therapie mit einbezogen und können für eine lebenslange Unterstützung auch nach Beendigung der stationären Behandlung sorgen. Auch für Angehörige gibt es – zusammen mit dem Betroffenen oder separate – Selbsthilfegruppen, die sie in der Anpassung ihres Verhaltens an den sich in der Therapie befindenden Alkoholsüchtigen unterstützen.

Alkoholsucht kann nur in Zusammenhang mit gesellschaftlicher Interaktion behandelt werden und Selbsthilfegruppen können bei ausreichendem Rückhalt durch Familie, Freunde und Kollegen gegebenenfalls sogar die stationäre Therapie ersetzen. Rückfälle müssen mit einem erneuten Entzug und Therapie behandelt werden.

Kontrolliertes Trinken

Als Alternative zur lebenslangen Abstinenz gibt es in der Forschung Ansätze, einen kontrollierten Alkoholkonsum als Therapiemethode einer Alkoholsucht anzuwenden. Eine Stigmatisierung der betroffenen Person und schwere Entzugserscheinungen sollen damit vermieden werden. Ein über Jahre anhaltendes kontrolliertes Trinken ohne Rückkehr zu alten Trinkgewohnheiten kann aber nach ersten Studien nur von einem kleinen Teil der Patienten durchgehalten werden. Auch die Unterstützung dieser Therapieform durch die verbreiteten Selbst-hilfegruppen ist nicht möglich, da diese absolute Abstinenz voraussetzen. Auch nach Jahrzehnten der Abstinenz kann der Konsum auch nur kleiner Mengen Alkohol – ein klassisches Beispiel ist eine alkoholgefüllte Praline – einen Rückfall verursachen. Auch „alkoholfreie“ Getränke wie alkoholfreies Bier enthalten kleine Mengen Alkohol und sollten gemieden werden, zumal Geruch und Geschmack ein Alkoholverlangen auslösen können.

Barbara Kliem

22.01.15

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