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Therapie eines Hörsturzes

Die Hörsturz-Therapie muss sofort nach dem Ausschluss anderer Erkrankungen und damit verbundener umfangreicher Diagnostik eingeleitet werden.

Alle Ohrgeräusche, jedes dumpfe Gefühl im Ohr, jeder Hörverlust muss möglichst schnellstens abgeklärt werden, um Spätschäden zu vermeiden. Nach der Leitlinie Hörsturz, muss nicht jeder Hörsturz sofort behandelt werden.

Bei informierten Patienten und geringfügigen Hörverlusten, ohne Beeinträchtigung des sozialen Gehörs, könne zunächst einige Tage lang eine Spontanremission (Spontanheilung) abgewartet werden. Jedoch sei bei ausgeprägtem Hörverlust, vorgeschädigten Ohren sowie bei gleichzeitigen Gleichgewichtsstörungen (vestibuläre Störungen) eine abwartende Haltung nicht angezeigt.

In Abhängigkeit von den vermuteten Ursachen wird eine individuell auf den jeweilig vorliegenden Hörsturz zugeschnittene Behandlung empfohlen.

Hier seien einige Behandlungsmöglichkeiten für den Hörsturz beispielhaft genannt:

Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes

Die sogenannte Infusionstherapie (rheologische Therapie) wird in Deutschland deshalb so häufig angewandt, weil angenommen wird, dass der Hörsturz durch eine Durchblutungsstörung des Innenohrs verursacht wird. Ziel der Therapie ist eine Senkung der das Blut verdickenden Faktoren. Die Patienten bekommen nach der Diagnose eines Hörsturzes per Infusion über 5-10 Tage durchblutungsfördernde Substanzen zur Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes (z.B. Hydroxy-Ethyl-Stärke, kurz HES bzw. HAES, Pentoxifyllin oder niedermolekulare Dextrine) verabreicht. Diese Therapie eines Hörsturzes dient dazu, das Blut flüssiger zu machen und damit die Durchblutung zu erhöhen.

Wegen ihrer erheblichen Nebenwirkungen (insbesondere ein therapieresistenter starker Juckreiz bei längerfristiger Verabreichung, aber auch Kopfschmerzen, Magendruck, Harndrang und Schlafstörungen) wird diese Therapie eines Hörsturzes jedoch nach der Leitlinie Hörsturz nicht vorbehaltlos empfohlen. Auch die Wirkung auf den Hörgewinn ist im Vergleich zur Placebo-Therapie („Schein-Therapie“) bei einem Hörsturz laut einer Studie nicht eindeutig belegbar, sondern fraglich.

Therapie eines Hörsturzes mit Kortison

Eine antientzündliche Hörsturz-Therapie wird mit Kortison, hochdosiert verabreicht, durchgeführt. Weltweit wird diese Therapiealternative als „Goldstandard“ zur Hörsturz Behandlung angesehen. Als Grund hierfür wird vor allem angeführt, dass dem Hörsturz eine Entzündung oder ein Autoimmunprozess (Reaktion des Körpers auf das eigene Immunsystem) zugrunde liege.

Kritische Diskussionen zu dieser Behandlungsmöglichkeit bei einem Hörsturz gibt es allerdings in zahlreichen veröffentlichten Studien. Dies belegt auch die Leitlinie Hörsturz. Dennoch wird überwiegend zur Behandlung des Hörsturzes Kortison eingesetzt.

Beeinflussung von Ionenkanälen

Über Ionenkanäle stehen die Zellen untereinander in Verbindung und mit den Zellzwischenräumen in Kontakt. Sie dienen dem Informationsaustausch. Die hochdosierte Verabreichung von Lokalanästhetika (örtlichen Betäubungsmitteln) über die Vene soll nach der Leitlinie Hörsturz die Ionentransportprozesse verbessern. Bei Überdosierung kann es zu Krampfanfällen kommen. Deshalb kann eine Verabreichung nur unter stationären Bedingungen erfolgen. Ob diese Medikamente klinisch wirksam sind, wurde bisher hauptsächlich in Studien an Patienten mit Tinnitus (Ohrgeräuschen) getestet und belegt. Die Leitlinie Hörsturz empfiehlt, diese Therapie bevorzugt bei Patienten mit Hochtonhörsturz einzusetzen.

Verminderung des Innenohrflüssigkeitsvolumens

Vor allem beim Tieftonhörsturz wird empfohlen, eine Entwässerung im Bereich der Innenohrflüssigkeiten durchzuführen. Nach der Leitlinie kann dies entweder durch entwässernde ausschwemmende Medikamente erfolgen, oder durch die Gabe eines stark Wasser anziehenden Stoffes.

Diese Hörsturz-Therapie wird auch Infusionstherapie nach Vollrath genannt. Bei Hörstürzen mit Bevorzugung der tiefen Frequenzen wird sie empfohlen. In der Leitlinie Hörsturz wird jedoch die Möglichkeit von Nebenwirkungen betont. Besonders wird auf eine unter Umständen bleibende Verschlechterung des Gehörs hingewiesen.

Verminderung der Klebefähigkeit von weißen Blutkörperchen

Ein Prinzip, das bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Akutphase und zur Vorbeugung dient, ist möglicherweise auch bei Hörsturz wirksam. So kann z.B. Azetylsalizylsäure auch bei Hörsturz eingesetzt werden. Es kann jedoch in hoher Dosierung ototoxisch wirken, d.h. das Gehörsystem oder den Hörnerven schädigen.

Überdruckbehandlung mit Sauerstoff (Hyperbare Oxygenierung)

Sofern der Hörsturz nicht länger als drei Monate zurückliegt, kann eine Sauerstoffüberdruckbehandlung angewendet werden. Diese Behandlung kann zu einem teilweisen Höranstieg führen.

Es ist hier erforderlich, dass der Patient sich mehrere Tage in einer Druckkammer aufhält und reinen Sauerstoff einatmet. Auch diese Therapie ist nicht unumstritten, zumal die Kosten für die Behandlung nicht von den Krankenkassen getragen werden.

Sonstige Therapien zur Behandlung eines Hörsturzes

Gerade bei der Tinnitus-Therapie wird manchmal ein „Tinnitus-Masker“ eingesetzt, der individuell, auf den Patienten und die Frequenz seines Ohrgeräusches, abgestimmt ist. Die kleinen Hörgeräten ähnlichen Apparaturen senden programmierte Töne aus, die die Ohrgeräusche übertönen sollen. Sie bringen vor allem chronischen Tinnitus-Patienten meist Erleichterung. Hierbei arbeiten Ärzte und Akkustiker zusammen, um eine optimale Tonanpassung zu erzielen – der Betroffene verspürt oft große Erleichterung und Linderung seiner Beschwerden.

Körperliche und seelische Entspannung können individuelle Behandlungsmöglichkeiten zur Bewältigung der Hörphänomene bzw. eines Hörsturzes darstellen. Abhängig von der Persönlichkeitsstruktur und den Lebensumständen wählen Arzt und Patient eine geeignete Therapie aus. Eine Analyse der Stress auslösenden Situationen ist unter Umständen wichtig für eine bewusste Verhaltensänderung. Stressfaktoren und seelische Befindlichkeitsstörungen können Sinneswahrnehmungen verstärken und erschweren den gesamten Empfindungseindruck.

Auch regelmäßige sportliche Aktivität hilft Stress abzubauen. Gegebenenfalls ist auch eine physikalische Behandlung der Halswirbelsäule in Erwägung zu ziehen – Wärme, Krankengymnastik und Massage kommen hier in Betracht.

Als unterstützende Maßnahme ist z. B. die Akupunktur zu erwähnen. Da durch diese Behandlungsmethode der Körper wieder in Gleichklang gebracht werden soll, kann sie u.U. auch zum Stressabbau beitragen. Allerdings wird die Akupunktur als alleinige Therapie, der Leitlinie Hörsturz zufolge, bei Hörsturz nicht empfohlen.

Musiktherapie kann bei Tinnitus Erleichterung bringen. Das Wahrnehmungsvermögen des Gehirns ist in der Lage, Höreindrücke zu filtern, insbesondere für hohe Töne. Ein dem Tinnitus ähnliches Störsignal wird in die dem Patienten vorgespielte Musik eingebaut – meist klassische Musik, oft ein Violinkonzert von Mozart. Bei gleicher Tonhöhe tritt ein dem Tinnitus-Ton entsprechender Ton auf. So wird in die Musik ein dem Tinnitus ähnliches Störsignal eingebaut, das in seiner Frequenz dem Tinnitus-Ton entspricht. Ziel ist es, dass der Patient durch oftmaliges Training den Ton überhört und nur noch abgeschwächt wahrnimmt.

Birgit Lindner

07.01.15

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