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Verein Kindesglück und Lebenskunst hilft erkrankten Eltern

Krebserkrankung mit Kindern offen besprechen

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock für jeden, der davon betroffen ist. Bei Eltern, die erkranken, sitzt dieser Schock besonders tief. Sie sorgen sich nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch um ihre Kinder.

Eine schwere Erkrankung betrifft nicht nur den Erkrankten selbst, sondern seine ganze Familie leidet unter den Veränderungen, Ängsten und Sorgen. Um mit diesen Gefühlen und Emotionen besser umgehen zu können, haben wir, Dörthe Bräuner und Leena Molander in Holm im Kreis Pinneberg im Jahr 2011 eine Selbsthilfegruppe für krebskranke Eltern mit kleinen Kindern gegründet – kurz KEKK.

Das Besondere an dieser Gruppe ist, dass die Art der Krebserkrankung keine Rolle spielt, wohl aber der Umstand, dass die Betroffenen Eltern mit (kleinen) Kindern sind. In der KEKK-Gruppe wurde für die Betroffenen ein Raum geschaffen, in dem sie verstanden werden und in dem Ideen entwickelt und Impulse für neue Gedanken gegeben werden können. Diese Gruppe trägt sich durch die vielen verschiedenen Charaktere und Erfahrungen, vereint sich aber in dem Knotenpunkt der speziellen Sorge um die Familie.

Im Vordergrund stehen Fragen, mit denen sich die Erkrankten auseinandersetzen müssen, wie etwa: „Wie sage ich es meinem Kind?“, „Was sage ich meinem Kind?“, „Woran erkenne ich, ob mein Kind weitergehende Unterstützung braucht?“, „Wer hilft mir im Alltag?“, „Wie können wir als Paar gemeinsam die Kinder unterstützen?“, aber auch mit „Was ist, wenn ich nicht wieder gesund werde?“.

Tatsächlich beschäftigen sich die Betroffenen auch mit der Frage nach Schuld, stellen sich und ihr Handeln infrage, suchen nach dem, was sie falsch gemach haben könnten, setzen sich mit Gedanken an das Schicksal auseinander, auch spirituell, spüren Schmerz, der sich physisch, aber auch psychisch ausdrückt, befassen sich mit der großen Angst vor Veränderungen/Verschlechterungen, sind sich der Gefahr um ihr Leben bewusst und denken auch an die Konsequenzen, die diese Erkrankung sogenannte mit sich bringen.

Gemeinsam kann in der KEKK-Gruppe offen über all diese Fragen gesprochen werden. Zusammen werden so neue Sichtweisen erarbeitet. Oft reicht aber auch bereits das Teilen und Verständnis dieser Gedanken, um zu erkennen, dass man nicht allein damit ist. Die Angehörigen wollen häufig nicht noch belastet werden mit diesen schweren Gedanken, sodass die Betroffenen in eine Isolation geraten können. Durch einen Austausch Betroffener wird dies verhindert.

Der Isolation können die Teilnehmer in der Gruppe entgegenwirken. Bestenfalls können sie ihren Weg mit dem trotzigen „Jetzt-erst-recht“-Slogan fortsetzen und ihre psychische Stabilität aufbauen und stärken. Wichtig ist, dass die Betroffenen mit den Kindern altersgemäß offen umgehen, nichts verheimlichen, so schwierig das naturgemäß ist, da man gerade seine Kinder schützen möchte vor Traurigsein und Unglück. Kinder haben allerdings ein Recht auf ihre Trauer und ein Recht auf die Wahrheit. Dazu gibt es in der Gruppe ebenfalls Denkanstöße und Austausch.

Die offene Gruppe trifft sich einmal im Monat und ist offen für Betroffene und Angehörige. Auch über die Bedürfnisse des Austauschs in der Gruppe hinaus wurden verschiedene Angebote konzipiert und aufgebaut, die unter dem Dach des Vereins Kindesglück und Lebenskunst vereint sind: praktische Hilfe und psychosoziale Unterstützung während der Erkrankung, aber auch nach dem Versterben.

Dörthe Bräuner und Leena Molander
Kindesglück und Lebenskunst e. V.

Quelle: Leben? Leben! 2/2019

22.08.19