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Vitamin D in der MS-Behandlung

Eine Reihe von Medizinern vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen einem Mangel an Vitamin D und der Entstehung bzw. des Fortschreitens der MS besteht und dass Vitamin D eine positive Wirkung auf die Krankheit haben könnte. Aus diesem Grund wurden ab 2012 verschiedene wissenschaftliche Studien durchgeführt, die die Wirkung von Vitamin D auf MS untersuchten. Aufsehen erregten zuletzt vor allem die sog. SOLAR-Studie und das sog. Coimbra-Protokoll, wobei es sich bei Letzterem nicht um eine evidenzbasierte medizinische Untersuchung handelt, sondern um die Erfahrungen des an der Universität von Sao Paulo lehrenden Prof. Dr. Cicero Coimbra. Vielleicht ergeben sich aus diesen Untersuchungen künftig neue Ansatzpunkte zur Krankheitsentstehung aber auch zur Behandlung der MS.

SOLAR-Studie

Die SOLAR-Studie untersuchte die Wirkung von hoch dosiertem Vitamin D auf Patienten mit schubförmiger MS, die bereits mit Medikamenten zur Schubprophylaxe behandelt wurden und die einen Vitamin-D-Blutspiegel niedriger als 150 nmol/Liter aufwiesen. Eine zweite Gruppe wurde zwar ebenfalls mit jenem Medikament behandelt, erhielt aber statt des Vitamins D ein Placebo. Die Höchstdosis Vitamin D, die alle Teilnehmer der ersten Gruppe nach vier Wochen täglich erhielten, lag bei 14.000 Internationalen Einheiten (IU).

Studienendpunkt nach einer Studiendauer von knapp einem Jahr sollte dem Studiendesign zufolge der Punkt „keine Hinweise auf weitere Krankheitsaktivität“ (bzw. NEDA – no evidence of disease activity) sein. Diesen Studienendpunkt, d. h. Schubfreiheit, keine neu aufgetretenen oder sich vergrößernden Läsionen sowie das fehlende Fortschreiten der Krankheit, erreichten die Wissenschaftler nicht – insgesamt 37,2 % der Teilnehmer der Vitamin-D-Gruppe sowie 35,3 % der Kontrollgruppe wiesen keine Krankheitsaktivität auf. Damit gab es keine wissenschaftlich signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Allerdings gab es andere interessante Ergebnisse: So ergaben die MRT-Aufnahmen der Probanden, dass in der Vitamin-D-Gruppe die Zahl der neuen Läsionen um 32 % zurückgegangen war. Unter den 18- bis 30-jährigen Probanden waren in der Vitamin-D-Gruppe 85,7 % frei von neuen sog. T1-Läsionen, in der Kontrollgruppe nur 46,8 %. Was die jährliche Schubrate anbelangte, gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen der Vitamin-D- und der Kontrollgruppe: In der ersten Gruppe lag sie bei 0,28 Schüben, in der Kontrollgruppe bei 0,41. Das deutet dennoch darauf hin, dass die Gabe von hoch dosiertem Vitamin D eine positive Wirkung auf MS haben kann. Die Ergebnisse dieser Phase-II-Studie haben jedoch keine Auswirkung auf die Therapieempfehlung bei MS, da die Forscher den avisierten Studienendpunkt nicht erreichten.

Coimbra-Protokoll

Das sog. Coimbra-Protokoll beinhaltet die Forschungsergebnisse des brasilianischen Mediziners Prof. Coimbra. Nach diesem Protokoll behandelt er seit 2002 zahlreiche MS-Patienten – und zwar mit ultrahoch dosiertem Vitamin D bis zu 60.000 Internationale Einheiten pro Tag. Prof. Coimbra geht davon aus, dass eine genetisch bedingte Verwertungsstörung zu einem Mangel an Vitamin D führt. Besteht dieser wiederum über einen langen Zeitraum, so Prof. Coimbra, kann sich eine Autoimmunerkrankung wie die MS entwickeln, da Vitamin D u. a. für die Tätigkeit des Immunsystems von Bedeutung ist. Diesem Mangel gilt es mit individuell zugeschnittenen Vitamin-D-Dosen entgegenzuwirken.

Die individuell richtige Menge berechnet er anhand der Messung des Parathormon-Blutspiegels sowie weiteren Blut- und Urinkontrollen. Da eine hohe Dosis Vitamin D die Nieren schädigen kann, müssen die Patienten eine kalziumarme Diät einhalten und viel trinken. Zudem ist eine regelmäßige körperliche Aktivität Voraussetzung für die Beibehaltung der Behandlung, da nur so die Knochensubstanz sicher erhalten werden kann.

Mithilfe seines Behandlungsprotokolls will Prof. Coimbra in bis zu 95 % aller Fälle die MS-Aktivität eingedämmt und den Rückgang von Symptomen erreicht haben. Da seine Studienergebnisse jedoch bislang nicht veröffentlicht vorliegen, sind sie nicht ohne Weiteres auf andere MS-Patienten übertragbar. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband empfiehlt daher, eine solche Behandlung nicht eigenmächtig durchzuführen. Sie sollte nur unter engmaschiger Kontrolle im Rahmen einer wissenschaftliche Studie erfolgen.

Quelle: Befund MS 2/2018

26.11.18