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Workshopreihe: Zurück ins Arbeitsleben

Der Berliner Verein Leben nach Krebs! e. V. und die Beratungseinrichtung KOBRA Beruf Bildung Arbeit unterstützen mit einer Workshopreihe bei der Rückkehr ins Arbeitsleben.

Nach der Behandlung wünschen sich viele Krebsbetroffene nichts sehnlicher als diese Zeit hinter sich zu lassen, in ihren Alltag zurückzukehren und wieder Normalität zu leben. Zum Alltag gehört für die meisten auch die Rückkehr an den Arbeitsplatz, oder, sofern es diesen nicht (mehr) gibt, die Neuorientierung oder auch erst der Start in das Arbeitsleben.

Während es in der Behandlungsphase gerade noch darum ging, nach vorgegebenem Terminplan einen Schritt nach dem anderen zu gehen, den nächsten Chemozyklus, die Operation, die Bestrahlung und die Reha hinter sich zu bringen, kommt gleich danach die nächste Herausforderung: die Wiederbegegnung mit der Leistungsgesellschaft. Wieder zu arbeiten bedeutet auch, sich wieder in ein System einzufügen, in dem Aufgaben termingerecht zu erledigen sind und in dem selbstsicheres und verlässliches Handeln erwartet wird. Nach der Krebserkrankung im Arbeitsleben Fuß zu fassen, ist für Betroffene Wunsch und Herausforderung zugleich.

Viele orientieren sich nach der Erkrankung neu

Vieles hat sich durch den Krebs verändert: Körper und Seele fangen gerade erst an, das Erlebte zu verarbeiten. Sich der eigenen Sterblichkeit bewusst zu werden; verändert auch den Blick auf den Arbeitsplatz, die Arbeitsbedingungen und die eigene Vorstellung von persönlich erfüllender Arbeit. Häufig geht es nicht nur darum, den Anschluss zu finden, vielmehr steht auch die persönliche Neuorientierung im Vordergrund – beruflich und privat.

Impulse und Unterstützung dazu, wie diesen Herausforderungen begegnet und die Rückkehr in das Arbeitsleben gestaltet werden kann, erhalten Krebsbetroffene in der Workshopreihe „Zurück ins Arbeitsleben nach Krebs“, einer Kooperation des Berliner Vereins Leben nach Krebs! und der Berliner Beratungseinrichtung KOBRA, die im Frühjahr 2019 bereits zum achten Mal durchgeführt wurde.

Insgesamt fünf Themen-Workshops sowie begleitende Rahmenveranstaltungen des Vereins bieten Krebsbetroffenen die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen unter professioneller Begleitung der KOBRA-Beraterinnen zu den wesentlichen Themen der Rückkehr auszutauschen, den Mut zu finden, neue Pläne zu fassen und zu verfolgen.

Die Workshops gehen dabei über die Informationsvermittlung zur Wiedereingliederung hinaus und berücksichtigen die besonderen Herausforderungen der Teilnehmenden. Daher startet die Reihe mit einer persönlichen Standortbestimmung und holt die Teilnehmenden dort ab, wo sie aktuell stehen. Weitere Workshops widmen sich der noch ungewohnten Herausforderung, die eigene Belastbarkeit einschätzen und im beruflichen Umfeld kommunizieren zu lernen und herauszufinden, welche Arbeitsbedingungen es braucht, um auch mit anhaltenden Einschränkungen arbeiten zu können.

Zunächst den eigenen Standort bestimmen

Gerade die Unterstützung zur Einschätzung der eigenen Belastbarkeit ist oft augenöffnend, wie es eine Teilnehmerin nach dem Besuch der Workshops beschreibt: „Die fachlichen Informationen und Strategietipps waren eine große Hilfe. Dadurch konnte ich mich danach selbst wesentlich realistischer einschätzen, was meine eigenen Bedürfnisse und meine damalige und heutige Leistungsfähigkeit angeht. Manchmal kommt man dadurch auch zu der Erkenntnis, dass es für manche Schritte noch zu früh und mehr Geduld mit sich selbst nötig ist. Das kann so im ersten Elan, der durch die Freude über die überstandene schwere Phase entsteht, doch etwas untergehen. Oder es tun sich neue Möglichkeiten und Wege auf, sowohl organisatorisch als auch inhaltlich, an die man vorher noch gar nicht gedacht hat.“

Die Workshopreihe bündelt das für die Teilnehmenden notwendige Wissen: Neben Informationen über Fördermöglichkeiten in der Rückkehrphase im Zusammenhang mit gesundheitlichen Einschränkungen bzw. einer Schwerbehinderung, erfahren die Teilnehmenden beispielsweise, wie sie das Betriebliche Eingliederungsmanagement – einer Pflichtaufgabe von Arbeitgebern – nutzen können, um ihren Arbeitsplatz ihren gesundheitlichen Bedürfnissen entsprechend mitzugestalten.

Auch die Frage, wie es mit eingeschränkter Belastbarkeit gelingt, sich neu auf einen Arbeitsplatz zu bewerben, wird in einem Workshop aufgegriffen. Neben der Aufklärung darüber, was einem potenziellen Arbeitgeber überhaupt mitgeteilt werden muss, was dagegen nicht und welche Fallstricke es gibt, steht der Austausch über die Handlungsmöglichkeiten im Vordergrund. „Die richtige Vorgehensweise“ gibt es nicht, nur die persönlich stimmige.

Viele Krebsbetroffene haben Hemmungen, sich in ihrem privaten Umfeld mit ihren Unsicherheiten oder auch Ängsten vor der Rückkehr in das Arbeitsleben zu zeigen und erleben, dass mit der Länge der Krankheitsphase auch die Kraft und Geduld nahestehender Vertrauenspersonen schwinden. Auch hier ist der Wunsch nach Normalität groß. Umso stärkender ist die Erfahrung, sich den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Workshop nicht erklären zu müssen und stattdessen nur ein bestärkendes Nicken wahrzunehmen, denn alle haben etwas Ähnliches erlebt. Es tut gut, sich verstanden und weniger allein zu fühlen. In der Gruppe ist es möglich, Vertrauen in das Gelingen der Rückkehr in das Arbeitsleben zu fassen.

Betroffene unterstützen sich gegenseitig

Die Teilnehmenden begegnen sich in unterschiedlichen Phasen des Neuorientierungs- und Rückkehrprozesses. Für manche sind die Überlegungen noch abstrakt, andere haben bereits die Wiedereingliederung hinter sich und wissen nicht, wie sie am Arbeitsplatz mit ihren gesundheitlichen Leistungseinschränkungen umgehen können. Ebenso wertvoll wie die Begleitung durch die fachlich zwischenzeitlich auf die Situation Krebsbetroffener spezialisierten Workshopleiterinnen von KOBRA, ist die kollegiale Beratung Betroffener untereinander. Die Erfahrungen anderer Betroffener geben Orientierung und praktische Hinweise, wie man sich selbst unterstützen kann oder wo weitere Ansprechpartner zu finden sind.

Im Austausch gelingt es, sich eine eigene Haltung dazu zu erarbeiten, wie man mit der Krankheitserfahrung und den Auswirkungen am Arbeitsplatz umgehen möchte. Mit dieser Klarheit fällt die Wiederbegegnung mit Vorgesetzten und Kollegen schon etwas leichter.

Die Workshopreihe ist eingebunden in eine Auftakt- sowie eine Abschlussveranstaltung des Vereins, der das Thema Arbeit und Krebs auch außerhalb der Workshopreihe in Veranstaltungen der Selbsthilfe, in der Pressearbeit, auf Kongressen und in gesundheitspolitischen Arbeitskreisen aufgreift und auf die Herausforderungen der Teilhabe Krebsbetroffener am Arbeitsleben aufmerksam macht.

Dass dieses Thema mehr Aufmerksamkeit und niedrigschwellige Angebote braucht, zeigte der Ansturm auf die Workshops nach einem Pressebericht über den Verein zum Weltkrebstag in 2018. In kurzer Zeit überstieg die Warteliste die Anzahl der Workshop-Plätze.

Nach jedem Durchgang werden die Erfahrungen mit der Gruppe und die Rückmeldungen der Teilnehmenden durch die Kooperationspartner ausgewertet, um Inhalte, Methoden und Rahmenbedingungen noch besser auf die Teilnehmenden abzustimmen.

Im Februar 2020 gehen die Workshops in die neunte Runde. Dank Fördermitteln beträgt der Beitrag für alle fünf Workshops für Teilnehmende insgesamt 50 Euro, auch die Teilnahme an einzelnen Workshops ist möglich. Alle Workshops finden in Berlin-Kreuzberg statt.

Der Verein Leben nach Krebs! bietet auch in der Wartezeit auf die nächste Workshopreihe Veranstaltungen zum Thema und freut sich über Anfragen. Interessierte können sich auf den Websites des Vereins oder KOBRA informieren und den Vereinsnewsletter abonnieren, um rechtzeitig zu erfahren, ab wann Anmeldungen wieder angenommen werden.

Uta-Maria Weißleder
Stellvertretende Vorsitzende Leben nach Krebs! e. V.

Quelle: Leben? Leben! 3/2019

27.01.20