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Lungenhochdruck

Pulmonale Hypertonie, auch Lungenhochdruck genannt, ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen, bei denen die Gefäße in der Lunge verengt sind. Dadurch steigt der Blutdruck im Lungenkreislauf dauerhaft an.

Ursache eines Lungenhochdrucks sind meist Blutgefäße, die durch die Muskeln in den Gefäßwänden verengt sind. Dadurch wird es für die rechte Herzkammer schwerer, Blut vom Herzen zur Lunge zu pumpen. Der Druck in diesem sog. kleinen Blutkreislauf beträgt bei Betroffenen 25 mmHg und mehr. Bei Gesunden liegt der Wert für den mittleren Blutdruck in Ruhe bei etwa 15 mmHg.

Die Pulmonale Hypertonie ist nicht selten: In Deutschland leidet etwa einer von 100 Erwachsenen daran. Bei Menschen, die älter als 65 Jahre sind, dürfte sogar einer von zehn betroffen sein. Bei allen Betroffenen sind die Gefäße in der Lunge verengt, was die typischen Beschwerden auslöst. Die Ursache des Lungenhochdrucks und damit auch die Behandlung können jedoch sehr unterschiedlich sein.

Lungenhochdruck belastet insbesondere die rechte Herzkammer und den rechten Vorhof. Durch die verengten Gefäße wird die Lunge schlechter mit Sauerstoff versorgt. Zudem kann das Herz bei jedem Schlag nicht mehr so viel Blut transportieren. Am Anfang versucht das Herz daher, dies auszugleichen indem es schneller schlägt. Betroffene verspüren dann manchmal Herzrasen oder klagen über Herzstolpern. Es kann sich eine Rechtsherz-Schwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln.

Weitere Beschwerden sind:

  • Etwa 60 bis 100 % leiden unter Belastung an Atemnot; beim Fortschreiten der Erkrankung nehmen die Beschwerden zu. Atemnot tritt dann z. B. schon beim Bücken auf.
  • Husten
  • Kreislaufstörungen bis hin zur Ohnmacht: Etwa 40 % der Patienten sind hiervon betroffen. Die Ohnmachtsanfälle treten insbesondere nach körperlicher Belastung auf.
  • Angina Pectoris: Unter Brustenge leiden etwa 40 %.
  • Schlechter Allgemeinzustand: Über die Hälfte der Patienten sind hiervon betroffen.
  • Müdigkeit
  • Wassereinlagerungen z. B. in den Beinen
  • Zyanose: Die bläuliche verfärbte Haut tritt bei zwei von zehn Betroffenen auf.
  • Raynaud-Syndrom („Weißfingerkrankheit“)

Die bei einem Lungenhochdruck auftretenden Symptome sind unspezifisch, d. h. sie weisen zwar darauf hin, dass eine Erkrankung vorliegt, geben aber keinen Aufschluss darüber, welche Erkrankung es ist.

Vier Schweregrade

Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Lungenhochdruck basierend auf der Anamnese und dem Sechs-Minuten-Gehtest in folgende vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium I: Nach körperlicher Bewegung sind die Betroffenen nicht eingeschränkt (asymptomatische Pulmonale Hypertonie).
  • Stadium II: Bei verstärkter körperlicher Betätigung treten Atemnot, Abgeschlagenheit und Ohnmachtsanfälle auf. Atemnot in Ruhe ist noch nicht vorhanden (leichte Pulmonale Hypertonie).
  • Stadium III: Bei leichter körperlicher Aktivität treten Atemnot, Abgeschlagenheit und Ohnmachtsanfälle auf. Atemnot in Ruhe ist noch nicht vorhanden (mittelschwere Pulmonale Hypertonie).
  • Stadium IV: Betroffene leiden schon in Ruhe unter Atemnot. Körperliche Aktivität ist hochgradig eingeschränkt. Es besteht das Risiko eines Rechtsherzversagens (schwere Pulmonale Hypertonie).

Formen des Lungenhochdrucks

Ursprünglich wurde die pulmonale Hypertonie lediglich in primäre und sekundäre Formen untergliedert. Zu den primären Formen zählte man jene, die nicht auf bestimmte Ursachen bzw. Primärerkrankungen zurückzuführen waren. Lungenhochdruck, bei dem ein Auslöser benannt werden konnte, wurde als sekundärer Lungenhochdruck bezeichnet.

Da sich damit die verschiedenen Formen nicht ausreichend genau voneinander abgrenzen ließen, wurde 1998 auf der Konferenz der Weltgesundheitsorganisation in Evian (Frankreich) eine neue Gliederung vorgestellt. Im Rahmen der dritten Weltkonferenz für Pulmonale Hypertonie, die im Jahr 2003 in Venedig stattfand, wurden die Klassifikation und die Bezeichnungen der Formen von Lungenhochdruck noch einmal überarbeitet.

Klassifikation der pulmonalen Hypertonie (ESC/DGK Pocket-Leitlinien: Diagnostik und Therapie der pulmonalen Hypertonie, 2010)

1. Pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH)
(z. B. idiopathisch, familiär, assoziiert mit Erkrankungen oder durch Medikamenteneinwirkung)

1.1 Pulmonale vino-occlusive Erkrankung und/oder pulmonale kapilläre Hämangiomatose

2. Pulmonale Hypertonie bei Linksherzerkrankung
(z. B. Linksseitige Klappenerkrankungen)

3. Pulmonale Hypertonie infolge von Lungenerkrankungen und/oder Hypoxie
(z. B. COPD, Schlafapnoe-Syndrom)

4. Pulmonale Hypertonie aufgrund chronischer thrombotischer und/oder embolischer Erkrankungen
(z. B. Lungenembolie)

5. Pulmonale Hypertonie mit unklarem oder multifaktoriellem Mechanismus (z. B. Sarkoidose, Morbus Gaucher)

Therapiemaßnahmen

Die Therapie richtet sich nach Art und Schwere der Erkrankung. Ziel ist es, die Lebenserwartung zu erhöhen und die körperliche Leistungsfähigkeit sowie die Lebensqualität zu verbessern. Bei einem Sauerstoffmangel im Blut wird der Arzt Betroffenen, bei denen der Lungenhochdruck aufgrund einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung ausgelöst wurde, eine Sauerstofftherapie verordnen. Rehabilitationsmaßnahmen sowie eine Physiotherapie können die körperliche Belastbarkeit, die Lebensqualität und die Herzfunktion bessern. Wenn die Therapiemaßnahmen erfolglos sind, kann u. U. eine Transplantation von Herz und Lunge notwendig werden.

Menschen mit einer pulmonalen Hypertonie sollten sich eher schonen. Körperliche Anstrengungen, insbesondere wenn diese nicht von einem Arzt überwacht werden, können die Erkrankung verschlimmern. Training, das von einem Arzt überwacht wird, kann jedoch den Zustand von Betroffenen verbessern. Auf Flugreisen und Reisen in Orte, die über 2.000 Höhenmeter liegen, sollten Betroffene verzichten.

Lungenhochdruck vorbeugen

Lungenhochdruck ist eine fortschreitende Erkrankung, die mit einer Erhöhung des Sterblichkeitsrisikos einhergeht. Umso wichtiger ist es, dieser – wenn möglich – vorzubeugen. Da sie häufig als Folge einer Lungenerkrankung auftritt, ist es wichtig, diese Grunderkrankung frühzeitig zu behandeln. Für COPD Betroffene bedeutet dies u. a., regelmäßig Kontrolluntersuchungen beim Arzt wahrzunehmen sowie die Medikamente nach Vorschrift einzunehmen.

Quellen:
COPD und Asthma 3/2018
Antje Habekuß

27.02.19

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