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Therapie von Neurodermitis

Neurodermitis ist eine chronische, schubweise verlaufende Krankheit, die sich durch Ekzeme (Entzündungen, Juckreiz) auf der Haut äußert. Betroffene sollten nach Möglichkeit alle Faktoren meiden, die für einen Krankheitsschub verantwortlich sein können. Um eine Linderung der Symptome oder sogar Symptomfreiheit zu erreichen, bieten sich je nach Schweregrad der Erkrankung verschiedene Behandlungsmöglichkeiten an. Ein einheitliches Therapieschema gibt es nicht, da die Auslöser und der Verlauf der Krankheit individuell verschieden sind. Daher wird in der Regel eine Stufentherapie bei Neurodermitis angewandt.

Jede Neurodermitistherapie muss der Neurodermitis-Leitlinie zufolge exakt auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten werden. Dazu gehören eine der Schwere der Krankheit angemessene entzündungshemmende äußerliche oder auch innerliche Behandlung, die Ausschaltung von Faktoren, die das Auftreten der Hauterscheinungen und des Juckreizes begünstigen, sowie die sog. Basistherapie, die auch während der symptomfreien Zeiten durchgeführt werden sollte und neuen Hautproblemen in gewissem Maß vorbeugen kann.

Um die Neurodermitistherapie genau an den Patienten anzupassen, muss der Arzt den Schweregrad der Neurodermitis exakt bestimmen. Dieser Schweregrad kann sich durch die Behandlung oder auch als Folge von Umwelteinflüssen von Zeit zu Zeit ändern, weshalb es nötig ist, die Therapie in gewissen Abständen zu überprüfen und ggf. anzupassen. Ebenso wichtig ist es, dass Patienten darauf achten, welche Faktoren den Hautzustand verschlechtern bzw. verbessern. Ein Beispiel: Neurodermitis kann sich durch den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel oder das Tragen bestimmter Kleidung (z. B. aus Wolle) verschlimmern, während leichte Baumwollkleidung und der Abbau von Stress sich u. U. positiv auf die Haut auswirken können. Faktoren, die Hautprobleme begünstigen, sollten, sofern möglich, weitgehend ausgeschaltet werden.

Tägliche Hautpflege bei Neurodermitis

Eine wesentliche Rolle für die Behandlung der Neurodermitis spielt die sog. Basistherapie. Ihre gewissenhafte Durchführung kann dazu beitragen, die Hautprobleme zu kontrollieren. Die Basistherapie bei Neurodermitis setzt sich aus dem Vermeiden von Provokationsfaktoren und der richtigen Hautpflege zusammen. Neurodermitiker sollten auf eine individuell abgestimmte Hautpflege mit rückfettenden Lotionen, Salben und Cremes achten, um trockener und rissiger Haut Feuchtigkeit zuzuführen. Von einer allzu häufigen Anwendung ist allerdings abzusehen, denn bei einer auf diese Art künstlich feucht gehaltenen Haut schränkt der Körper auf Dauer die Eigenproduktion rückfettender Substanzen ein. Ebenso sollte man täglich nur kurzzeitig duschen, um das weitere Austrocknen der Haut zu vermeiden. Erfolge werden auch mit Ölbädern erzielt. Die Haut der Betroffenen ist sehr empfindlich. Agressive Seifen und Waschmittel sollten daher nicht verwendet werden. Die Haut hat jahreszeitlich wechselnde Ansprüche, was bei der Pflege besonders zu beachten ist.

Bei der Basistherapie von sehr trockener Haut empfiehlt es sich, Lotionen, Salben oder Cremes einzusetzen, die einen hohen Fettanteil haben. Bei nässenden Ekzemen sollte das Pflegeprodukt weniger fettreich sein und der Haut mehr Feuchtigkeit zuführen, d. h. es sollte einen höheren Wasseranteil besitzen. Leicht merken lassen sich diese Leitlinien-Empfehlungen für die Basistherapie mithilfe der Faustregel „feucht auf feucht und fett auf trocken“. Das Hautpflegeprodukt sollte zudem keine Stoffe enthalten, die die Haut u. U. zusätzlich reizen wie Duft- oder Farbstoffe.

Äußerlich anwendbare Therapeutika

Reichen die beschriebenen Pflegemittel nicht aus, um ein zufriedenstellendes Hautbild zu erreichen, können äußerlich anwendbare, entzündungshemmende Präparate, z. B. kortisonhaltige Salben angewendet werden. Sie haben den Vorteil, als Lokaltherapeutikum zu wirken und können direkt auf die entzündeten Körperstellen aufgetragen werden. Sog. Immunsuppressiva in Form von Salben unterdrücken das lokale Immunsystem der Haut selektiver als Kortison und hemmen Entzündungen. Sie können z. B. eingesetzt werden, wenn Therapien mit Kortison nicht anschlagen oder eine Kortisonbehandlung nicht möglich ist.

Systemisch wirkende Therapien bei Neurodermitis

Bei besonders schwerem Krankheitsverlauf besteht die Möglichkeit, Kortison kurze Zeit in Tablettenform einzunehmen. Der Vorteil besteht darin, dass sich der Wirkstoff im ganzen Körper verteilt und auf die gesamte Hautoberfläche wirken kann. Eine Kortison-Behandlung sollte nach Möglichkeit nicht über längere Zeit durchgeführt werden (Wasser lagert sich dadurch im Gewebe ein, was zu einem „Aufschwemmen“ der Haut führt. Gesteigerter Appetit durch Kortison kann zu Gewichtszunahme führen).

Um herauszufinden, ob die Neurodermitis mit Allergien einhergeht (z. B. auf Pollen oder Tierhaare), sollte ein Allergietest durchgeführt werden. Zur Behandlung der Allergien können sog. Antihistaminika verwendet werden, die die Entzündungen vermindern. Vor allem jedoch können Antihistaminika den quälenden Juckreiz stoppen. Antihistaminika sollten jedoch höchstens über einen Zeitraum von 2–3 Wochen eingenommen werden. Ist die Haut mit Bakterien oder Pilzen infiziert, kann eine vorübergehende Behandlung mit Antibiotika bzw. Antimykotika angezeigt sein.

Therapie bei Ekzemen

Die Therapie bei bestehenden Ekzemen unterteilt sich der Neurodermitis-Leitlinie zufolge in die bereits genannte Basistherapie (Stufe 1), die Bestandteil jeder Neurodermitisbehandlung ist, sowie in drei weitere Stufen. In Stufe 2, d. h. bei leichten Ekzemen, kommen niedrig dosierte Glukokortikosteroide zum Auftragen auf die betroffenen Hautstellen zum Einsatz, auch niedrig dosierte Salben mit Calcineurin-Inhibitoren kann der Arzt verordnen. In manchen Fällen werden Glukokortikosteroide und Calcineurin-Inhibitoren miteinander kombiniert. In Stufe 3 (mittelschwere Ekzeme) kommen neben der Basistherapie Salben oder Cremes mit höher dosierten Glukokortikosteroiden und Calcineurin-Inhibitoren hinzu. Bei schweren Ekzemen, die sich trotz der Behandlung der Haut nicht bessern, erfolgt zusätzlich eine Behandlung mit innerlich anzuwendenden Medikamenten (Tabletten), die die Aktivität des Immunsystems hemmen.

Nicht alle Wirkstoffe zur Behandlung von Neurodermitis sind für die Anwendung bei (Klein-) Kindern geeignet. Manche Therapeutika können jedoch nach einer Risiko-Nutzen-Abwägung im Einzelfall auch bei ihnen eingesetzt werden, etwa wenn ein Kind besonders stark von Neurodermitis betroffen ist. Welche Medikamente eingesetzt werden, muss jedoch immer der Arzt entscheiden.

Weitere Therapieansätze und Hilfsmittel bei Neurodermitis

Die Kontrolle der Ernährung spielt bei der Therapie der Neurodermitis eine wichtige Rolle. Wenn der Neurodermitiker ein Ernährungstagebuch anlegt, kann er Lebensmittel, auf die er allergisch reagiert, herausfinden und zukünftig vermeiden.

Um zu verhindern, dass die Betroffenen bei dem starken Juckreiz die empfindliche Haut aufkratzen, können versilberte Spezialtextilien eingesetzt werden. Die Silberteilchen in der Spezialkleidung haben eine antibakterielle Wirkung und können die Hautreaktionen eindämmen.

Bei der sog. Photo- oder Lichttherapie werden die oft großflächigen Ekzeme mit UV-Licht bestrahlt, wodurch der Abheilungsprozess gefördert werden soll. Die genaue Wirkung von UV-Licht auf die Entzündungen ist aber noch ungeklärt. Die Kosten für einigen Varianten der Lichttherapie werden inzwischen von einigen Krankenkassen übernommen. Die Therapie sollte in jedem Fall von einem Fachmann durchgeführt und individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

Neurodermitis-Patienten, die sich einer Phototherapie unterziehen, müssen vorsichtig sein, wenn sie ihre Haut zusätzlich der Sonne aussetzen. Denn die Haut verträgt innerhalb eines bestimmten Zeitraums immer nur eine gewisse Menge an UV-Strahlung. Deshalb sollte der Sonnenschutz im Rahmen einer Phototherapie großgeschrieben werden, um Hautschäden und Spätfolgen (z. B. Hautkrebs) auszuschließen.

Zur Stärkung der allgemeinen Abwehrkräfte sollten Neurodermitis-Patienten moderaten Ausdauersport betreiben. Ein Aufenthalt im allergenarmen, milbenfreien Gebirge (ab ca. 1.200 m Höhe) kann Hautentzündungen bessern. Da sich auch psychische Belastungen auf das Hautbild des Neurodermitikers negativ auswirken können, unterstützen Entspannungstechniken wie z. B. Autogenes Training die Symptomlinderung.

Quellen:
allergikus 3/2017
Werner Sebastian Krämer

15.01.18