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Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit ist eine neurologische Erkrankung, die mit 60-70 % die häufigste Form der Demenz ist. Erstmals beschrieben wurde sie 1906 von Alois Alzheimer in einer Studie mit dem Titel „Eine eigenartige Krankheit der Hirnrinde“, in welcher er die Veränderungen im Gehirn einer, an einer damals unbekannten Krankheit, verstorbenen Frau beschrieb. Diese wurde aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten in die Städtische Nervenheilanstalt Frankfurt/Main eingeliefert.

Im Gegensatz zu damals, als die Studie fast gänzlich unbeachtet blieb, handelt es sich bei der Alzheimer-Krankheit heutzutage um ein wichtiges Thema der neurowissenschaftlichen Forschung. Dies lässt sich nicht zuletzt durch ihre weite Verbreitung begründen. So sind ca. 2-3 % der 70-75-Jährigen und sogar ca. 33 % der über 90-Jährigen in Deutschland an Alzheimer erkrankt. Weltweit beläuft sich die Anzahl der Erkrankten auf rund 15 Millionen Menschen, wobei die Häufigkeit der Erkrankung mit zunehmender Lebenserwartung ansteigt.

Wie verläuft die Erkrankung?

Beim Verlauf der Alzheimer-Erkrankung wird zwischen drei Stadien unterschieden:

Im Anfangs- bzw. Frühstadium kommt es zu einer Verringerung der intellektuellen Gesamtleistung und des Kurzzeitgedächtnisses, was sich z. B. durch ständiges Wiederholen bereits gesagter Dinge oder einer Vereinfachung des Sprachgebrauchs äußert. Zudem verliert der Betroffene das Interesse an seinen Hobbys und es stellen sich erste Probleme bezüglich Orientierungssinn und Zeitgefühl ein. Da der Erkrankte diese Vorgänge jedoch bei vollem Bewusstsein erlebt, kommt es oft vor, dass er aus falscher Scham oder auch einfach nur aus Angst vor der Diagnose den Gang zum Arzt scheut. Auch Angehörige sehen aus denselben Gründen über die ersten Auffälligkeiten hinweg oder rechtfertigen sie mit altersbedingter Leistungsminderung.

Mit Erreichen des mittleren Stadiums lässt sich die Krankheit jedoch nicht mehr ignorieren, da es zu starken Beeinträchtigungen der Alltagskompetenz kommt. So vergessen Betroffene Namen von Verwandten oder finden sich in bekannter Umgebung nicht zurecht. Sie haben auf einmal Schwierigkeiten mit der Verrichtung bekannter Bewegungsabläufe, wie ein Hemd zuknöpfen oder essen mit Besteck. Insgesamt wird ihre Motorik immer unkoordinierter, wodurch es auch vermehrt zu Stürzen kommen kann. Die ersten Wahrnehmungsstörungen treten ein und es kommt zu regelrechten Wahnvorstellungen, die sich in Vorwürfen gegenüber Pflegepersonal oder Verwandten äußern können.

Im schweren Stadium ist den Betroffenen ein selbstständiges Leben unmöglich. Ihr Sprachvermögen hat sich auf wenige Worte reduziert, sofern sie überhaupt noch sprechen, die Fähigkeit Bekannte und Verwandte wieder zu erkennen ist stark eingeschränkt oder nicht existent und es kommt zu Inkontinenz und frühkindlichen Verhaltensweisen, wie z. B. dem Greifreflex.

Wie kann es dazu kommen?

Die Symptome der Alzheimer-Erkrankung werden durch einen Mangel des Botenstoffes Acetylcholin und ein Absterben der Nervenzellen (Neuronen), insbesondere in den Hirnregionen, die für Denkvermögen, Sprache und Gedächtnis verantwortlich sind, hervorgerufen. In den Neuronen des Gehirns werden ständig Informationen verarbeitet und weitergeleitet. Dies geschieht innerhalb der Zellen mithilfe elektrischer Impulse, die die Zelle entlang „wandern“: Soll ein Reiz an eine Nachbarzelle weitergeleitet werden, kommt es an der Verbindungsstelle zwischen zwei Nervenzellen, der Synapse, zur Ausschüttung von Botenstoffen, (Neurotransmittern) in den Synaptischen Spalt. An der benachbarten Zelle binden die Neurotransmitter an bestimmte Rezeptoren, wodurch das Signal übertragen wird.

Die für die Alzheimer-Krankheit verantwortlichen Veränderungen im Gehirn beginnen schon lange bevor es zu den ersten äußeren Anzeichen kommt. Typischerweise bilden sich amyloide Plaques. Das sind Eiweißfragmente, die im erkrankten Gehirn nicht abgebaut werden und sich zwischen den Neuronen zusammenlagern.

Bei dem zweiten typischen Merkmal handelt es sich um die so genannten Alzheimer-Fibrillen. Dabei sind zellstabilisierende Proteine so verändert, dass sie sich zu paarigen Bündeln zusammen lagern, wodurch der Stofftransport gestört wird. Im weiteren Verlauf kommt es dann zum Absterben der betreffenden Nervenzellen, was insgesamt einen Rückgang des Hirngewebes mit sich führt. Durch den verminderten Stofftransport in den Zellen kommt es jedoch bereits vor dem Absterben zu massiven Beeinträchtigungen in der Reizweiterleitung, da in den betroffenen Zellen die Bildung des Neurotransmitters Acetylcholin stark zurückgeht.

Die Ursachen für diese Krankheit sind immer noch unklar. Allerdings gibt es schon einige Hinweise darauf, wann womöglich eine größere Gefahr der Erkrankung vorliegt. Das Risiko einer Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Zudem werden metabolische oder auch, insbesondere bei familiärem Auftreten, genetische Störungen als Ursache diskutiert. Insgesamt sind mehr Frauen von einer Alzheimer-Erkrankung betroffen als Männer.

Diagnostik

Eine Heilung der Alzheimer-Krankheit ist zurzeit noch nicht möglich. Allerdings kann durch eine Kombination aus medikamentöser und nicht medikamentöser Therapie der Verlauf der Krankheit verlangsamt werden. Daher ist es wichtig, bei den ersten Anzeichen einen Arzt aufzusuchen. Dazu zählen zum Beispiel

  • Störungen im Kurzzeitgedächtnis (Was gab es zum Mittag? Mit wem hab ich gerade telefoniert?)
  • Probleme bei der Bewältigung von Routineaufgaben (Auto fahren, Schuhe binden …)
  • Stimmungsschwankungen (Depression, Antriebslosigkeit …)
  • örtliche und zeitliche Orientierungsprobleme (Wo bin ich hier? Wie bin ich hierhin gekommen? Welcher Tag ist heute?)
  • Sprachschwierigkeiten (Probleme bei der Wortfindung, Verwendung von Füllwörtern)
  • ständiges Verlegen von Dingen (Butter in die Wäscheschublade, dafür Stifte in die Butterdose)

Natürlich muss bei den oben genannten Symptomen nicht zwangsweise eine Alzheimer-Erkrankung vorliegen. Deshalb sollte bei Verdacht immer ein Facharzt konsultiert werden.

Dieser wird zuerst versuchen, sich im intensiven Patientengespräch ein Bild über das Ausmaß der Alltagsprobleme zu machen. Bei Hinweisen auf eine Alzheimer-Erkrankung wird anschließend eine Kombination aus radiologischen Untersuchungen durchgeführt, wie Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (MRT) sowie neuropsychologischen Tests. Mit Letzteren wird überprüft inwieweit Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit, Denken, Sprache, Wahrnehmung und die Fähigkeit zur Bewältigung von Alltagsaufgaben von der Krankheit betroffen sind. Eine Methode zur Diagnose von Alzheimer im Frühstadium durch die Analyse von Hirnwasser wird derzeit erprobt.

Behandlung

Die Behandlung unterteilt sich in zwei verschiede Ansätze. Auf der einen Seite steht die medikamentöse Behandlung mit Acetylcholinesterasehemmern und Psychopharmaka. Acetylcholin ist ein wichtiger Botenstoff im menschlichen Gehirn. Bei gesunden Menschen halten sich Auf- und Abbau dieses Stoffes die Waage. Kommt es jedoch zu einer Schädigung des Gehirns, die eine verringerte Bildung dieses Botenstoffes mit sich führt, gerät die Konzentration aus dem Gleichgewicht, da das verbleibende Acetylcholin mit gleichbleibender Geschwindigkeit abgebaut wird. Dadurch wird schließlich die Übertragung der Nervenreize schwächer. Durch Acetylcholinesterasehemmer wird versucht, die Konzentration von Acetylcholin zu stabilisieren, indem man das Enzym, welches für den Abbau verantwortlich ist, hemmt.

Acetylcholinesterasehemmer haben aber keinen Einfluss auf das Absterben der Nervenzellen und müssen daher in den frühen Stadien der Krankheit eingesetzt werden. Man geht davon aus, dass diese Medikamente nach neun bis zwölf Monaten ihre Wirksamkeit verlieren, da dann bereits so viele Nervenzellen abgestorben sind, dass eine ausreichende Erhöhung des Acetylcholinspiegels nicht mehr zu erreichen ist.

In den späteren Stadien der Krankheit kann es ratsam sein, die auftretenden Verhaltensauffälligkeiten des Erkrankten zu behandeln, um ein Zusammenleben mit ihm angenehmer zu gestalten und ihm seine Würde zu bewahren.

Der Einsatz von atypischen Neuroleptika hat sich bewährt, denn diese greifen gezielt in den Gehirnstoffwechsel des Erkrankten ein und machen ihn umgänglicher und ausgeglichener. Eingesetzt werden sie bei der Behandlung von starken Aggressionszuständen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen, aber auch bei Unruhe, Misstrauen und Feindseligkeit. Da der Erkrankte ausgeglichener ist, kann er unter Umständen einige seiner Tagesaktivitäten wieder selbst durchführen, was für den Pflegenden eine große Erleichterung bedeuten kann.

Allerdings ist selbst die beste medikamentöse Therapie keine ausreichende Behandlung für eine Alzheimer-Erkrankung. Wichtig für den Erkrankten und sein Umfeld ist eine ausgeglichene Kombination aus medikamentöser und nicht medikamentöser Therapie.

Die nicht medikamentöse Therapie beruht auf einer Reihe verschiedener Ansätze, die gewährleisten sollen, dass die Pflegebedürftigkeit des Erkrankten möglichst lange hinaus gezögert wird, dass seine Angehörigen die Krankheit verstehen lernen und dass der Erkrankte solange es geht seinen Selbstrespekt und Lebenswillen erhält. So wird zum Beispiel in der sog. Milieu-Therapie besonderer Wert darauf gelegt, dass die Alltags- und Freizeitaktivitäten des Erkrankten gefördert werden und er verstärkt in das Familienleben integriert wird. Dies soll, in Verbindung mit einem einfach strukturierten Tagesablauf, die Beziehung zwischen dem Erkrankten und den pflegenden Personen stärken und dem Patienten so ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

Eine weiterer wichtiger Therapieansatz ist die sog. Selbst-Erhaltungstherapie. Diese beschäftigt sich mit den weniger beeinträchtigten Fähigkeiten des Erkrankten wie dem Langzeitgedächtnis. Durch gemeinsames Betrachten alter Fotoalben aus seiner Vergangenheit oder dem Hören alter Musikstücke und gemeinsames Lesen von Buchtexten kann die Identität des Kranken länger erhalten bleiben. Zudem weckt es in dem Betroffenen das Gefühl der Kompetenz, da ihm die erhaltenen Erinnerungen Erfolgserlebnisse verschaffen. Ähnlich verhält es sich mit der Erinnerungstherapie. Dabei werden, z. B. mithilfe von Fotografien, positive Erinnerungen in dem Betroffenen hervorgerufen, wodurch sein allgemeines Wohlbefinden gesteigert wird.

Insbesondere im Anfangsstadium der Erkrankung kann auch psychotherapeutische Hilfe ratsam sein, damit der Betroffene sein Leben trotz Erkrankung, die er ja zu diesem Zeitpunkt bewusst erlebt, als sinnvoll empfindet.

Der Umgang mit erkrankten Personen

Auch für Angehörige eines Alzheimer-Patienten wird sich das Leben ändern. Um das Zusammenleben mit dem Erkrankten so angenehm wie möglich zu gestalten, ist es wichtig ihn nicht zu überfordern. Insbesondere im frühen Stadium, wenn der Erkrankte seine Umwelt noch bewusst erlebt, sollte man vermeiden, ihn ununterbrochen zu korrigieren oder sinnlos nach Wissen abzufragen, da Misserfolge ihn nur frustrieren und er sich möglicherweise schneller zurückzieht. Stattdessen sollte man Informationen in einfache Sätze verpacken und bei Bedarf auch wiederholen. Der Tonfall sollte dabei jedoch stets freundlich sein. Wenn der Erkrankte Probleme bei der Wortfindung hat, kann es sinnvoll sein ihm das Wort im späteren Gespräch unauffällig zuzuspielen.

In den späteren Krankheitsstadien ist es wichtig, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass der Erkrankte nicht aus Boshaftigkeit heraus agiert, sondern weil sein Gehirn ihm eine andere Form der Realität vorspielt. Daher macht es auch keinen Sinn mit einem Erkrankten darüber zu diskutieren, dass eine von ihm beschriebene Gegebenheit so niemals stattgefunden hat. Für ihn ist es Realität. Daher ist es ratsam die Ruhe zu bewahren und sich auf seine Welt einzulassen. Diskussionen werden immer ins Leere führen und daher ist es an dieser Stelle ratsam den Betroffenen mit etwas anderem abzulenken.

Julia Warnau

24.04.14

Alzheimer
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