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Experteninterview mit ao. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik

Ao. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Befund Diabetes, ist Stellvertretender Leiter der klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel an der Universitätsklinik Wien. Als Sprecher der Diabetes Initiative Österreich (DIÖ) setzt er sich dafür ein, Diabetes besser in den Griff zu bekommen.

Herr Prof. Ludvik, warum haben Sie sich für den Arztberuf entschieden und was hat Sie bewogen, sich auf die Diabetologie zu spezialisieren?

Der Wunsch, Arzt zu werden, hat sich bei mir schon in früher Jugend ergeben, was sicherlich auch durch die ärztliche Tätigkeit meines Vaters bedingt war. Im Rahmen der Ausbildung zum Internisten hat mich die Diabetologie und in der Folge die Beschäftigung mit der Adipositas aufgrund des komplexen Krankheitsbilds und der spannenden Forschung und Entwicklung neuer Medikamente interessiert. Ich habe diese Berufswahl bis heute nicht bereut.

Was ist Ihnen besonders wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?

Das Wichtigste ist, den Patienten zuhören zu können. Zudem benötigt man doch auch Empathie, um sich in den Zustand der Betroffenen hineinzuversetzen. Der Patient muss das Wesen der Erkrankung verstehen, denn nur ein aufgeklärter Patient kann bei der Behandlung mitarbeiten, was in der Diabetologie unabdingbar ist. Der erhobene Zeigefinger und ähnliche Maßnahmen sind bei der Behandlung der Patienten fehl am Platz. Es gilt, den Patienten und seine Probleme ernst zu nehmen und die Behandlung individuell anzupassen.

Worin sehen Sie das größte Problem bezüglich der wachsenden Anzahl von Betroffenen?

Hier kommen sicherlich am ehesten die ökonomischen Aspekte zum Tragen. Sie betreffen nicht nur Medikamenten- und Spitalskosten, sondern beinhalten auch den Ausfall bei der Arbeit sowie die sozialen Folgekosten, die durch frühzeitige Invalidität bedingt sind.

Welche sind die wichtigsten Faktoren, die Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben?

Besonders wichtig ist die Früherkennung. Wenn der Diabetes konsequent behandelt wird, können Folgeschäden weitestgehend vermieden werden. Dadurch erleidet der Diabetiker keinen Verlust an Lebensjahren und Lebensqualität. Zudem sind regelmäßige Kontrollen unbedingt notwendig, da der Diabetes im Fall einer schlechten Einstellung eine gefährliche Erkrankung darstellt.

Was sind Ihrer Ansicht nach Irrtümer in Bezug auf Diabetes und seine Behandlung?

Der größte Irrtum in Bezug auf Diabetes ist die Unterschätzung der Folgen der Erkrankung. Bei der Behandlung muss der Patient erkennen, dass eine lebenslange Betreuung notwendig ist und dass aufgrund des Charakters der Erkrankung auch die eingesetzten Medikamente laufend adaptiert werden müssen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die erfolgversprechendsten Forschungsansätze in der Diabetestherapie?

Am Ende erhoffen wir die Heilung durch Gentherapie, aber bis dahin vergeht noch viel Zeit. Bezüglich des Typ-1-Diabetes stehen uns sicherlich Neuerungen in Bezug auf Blutzuckermessgeräte, die mit Insulinpumpen kommunizieren und die Dosis automatisch anpassen, bevor. Hier ist die Forschung schon recht weit. Beim Typ-2-Diabetes kommen in den nächsten Jahren innovative Medikamente mit neuem Ansatz, die jedoch sicherlich teurer als ältere Medikamente sind und deren Wertigkeit und Sicherheit noch getestet werden muss. Die Vielzahl an Therapien macht jedoch die Behandlung des Diabetes für die Ärzte sicherlich nicht leichter.

Welche Rolle spielen Patientenmagazine, z. B. Befund Diabetes, bei der Aufklärung und Deckung des Informationsbedarfs der Betroffenen?

Es gibt m. E. keine Erkrankung, bei deren Behandlung die Mitarbeit des Patienten so wichtig ist wie den Diabetes. In diesem Sinne ist eine wissenschaftlich fundierte und kompetente Fortbildung, wie sie in Patientenmagazinen angeboten wird, absolut notwendig. Wenn ich mir die vorliegenden Produkte ansehe, so muss ich sagen, dass sie das Thema Diabetes durchwegs seriös und fachkundig behandeln.

Quelle: BDÖ 1/12

16.12.12

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