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Wundmanagement – Irrtümer in der Wundbehandlung

Vielerorts erfährt die Behandlung chronischer Wunden immer noch nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit. Univ.-Prof. Dr. Gerald Zöch ist Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Wundbehandlung (AWA). Er formuliert pointiert Irrtümer in der Wundbehandlung, die zu prolongierten Heilungsverläufen und massiven Folgeproblemen führen können und letztlich auch mit enormen Kosten verbunden sind.

Moderne Konzepte zur Behandlung chronischer bzw. nicht heilender Wunden kämpfen vielerorts noch immer mit dem Problem, sich gegen althergebrachte Traditionen („Irrtümer“) durchsetzen zu müssen.

Irrtum: „Verband ist alleine Aufgabe der Schwester.“

Hartnäckig hält sich der Irrtum, Verbände fielen in den alleinigen Aufgabenbereich des Pflegepersonals. „Moderne Wundtherapie setzt ein Arbeiten im multiprofessionellen Team voraus“, spricht sich Dr. Zöch für die Zusammenarbeit der einzelnen Berufsgruppen und Fächer aus, durch die letztlich auch die Effizienz der Behandlung erhöht und Kosten gespart werden. Diese Zusammenarbeit ist auch gesetzlich verankert: Die Anordnungsverantwortung liegt beim Arzt, die Durchführungsverantwortung bei der Pflegekraft. Die AWA macht daher die Intensivierung der Zusammenarbeit zu ihrem zentralen Anliegen und hat bereits einige wesentliche Verbesserungen bewirkt.

Irrtum: „Der Patient braucht nicht in die Behandlung eingebunden werden.“

„Fehlt die Patientenmitarbeit, ist jede auch noch so aufwendige bzw. teure Therapie zum Scheitern verurteilt“, sagt Dr. Zöch. In Studien konnte belegt werden, dass bei Patienten mit diabetischem Fuß neben Infektion und Ischämie die fehlende Patientenmitarbeit den drittwichtigsten Risikofaktor für die Amputation eines Beines darstellt. Die Compliance des Patienten ist daher von entscheidender Bedeutung. Auch wenn Patienten mitunter nur schwer zu regelmäßigen Kontrollen zu motivieren sind, ist eine Fußkontrolle einmal pro Jahr keinesfalls ausreichend. Vielmehr sollte der Patient in die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms miteinbezogen werden, an seiner Mitarbeit und damit einer verbesserten Compliance sollte aktiv gearbeitet werden.

Irrtum: „Chronische Wunden sind kein volkswirtschaftliches Problem.“

Chronische Wunden sind nicht nur mit individuellem Leid für die Betroffenen verbunden, sie stellen auch ein volkswirtschaftliches Problem dar. Noch immer wird häufig übersehen, dass zu spät oder nicht adäquat behandelte chronische Wunden volkswirtschaftlich ein Vielfaches der eigentlichen Behandlungskosten an Folgekosten nach sich ziehen. 70–80 % der Behandlungskosten beim Diabetiker entfallen auf die Therapie der chronischen Fußulcera. Etwa 40 % aller Patienten sind nach Majoramputationen immobil und damit auf fremde Hilfe angewiesen. Internationalen Berechnungen zufolge wäre, so Dr. Zöch, etwa die Hälfte dieser Amputationen durchaus vermeidbar. Hinlänglich bewiesen ist mittlerweile auch, dass durch jeden verhinderten Dekubitus nicht nur Leid, sondern auch Kosten gespart werden. So kostet die Therapie eines Druckgeschwüres zehnmal mehr als die Prophylaxe.

Irrtum: „Antibiotische und antiseptische Salben heilen alle Wunden.“

Nach wie vor hält sich die Tradition, alle chronischen Wunden mit Antiseptika oder gar topischen Antibiotika zu behandeln. „Ein leider noch weit verbreiteter Irrtum“, sagt Dr. Zöch: „Lokal anzuwendende Antibiotika sind obsolet. Antiseptika sind nur in der Phase der Infektion und dann auch nicht länger als acht Tage anzuwenden.“ So hat der EU-Rat bereits 2001 die umsichtige Anwendung antimikrobieller Mittel empfohlen. Eine Hemmung der Granulationsbildung sei für die einzelnen Antiseptika in unterschiedlich starkem Ausmaß in Studien belegt. Darüber werde auch für Antiseptika in der Daueranwendung eine Selektion resistenter Keime befürchtet. Die Deutsche Wundgesellschaft hat in ihren Empfehlungen den Einsatz von Antiseptika in der Wundbehandlung mit acht Tagen begrenzt.

Irrtum: „Die trockene Wundbehandlung ist immer schlecht.“

Beim diabetischen Fußsyndrom ist derzeit für die feuchte Wundbehandlung noch kein Vorteil nachgewiesen. Der Goldstandard, so Dr. Zöch, liege in der wiederholten scharfen Entfernung von Hyperkeratosen und Nekrosen und in der trockenen Behandlung von Nekrosen.

Irrtum: „Es bedarf keiner speziellen Ausbildung.“

Eine spezifische Ausbildung für Pflegepersonen und Ärzte ist unbedingt nötig, um den Anforderungen der modernen Wundtherapie in Hinblick auf Effizienz und Kosten gerecht zu werden, so Dr. Zöch. Die Aus- und Fortbildung für Pflegepersonen ist derzeit relativ gut geregelt. Da – wie schon eingangs erwähnt – Wundmanagement immer noch häufig ausschließlich der Pflege zugerechnet wird, war es in der Vergangenheit auch schwierig, Ärzte mit entsprechenden Angeboten zu erreichen. In vielen europäischen Ländern gibt es sog. „Wundakademien“, die im Großen und Ganzen hauptsächlich von Pflegepersonen besucht werden. Dänemark bietet eine akademische Wundmanagement-Ausbildung. Die europäische Dachorganisation der Wundgesellschaften (EWMA) versucht derzeit, die Aus- und Weiterbildung europaweit zu standardisieren. Die Österreichische Gesellschaft für Wundbehandlung (AWA) bietet Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte und Pflegepersonen an und hat in letzter Zeit auch forciert Ärzte als Zielgruppe adressiert. Derzeit besteht für Ärzte die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit der ärztlichen Akademie der ÖÄK ein Zertifikat für „ärztliche Wundbehandlung“ zu erwerben.

Autor: Univ.-Prof. Dr. Gerald Zöch

Quelle: BDÖ 1/12

04.01.13

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