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Diagnose

Die Diagnose Aphasie wird in der Regel im Zusammenhang mit der eigentlichen, der Sprachstörung zugrunde liegenden Erkrankung gestellt. In den meisten Fällen ist dies ein Schlaganfall. Ob durch eine Hirnschädigung eine Sprachstörung verursacht wurde, zeigt sich im Allgemeinen anhand der Symptomatik und kann durch den Aachener Aphasietest überprüft werden.

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Aachener Aphasietest (AAT)

Der Aachener Aphasietest ist ein speziell für die deutsche Sprache entwickeltes Verfahren zur Diagnose von Aphasien. Er dauert ca. 60 bis 90 Minuten und muss an einem Stück durchgeführt werden. Analysiert werden alle Bereiche der Sprache:

  • Spontansprache: Ein etwa 10 Minuten langes Gespräch in Form eines Interviews mit Fragen zur Krankheit, Familie des Patienten, dem Beruf usw. wird aufgezeichnet. Das generelle Kommunikationsverhalten kann somit beurteilt sowie eine Wortfindungsstörung, abnormale Sprechgeschwindigkeit oder die Verwendung von Sprachautomatismen diagnostiziert werden.
  • Token-Test: Mit dem Token-Test wird das Sprachverständnis und die Aufmerksamkeitsleistung getestet. Vor dem Patienten liegen dabei beispielsweise fünf verschiedenfarbige Vierecke. Er wird vom Therapeuten aufgefordert auf ein Viereck mit einer bestimmten Farbe zu zeigen. Anhand dieses Tests können bei einer diagnostizierten Hirnschädigung Aphasiker von Nicht-Aphasikern unterschieden werden.
  • Nachsprechen: Es werden in fünf Teilen jeweils 10 Dinge nachgesprochen. Es wird dabei nicht nur die Korrektheit des Nachgesprochenen bewertet, sondern auch der Schweregrad einer jeden Abweichung bestimmt.
  • Benennen: Benannt werden in 10 Teilen jeweils 10 Objekte, Situationen, Farben und Handlungen. Es erfolgt bei Abweichungen erneut eine Bewertung des jeweiligen Schweregrades.
  • Schriftsprache: In diesem Test werden lautes Lesen, Zusammensetzten von Worten oder Sätzen nach Diktat (anhand von Kärtchen, deren Buchstaben zum Wort oder Worte zu einem Satz zusammengefügt werden sollen) und das Schreiben nach Diktat überprüft. Der Schweregrad von Abweichungen wird auch in diesem Test beurteilt.
  • Sprachverständnis: Der Patient muss unter vier gleichzeitig vorgelegten Zeichnungen diejenige auswählen, die zu einem zuvor gelesenen Satz passt. Auch hier ist eine Bewertung des Schweregrades einer diagnostizierten Störung möglich.

Der Test erbringt eine neurologisch fundierte Diagnose einer Aphasie, eine Schweregradsklassifizierung der Sprachstörung und eine Syndromklassifikation. Bei einer Aphasie können vier Standardsyndrome unterschieden werden:

  • die globale Aphasie
  • die Broca Aphasie
  • die Wernicke Aphasie
  • die amnestische Aphasie

Globale Aphasie

Die globale Aphasie ist die schwerste Form der Standardsyndrome. Bei ihr sind alle sprachlichen Bereiche schwer gestört – Sprechen, Nachsprechen, Lesen, Schreiben und Verstehen. Häufig sind Menschen mit globaler Aphasie zunächst vollkommen verstummt, manche äußern unverständliche Laut- und Silbenfolgen oder immer wiederkehrende Floskeln (Sprachautomatismen). Die Kommunikation mit einem globalen Aphasiker ist extrem schwer. Nicht-sprachliche Hilfsmittel wie Gestik, Mimik und Zeigen sind hier ein wesentlicher Bestandteil.

Broca Aphasie

An Broca Aphasie leidende Menschen sind in der Regel durch ein sehr langsames und stockendes Sprechen in grammatikalisch unvollständigen Sätzen gekennzeichnet. Obwohl die Betroffenen genau wissen, was sie sagen wollen, kommt es zum Beispiel zu Lautverwechselungen innerhalb eines Wortes. Manchmal werden auch Laute und Silben einfach weggelassen. Das Sprachverständnis hingegen ist meist gut erhalten. Das Zuhören bereitet dennoch häufig Probleme, weil die Sprachverarbeitung durch die Hirnschädigung stark verlangsamt ist. Die Betroffenen können das Gesagte einfach nicht schnell genug aufnehmen und verarbeiten. Bei Broca Aphasikern fehlen zudem Betonung und Sprachmelodie. Daher ist es den Menschen im Umfeld oft unmöglich, die Gefühlslage der Betroffenen sowie Witz oder Ironie zu verstehen. Im Gespräch zeigen Broca Aphasiker in der Regel wenig Eigeninitiative, sie können aber auf gezielte Fragen angemessen antworten.

Wernicke Aphasie

Menschen, die von einer Wernicke Aphasie betroffen sind, merken oft selbst zunächst nichts von ihrer Sprachstörung. Sie sprechen häufig flüssig und ohne Mühe. Allerdings sind häufige Verdrehungen und Wortverwechslungen für dieses Standardsyndrom der Aphasie charakteristisch. Manche Betroffene erfinden auch neue Wörter, wodurch die Sprache bis zur völligen Sinnlosigkeit verändert werden kann. Auch das Sprachverständnis von Wernicke Aphasikern ist in der Regel stark gestört. Eine Verständigung ist somit nur schwer möglich.

Amnestische Aphasie

Die amnestische Aphasie ist in der Hauptsache eine Wortfindungsstörung. Das Sprachverständnis ist bei diesem Standardsyndrom in der Regel nicht oder kaum beeinträchtigt. Das Sprechen der Betroffenen ist gekennzeichnet durch eine geringe Vermittlung von Inhalten, da dauernd Wörter fehlen. Diese werden entweder in längeren Unterbrechungen, die als Denkpause dienen, angestrengt gesucht oder aber durch Umschreibungen, Oberbegriffe oder Füllwörter ersetzt. Ansonsten reden amnestische Aphasiker flüssig, mit einer normalen Sprachmelodie und einem korrekten Satzbau. Eine Unterhaltung gelingt mit Betroffenen dieses Standardsyndroms vergleichsweise gut, da mit inhaltlichen Annäherungen und Umschreibungen dem Gegenüber Hinweise darauf gegeben werden, was der Aphasiker eigentlich sagen möchte.

Lydia Köper

18.08.10

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