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Assistenzhunde für Diabetiker

Hunde sind seit Jahrtausenden treue Begleiter des Menschen. Seit 2014 sind sie das auch ganz offiziell für die österreichischen Diabetiker. Denn laut Gesetzesbeschluss wurde anerkannt, dass besonders ausgebildete Hunde Diabetikern als Signalhunde wertvolle Hilfe leisten können.

Seit 2014 ist es offiziell: Assistenzhunde für Diabetiker sind in Österreich gesetzlich anerkannt. Doch was bringt das eigentlich, was muss ein sog. Signalhund für Diabetiker können, worin muss er unterstützen? DI Gloria Petrovics, Vorsitzende der Freunde der Assistenzhunde Europas, erklärt: „Die wichtigste Aufgabe eines Signalhundes für Diabetiker ist die Anzeige einer Unterzuckerung (Hypoglykämie). Besonders bei Typ-1-Diabetikern kann es trotz sorgfältiger Messungen zu heftigen Zuckerschwankungen kommen.“ Und genau hier können ausgebildete Hunde helfen, wie die Expertin bestätigt: „Hunde können diese Veränderungen im Körper riechen. Wenn sie entsprechend geeignet und ausgebildet sind, zeigen sie diese Veränderungen auch an.“ Der Diabetiker werde dadurch rechtzeitig gewarnt und könne entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen – z. B. Traubenzucker oder ein süßes Getränk zu sich nehmen. „Der Hund lernt, eine Hypoglykämie auf eine bestimmte Weise anzuzeigen, z. B. durch beharrliches Anstupsen, Tapsen mit der Pfote oder das Überreichen eines Bringsels. Er hört erst damit auf, wenn der Mensch in einer bestimmten, ebenfalls trainierten Weise darauf reagiert“, sagt Petrovics. Übrigens: Bellen sei nicht zweckmäßig. „Schließlich will man die Hunde ja überall hin mitnehmen können.“

Hilfe auch bei Überzuckerung?

Und wie sieht es bei Überzucker (Hyperglykämien) aus? „Hier scheiden sich die Geister“, so die Expertin: „Einige Ausbildungsstätten bieten auch dies an, andere argumentieren, dass eine Hyperglykämie nicht unmittelbar lebensbedrohend sei, nicht so schnell behoben werden könne wie eine Hypoglykämie und der Hund dadurch über längere Zeit unnötigem Stress ausgesetzt werde.“ Auch die Reaktion darauf gehöre zu den Hilfen, die ein Signalhund leisten könne: etwa das Blutzuckermessgerät, eine Notfalltasche, bestimmte Nahrungsmittel oder das Handy bringen. „Er kann lernen, Angehörige zu holen – besonders bei Kindern – oder bei Bewusstlosigkeit einen Notfallknopf zu drücken. Die besonders wichtige Nachtanzeige ist am schwierigsten zu trainieren“, so die Vorsitzende der Freunde der Assistenzhunde Europas: „Da zeigt es sich erst wirklich, ob ein Hund völlig selbstständig reagieren kann.“ Generell gebe es noch wenig Forschung in Form von wissenschaftlichen Studien, das meiste basiere auf der sog. „anekdotischen Evidenz“, also auf Erzählungen der Hundeführer oder ihrer Familien. „Nachdem in Österreich das Messerli-Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien für die Prüfungen der Signalhunde für Diabetiker zuständig ist, ist zu hoffen, dass es auch auf diesem Gebiet in Zukunft mehr wissenschaftliche Ergebnisse geben wird.“

Ausbildung zum Diabetiker-Assistenzhund

Wie lange wird ein Hund überhaupt zum Signalhund für Diabetiker ausgebildet? Auch hier scheiden sich laut DI Gloria Petrovics die Geister: „Manche Trainer sind der Meinung, dass der Hund am besten schon mit dem Diabetiker aufwächst und von klein auf vom Menschen auf Hypoglykämien aufmerksam gemacht wird – wenn der Hund darauf reagiert, wird er belohnt. Es gibt sogar Naturtalente unter den Hunden, die von selbst mit der Anzeige beginnen. So wurden die Menschen auch auf diese Fähigkeit der Hunde aufmerksam.“ Der Nachteil der Methode: Die Gesundenuntersuchung könne erst mit einem Jahr durchgeführt werden. „Wenn der Hund diese nicht besteht, wird er nicht zur Assistenzhundeprüfung zugelassen“, so die Expertin.

Andere Trainer verkaufen Hunde laut Petrovics fertig ausgebildet und (hoffentlich) in Zukunft mit bestandener Qualitätsprüfung. „Sie beschaffen sich Geruchsproben der Zielperson und trainieren mit dem Hund so die Anzeige. Das Anzeigeverhalten muss extra trainiert und dann mit der Geruchsprobe verbunden werden. Wenn der Hund das kann, kann er mit der Zielperson zusammen geschult werden. Den Geruch kennt er ja schon, aber er muss extra lernen, die erschnüffelte Geruchsveränderung entweder dieser Person oder einer anderen anzuzeigen“, erklärt Petrovics.

Mit 18 Monaten könne der Hund frühestens die Qualitätsprüfung mit dem Trainer ablegen. Welcher Hund das ist, kommt laut der Expertin nicht unbedingt auf die Rasse an, sondern auf die individuelle Eignung des Hundes: „Er muss interessiert an ,seinem‘ Menschen sein, gleichzeitig stressresistent und in der Lage, mit vielen neuen Situationen umzugehen. Er darf nicht ablenkbar sein – nicht durch andere Menschen, Hunde oder weitere besonders interessante Gerüche. Er darf nicht aggressiv sein und sollte wenig Jagdinteresse haben.“ Auch die Größe des Hundes sei generell nicht wichtig, allerdings sei es für kleine Hunde schwieriger, erfolgreich anzuzeigen, so Petrovics, „weil man sie eher übersieht. Ebenso ist die geringe Größe unter Umständen ein Nachteil bei der Hilfeleistung“.

Assistenzhunde für Diabetiker in Österreich

Das Gesetz und die neuen Richtlinien des Sozialministeriums sehen ein aufwendiges Anerkennungsverfahren mit Prüfungen und tierärztlichen Untersuchungen vor. Dafür hat die Bundesregierung einen Auftrag des Nationalrates, dass alle Gesetze so geändert werden sollen, dass die Hundeführer mit ihren vierbeinigen Helfern auch dort Zutritt haben, wo ein „gewöhnlicher“ Hund nicht hin darf. Bisher galten diese Zutrittsrechte hauptsächlich für Blindenführhunde, jedoch Service- und Signalhunde wurde oftmals zurückgewiesen. Der Nachweis für diese Berechtigung erfolgt über den Behindertenpass, in den die Hunde nach erfolgreich abgelegten Prüfungen eingetragen werden. Diese Eintragung wird mit zunehmender Bekanntheit des Assistenzhundeparagraphen und der Änderung der übrigen Gesetze zunehmend an Bedeutung gewinnen, außerdem werden die Hundeführer das Recht bekommen, das neue staatliche Logo für Assistenzhunde auf ihrem Hund zu führen.

Nähere Informationen: Freunde der Assistenzhunde Europas, Landstraße 39, 2421 Kittsee. Tel.: 0 21 43/3 01 29 oder 06 64/73 67 04 44.

Quelle: Befund Diabetes Österreich 1/2015

10.06.15

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