- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Krebs - Gynäkologische Tumoren - Brustkrebs - Psychoonkologie - Brustkrebs: Angst, Panik, Depressionen

Brustkrebs: Angst, Panik, Depressionen

Psychische Störungen nach einer Krebsdiagnose

Die Diagnose Krebs stellt für die Betroffenen i. d. R. das ganze Leben auf den Kopf, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. In den ersten vier Wochen nach der Diagnose sind rund 30 % der Erkrankten von einer psychischen Störung betroffen.

„Diese Störung kann durch die Diagnose ausgelöst werden oder die Diagnose führt dazu, dass sich eine bereits vorhandene Störung manifestiert“, erklärt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID). Am häufigsten treten Angst- oder Panikstörungen, Anpassungsstörungen oder Depressionen auf. Erkrankte, die das Gefühl haben, psychisch stark belastet zu sein, sollten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

I. d. R. stehen Patientinnen in den Kliniken Ansprechpartner zur Verfügung. Vor allem in zertifizierten Krebszentren gibt es Experten, die sich mit der Behandlung psychischer Belastungen auskennen. Je nach Problemlage können Kliniksozialdienste oder Psychoonkologen Betroffenen helfen, mit der Diagnose und der Behandlung besser umzugehen. „Betroffene können die behandelnden Ärzte auch darum bitten, einen Kontakt herzustellen“, erklärt Dr. Weg-Remers. D. h., dass die Patientinnen selbst aktiv werden können.

Kostenübernahme klären

Wer ambulant behandelt wird, etwa mit einer Chemotherapie, kann u. U. das Angebot der Klinik ebenfalls nutzen und auf die Kliniksozialdienste oder die Psychoonkologen in der Klinik zurückgreifen. Ob dies möglich ist, hängt von der Klinik ab. Sollte dies nicht möglich sein, können Patientinnen auch im Bereich niedergelassener Experten nach Ansprechpartnern suchen. Die Krankenkasse übernimmt i. d. R. nur die Kosten für die Behandlung bei einem Psychotherapeuten oder Psychoonkologen, der auch über eine Kassenzulassung verfügt. Bei sehr hohen Wartezeiten ist es aber u. U. auch möglich, mithilfe eines Kostenübernahmeverfahrens eine Behandlung bei einem Experten ohne Kassenzulassung bezahlt zu bekommen.

Kurzfristige und kostenlose Hilfe bieten i. d. R. vor allem psychosoziale Krebsberatungsstellen. Sie bieten Betroffenen Einzelgespräche oder auch Gruppenangebote an und haben einen Überblick, welche regionalen Ansprechpartner darüber hinaus zur Verfügung stehen.

Rund ein Drittel bis die Hälfte der Patientinnen wünschen sich psychosoziale oder psychologische Unterstützung. „Sie benötigen Hilfe im Umgang mit Ängsten, Depressionen, den Themen Sterben und Tod“, bemerkt Dr. Weg-Remers. Auch die Sorge um Angehörige, das veränderte Verhältnis zur Familie oder der Umgang mit dem Arbeitgeber können Erkrankte belasten. „Zudem fühlen sich viele Patientinnen dem medizinischen System ausgeliefert“, betont die Leiterin des KID.

Familie und Freunde sind in dieser schweren Lebensphase nicht immer die richtigen Ansprechpartner. „Sie sind ein Stück weit auch immer selbst betroffen. Hier spielt auch immer eine Rolle, wie das Verhältnis zu den Angehörigen vor der Erkrankung war und wie belastbar diese sind“, gibt Dr. Weg-Remers zu bedenken. Bei einer schweren psychischen Belastung sei es i. d. R. besser, sich an einen Experten auf diesem Gebiet zu wenden, der dann die Belastungssituationen auflösen könne.

Behandlungsformen sind unterschiedlich

Grundsätzlich gibt es verschiedene Behandlungsformen, die Betroffenen helfen können. Psychosoziale Beratungsstellen helfen den Patientinnen dabei, die für sie passende Form der Hilfe zu finden. Dies können Entspannungstechniken (z. B. autogenes Training) sein, die helfen können, Anspannung, Angst und Verkrampfungen zu lösen, um die Behandlung in der Folge dann besser verkraften zu können. Möglich ist darüber hinaus langfristige Hilfe in Form einer Psychotherapie, aber auch Kunst-, Tanz- oder Musiktherapie. „Letzteres kann vor allem beim Umgang mit belastenden Gefühlen hilfreich sein“, erklärt Dr. Weg-Remers.

„Die Musiktherapie kann Betroffenen helfen, ihre Gefühle zu entdecken. Der Zugang zu sich selbst mithilfe der Musik ist stark auf die Emotionen gerichtet. Mithilfe der Musik können Erkrankte spüren, was sie bewegt, wie etwa Wut auf die Erkrankung. Um dies wahrnehmen zu können, ist es nicht unbedingt notwendig, darüber auch zu reden“, bemerkt die Musiktherapeutin Anita Haberl, Selb. In einer Musiktherapie brauchen Patientinnen ihre Gefühle nicht verbalisieren, um sich diese bewusst zu machen.

Die Musiktherapie kann z. B. die Ressourcen der Betroffenen aktivieren. Durch das gemeinsame Musizieren spüren Patientinnen, was noch möglich ist. „Sie spüren, sie bekommen etwas hin, werden sich bewusst, dass sie noch Kraft in sich haben. Dieses Potenzial zu erkennen, kann auf dem Weg der Genesung helfen“, erläutert Anita Haberl.

Grundsätzlich gibt es die rezeptive und die aktive Musiktherapie. Im Rahmen der rezeptiven Musiktherapie hören die Patientinnen in erster Linie Musik, während bei der aktiven Musiktherapie selbst musiziert wird. Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. „Betroffenen gelingt es so, zu sich zu kommen, zu spüren, dass es viele schöne Dinge im Leben gibt“, bemerkt Anita Haberl. „Wichtig dabei ist, dass die Patientinnen die Musiktherapie selbst wollen“. Musiktherapie sei nicht für jeden geeignet, vor allem ein Zugang zu Musik sollte grundsätzlich vorhanden sein.

Quelle: Leben? Leben! 1/2017

14.06.17

Newsletter An-/Abmeldung

Code: BBTQ