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Compliance in der Therapie von Krebs

Der Begriff Compliance kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Bereitschaft“ oder „Einwillung“. In der Medizin steht Compliance für „Therapietreue“ oder „konsequentes Befolgen“. Damit ist das kooperative Verhalten der Betroffenen im Hinblick auf Medikamenteneinnahme, Einhalten einer Diät oder Veränderung des Lebensstils gemeint. Die Compliance hat erheblichen Einfluss auf den Erfolg einer Behandlung.

Einflussfaktoren für die Compliance

Auf die Compliance hat nicht nur der Patient selbst, sondern auch der behandelnde Arzt erheblichen Einfluss. Das Therapieziel muss vom Arzt individuell richtig gewählt werden und vom Betroffenen auch verstanden und akzeptiert werden. Werden ärztliche Empfehlungen nicht befolgt bzw. erfüllt der Arzt die therapeutisch relevanten Pflichten nicht, so spricht man von Non-Compliance. Es gibt verschiedene Faktoren, die die Compliance beeinflussen können.

Die Wahrscheinlichkeit der Compliance ist bei folgenden Faktoren erhöht:

  • der Patient erkennt die Ernsthaftigkeit seiner Erkrankung, glaubt an die Therapie und ist mit der medizinischen Betreuung zufrieden
  • die Familie unterstützt den Betroffenen beim Einhalten seiner Therapie
  • bei einer akuten Erkrankung, die die Leistungsfähigkeit deutlich einschränkt
  • bei einer stationären, klar definierten Therapie
  • der Arzt bezieht die Bedürfnisse und Erwartungen des Patienten mit ein, stimmt Termine individuell ab und klärt über die Behandlung auf

Ebenso gibt es Faktoren, die die Compliance negativ beeinflussen, also die Non-Compliance fördern. Dazu gehören:

  • das Auffassungsvermögen sowie die Merkfähigkeit des Patienten sind eingeschränkt
  • der Patient wird in seinen Erwartungen an den Arzt enttäuscht
  • der Patient hat Vorbehalte gegen die Therapie oder Angst vor Nebenwirkungen bzw. Abhängigkeit
  • die Krankheit verläuft symptomlos oder weist sehr viele Symptome auf
  • chronische Erkrankungen
  • die Therapie ist sehr komplex, dauert lange, wird ambulant durchgeführt und führt zu unerwünschten Nebenwirkungen
  • von dem Patienten wird eine massive Verhaltensänderung verlangt
  • der Arzt behandelt den Patienten autoritär, lässt ihn vor der Behandlung lange warten und klärt ihn unzureichend auf

Untersuchungen haben ergeben, dass in Arztpraxen mit geringeren Patientenzahlen die Compliance der Patienten besser ist als in sehr großen Praxen. Außerdem ist die Compliance bei Frauen insgesamt besser als bei Männern und nimmt mit steigendem Alter zu. Besonders in der Krebstherapie ist die Compliance sehr wichtig, um das Therapieziel zu erreichen. Ein wichtiger Punkt ist dabei auch, dass der Patient versteht, warum die entsprechende Therapie angewandt wird. Bei der Chemotherapie ist z. B. die Angst vor dem Haarverlust oft sehr groß. Dabei muss der Arzt die Wichtigkeit der Therapie darlegen, sodass der Nutzen die Begleiterscheinungen aufwiegt. Dem Betroffenen sollte klar sein, dass es besser ist, seine Haare zu verlieren als – im schlimmsten Fall – zu sterben.

Non-Compliance

Unter Krebspatienten herrscht eine relativ hohe Non-Compliance. Leider gibt es verhältnismäßig wenige Studien zu diesem Thema. Knapp ein Viertel aller Betroffenen, die an einer Untersuchung teilnahmen, hielten ihre Termine zur Verabreichung der Chemotherapie nicht ein. In einer Untersuchung von Frauen mit einem auffälligen Pap-Abstrich (Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs, s. Glossar) kamen 29 % nicht zur Nachuntersuchung. Als Erklärung wurde ein hohes Maß an Unsicherheit über die drohende Erkrankung genannt. Außerdem ergab eine Befragung von Onkologen, dass 85 % der Ärzte als größtes Problem der Non-Compliance die Nicht-Einhaltung der ambulanten Termine ansahen.

Wichtigkeit der Compliance

Ein gutes Beispiel für die Wichtigkeit der Compliance ist die Behandlung von Lymphödemen, die nach einer Brustkrebsoperation am Arm der betroffenen Seite entstehen können. Die Behandlung des Lymphödems erfordert eine gute Compliance der Patientin. Sie muss regelmäßig Lymphdrainage durchführen lassen, den Arm ggf. wickeln und entstauende Maßnahmen selbst durchführen sowie die Haut besonders pflegen. Nur dann ist die Chance auf einen Rückgang des Ödems groß. Patientinnen, die resignieren und die Therapie nicht sorgfältig durchführen, werden in der Regel auch mehr Probleme damit haben.

Psychosoziale Unterstützung fördert die Compliance

Besonders in der Krebstherapie gibt es gesicherte Nachweise, dass psychosoziale Unterstützung die Compliance erhöht. Positiv wirkt sich somit auch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe aus. Hier werden Betroffene u. a. über ihre Erkrankung informiert und verstehen den Nutzen der Behandlung somit besser. Oft begegnen Betroffene auch Menschen mit einer ähnlichen Erkrankung, denen die Therapie schon geholfen hat, und sehen somit den Sinn der Therapie eher ein.

Weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Compliance

  • gemeinsame Therapieentscheidung von Arzt und Patient/in
  • genaue, evtl. schriftliche Fixierung der Therapiemaßnahmen
  • Einsatz von Arzneimittelboxen, in denen die Medikamente für mehrere Tage vorsortiert sind und
    Führen eines Einnahmetagebuchs durch den Patienten
  • Feedback vonseiten des Arztes, regelmäßiges Nachfragen sowie evtl. Hausbesuche

Für Betroffene ist wichtig, dass sie dem behandelnden Arzt vertrauen und so auch der Therapieentscheidung zustimmen können. Nur wer sich gut aufgehoben fühlt und versteht, warum bestimmte Behandlungen stattfinden (müssen), wird auch die Behandlung mittragen und somit Erfolge in der Therapie erleben.

Miriam Funk

05.10.06

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