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COPD und Partnerschaft

Erkranken Menschen an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), bedeutet das nicht nur für sie selbst, sondern auch für ihren Partner Veränderungen.

Je nach Schweregrad bringt eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) eine Reihe von Belastungen mit sich. Betroffene müssen häufig aufgrund ihrer verringerten körperlichen Belastbarkeit ihre berufliche Tätigkeit einschränken oder sogar aufgeben. Dies wirkt sich negativ auf das monatliche Haushaltseinkommen aus. In vielen Fällen verlieren Betroffene mit ihrer beruflichen Tätigkeit auch eine sinngebende Aufgabe. Zudem erfordern einfachste Aufgaben aus dem Alltag wie Wäsche Waschen, Kochen oder Staubsaugen von den Betroffenen eine enorme Anstrengung. Im schlimmsten Fall können sie diese nicht mehr verrichten. Auch Aktivitäten mit Freunden und Verwandten bleiben häufig aufgrund der Mobilitätseinschränkungen, die u. U. mit einer ungünstigen Wohnsituation verbunden sind, auf der Strecke.

Neuorganisation des Alltags

Die Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit können auch die Lebensgefährten betreffen. Denn diese müssen den Einkommensausfall ausgleichen, die körperlich schweren Aufgaben im Alltag übernehmen und das Zusammenleben neu organisieren. Diese Mehrarbeit kann jedoch durch verschiedene Hol- und Bringdienste beispielsweise der Apotheke oder durch das „Essen auf Rädern“ etwas reduziert werden. Wichtig ist es auch, dass COPD-Betroffene versuchen sollten, sich ihre Selbstständigkeit zu bewahren. Denn auch dies entlastet ihren Lebensgefährten. Ein paar Tricks können hierbei helfen. Beispielsweise wird vieles erleichtert, wenn sich Betroffene zum Zähneputzen, Duschen oder Anziehen auf einen Stuhl oder Hocker setzen. Zum Abtrocknen nach dem Duschen empfiehlt es sich, einen Bademantel anzuziehen, anstatt sich abzutrocknen. Einengende Kleidung sollte vermieden werden. Strumpfhosen bei Frauen sollten durch Socken, Gürtel durch Hosenträger und Schnürschuhe durch Slipper ersetzt werden. Aber auch die Wohnsituation kann viel zur Beibehaltung der Selbstständigkeit beitragen. Zentrale Wohnungen im Erdgeschoss oder mit Aufzug sind besser geeignet als solche, die auf dem Land liegen und bei denen die Betroffenen viele Treppen steigen müssen. Auch ein Autostellplatz, eine Bushaltestelle oder Geschäfte und Gaststätten sollten vor dem Haus vorhanden sein. Innerhalb der Wohnung ist es günstig, wenn wichtige Wohnbereiche wie Bad, Küche und Schlafzimmer nahe beieinanderliegen und das Bad auch über eine Dusche verfügt. Manchmal verhelfen auch Hilfsmittel wie ein Badehocker, Toilettenaufsatz oder eine Gehhilfe oder eine Langzeit-Sauerstofftherapie zu mehr Selbstständigkeit. Ist so etwas gewünscht, sollten Betroffene oder der Partner mit dem behandelnden Arzt sprechen.

Der Partner als Ersthelfer

Neben der Neuorganisation des Alltags macht den Lebenspartnern häufig auch die Sorge und Hilflosigkeit, mit denen sie die Atemnot und die Krankheitsverschlechterungen der Betroffenen beobachten, zu schaffen. Daher ist es für die Lebensgefährten wichtig, dass sie ihre atemwegserkrankten Partner medizinisch gut versorgt wissen. Haben die COPD-Betroffenen einen kompetenten Arzt, der ihnen beispielsweise die Wirkung ihrer Medikamente erklärt sowie die richtige Inhalationstechnik eingeübt hat, werden auch die Lebenspartner beruhigter sein. Doch auch der Partner sollte die Medikamente, deren Wirkungsweisen sowie die richtige Inhalationstechnik kennen, damit er bei einem Atemnotfall richtig reagieren kann. Für Notfälle kann ein Notallplan sinnvoll sein. In dieses Formular trägt der behandelnde Arzt die Arzneimittel mit der Dosierung ein. Nach der Inhalation sollten die Partner darauf achten, dass die COPD-Betroffenen eine atemerleichternde Stellung wie den Kutschersitz einnehmen und die Lippenbremse anwenden.

  • Kutschersitz: Auf einem Stuhl sitzen, die Unterarme auf den Oberschenkel abstützen und den Kopf hängen lassen
  • Lippenbremse: Lippen locker aufeinanderlegen und ausatmen

Für den Notfall sollte die Telefonnummer des Arztes am Telefon vermerkt oder eingespeichert sein.

Probleme für den Partner

Die chronische Erkrankung verändert nicht nur die Lebensplanung der Betroffenen, sondern natürlich auch die des Partners. Vieles, was man sich vorgenommen hatte, kann nun gemeinsam als Paar nicht mehr möglich sein. Daher ist laut Dr. Helmut Berck die Scheidungsrate bei Paaren, bei denen einer an einer chronischen Erkrankung leidet, höher. Die Meisten schaffen es jedoch, sich auf die veränderte Situation einzustellen. Jedoch dauert dies eine gewisse Zeit, denn sowohl COPD-Betroffene als auch ihre Partner müssen sich erst auf die veränderten Lebensumstände einstellen. Wichtig sind in diesem Fall gegenseitiges Vertrauen und Gespräche.

Wichtig ist auch, dass sich die Lebensgefährten nicht überfordern und Zeit für sich selbst einplanen, an denen sie beispielsweise Freunde treffen, ins Theater gehen oder sich eine Massage gönnen. Die Unterstützung sollte nicht so weit gehen, dass die Gesundheit gefährdet wird. Denn viele Angehörige neigen dazu, sich zu überfordern. Die Aufgaben, die sie übernehmen, sind meist zu groß. Viele wollen auch an ihrer Situation noch nichts verändern, auch wenn beispielsweise die Wohnung ungünstig ist und die Betroffenen dadurch isoliert werden. Allerding ist COPD eine chronische Erkrankung, die sich im Laufe der Zeit eher verschlechtern wird. Und auch die nicht-betroffenen Lebenspartner werden älter, weniger belastbar und anfälliger für Krankheiten. Daher ist es wichtig, dass Betroffene und ihre Partner eine Überforderung erkennen, ernst nehmen und etwas dagegen tun. Beispielsweise können auch Verwandte miteinbezogen oder ein Umzug in Erwägung gezogen werden.

COPD und Sexualität

Die Diagnose „COPD“ bedeutet nicht automatisch das Ende der körperlichen Liebe. Selbst mit einer Sauerstoff-Langzeittherapie ist ein erfülltes Sexualleben möglich. Allerdings sollten ein paar Sachen beachtet werden:

  • Wichtig ist es, über Gefühle, Wünsche, Vorlieben und Abneigungen zu reden. Denn durch die Krankheit und die körperliche Einschränkung hat sich vielleicht einiges geändert.
  • Sexualität sollte beiden Spaß machen. Leistungsdenken und das Gefühl, sich oder seinem Partner etwas beweisen zu müssen, sind unnötig.
  • Der nicht-betroffene Partner sollte den aktiveren Part übernehmen, sodass der COPD-Betroffene nicht so schnell außer Atem kommt. Wichtig ist es auch, eine bequeme und entspannte Stellung, die den Brustraum nicht einengt, zu finden.
  • Um nicht im entscheidenden Moment von Atemnot und Husten geplagt zu werden, sollten üppige Mahlzeiten, Alkohol oder kohlensäurehaltige Getränke vermieden werden. Betroffene mit einer Langzeit-Sauerstofftherapie können die Sauerstoffzufuhr vorher erhöhen und rechtzeitig auf kontinuierlichen Flow umstellen. Allerdings sollte dies vorher mit dem Arzt abgeklärt werden. Manchmal kann es notwendig sein, seine Bedarfsmedikamente etwa 15 Minuten vorher anzuwenden. Auch dies sollte vorher mit dem Arzt abgeklärt werden. Dieser wird den Betroffenen zudem die richtige Dosierung und Anwendung nennen.
  • Lungensport kann die körperliche Belastbarkeit verbessern. Eine gesunde Ernährung wirkt Übergewicht entgegen. Denn auch dieses trägt zur Atemnot bei und verringert die körperliche Belastung.

Quelle: COPD und Asthma 2/2016

27.07.16

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