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Darmkrebs

25.04.06.

Teuflischer Darmkrebs: Warnzeichen sind oft schon Spätzeichen

26.04.06.

H2. Professor Doktor med Joachim Mossner

71 400 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Darmkrebs. Und immerhin 28 900 sterben an dieser Krankheit. “Denn das Teuflische ist: Der Patient spürt den beginnenden Darmkrebs nicht”, so Prof. Dr. med. Joachim Mössner, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II für Gastroenterologie / Hepatologie und Hämatologie / Onkologie des Universitätsklinikums Leipzig. Deshalb rät er dringend zu Vorsorgeuntersuchungen wie der Koloskopie, die ab dem 56. Lebensjahr kostenlos durchgeführt wird.

Frage: Wie macht sich Darmkrebs bemerkbar?

Es gibt Warnzeichen, die allerdings oft schon Spätzeichen sind. Das wären plötzlicher Durchfall oder Verstopfung, besonders wenn sie häufig wechseln, krampfartige Bauchschmerzen, Blässe und Blutarmut sowie Blut im Stuhl. Allerdings entwickeln sich 90 Prozent aller bösartigen Tumoren des Dickdarms aus gutartigen Vorstufen – den Adenomen, die im Volksmund als Polyp bezeichnet werden. Wenn man diese Polypen rechtzeitig diagnostizieren und beseitigen würde, könnten daraus keine Karzinome entstehen. Es geht also beim Kampf gegen den Darmkrebs vor allem darum, zeitig genug die Vorläufer oder spätestens den beginnenden Krebs zu entdecken. Denn das Teuflische an dieser Erkrankung ist: Der Patient spürt den beginnenden Darmkrebs nicht.

Wenn man ihn nicht spürt: Mit welchen Methoden kann dem Darmkrebs auf die Spur gekommen werden?

Es existieren unterschiedliche Methoden, um Tumoren im Darm nachzuweisen. Zum einen gibt es den fäkalen Okkultblut-Test, bei dem der Stuhl nach okkultem, also für den Patienten nicht sichtbarem Blut untersucht wird. Dieser Test hat eine vertretbar gute Sensitivität und ist sehr preiswert. Es sind aber nur jene Polypen oder Karzinome zu entdecken, die bluten. Alle, die nicht bluten, entgehen diesem Test. Zudem hat der Test eine nicht so gute Spezifität. Das heißt: nicht jeder positive Test bedeutet Darmkrebs. Allerdings würde die Sterberate des Dickdarmkrebses um immerhin 30 Prozent zurückgedrängt, wenn jeder Bürger ab dem 45. Lebensjahr jährlich einen solchen fäkalen Okkultblut-Test machen würde.

Gibt es zur Diagnose auch bildgebende Verfahren?

Durchaus. Eines davon gehört inzwischen fast in die Geschichtsbücher: das Röntgen des Dickdarms. Der Patient muss sich dabei vorbereiten wie zu einer Dickdarmspiegelung. Dann wird Kontrastmittel und Luft in den gereinigten Dickdarm geblasen und auf dem Röntgenbild ist eine Reliefdarstellung des Dickdarms zu sehen, die Polypen erkennen lässt. Dieses Verfahren wird aber nur noch in Ausnahmefällen angewandt. Denn erstens ist die Strahlenbelastung hoch und zweitens kann der Arzt nur diagnostizieren, aber nicht gleich die festgestellten Polypen entfernen. Deshalb ist die Dickdarmspiegelung, bei der mittels eines biegsamen dünnen Endoskops eine Mikrokamera eingeführt wird, heute der Standard. Diese Koloskopie weist eben den Vorteil auf, dass ich nicht nur den Polypen oder das Karzinom sehe, sondern sozusagen in einem Arbeitsschritt gleich mit einer Spezialschlinge die Polypen abtragen oder bei einem Karzinom Gewebeproben für eine spezielle Diagnose entnehmen kann. Das dritte bildgebende Verfahren ist die virtuelle Kolografie. Dabei wird nicht per Endoskop, sondern per Kernspin-Tomografie oder Computertomografie der Darm untersucht.
Das klingt doch sehr angenehm. Schließlich wird erst einmal nichts in den Körper eingeführt.

Im Prinzip muss sich der Patient aber genauso auf die virtuelle Arbeit des Computers vorbereiten wie auf die Arbeit des Arztes. Das heißt: Drei bis fünf Liter Salzlösung trinken, damit der Darm gereinigt wird. Und am Ende der Untersuchung könnte wieder das Problem stehen: Wird etwas gefunden, kann nicht sofort etwas unternommen werden. Ganz einfach, weil in dem Moment kein Werkzeug vor Ort ist, wenn ich mal so sagen darf.
Dem Computer würde ich erst meine höchste Anerkennung zollen, wenn er Stuhl von Gewebe unterscheiden könnte. Dann könnte der Patient ohne irgendwelche Vorbereitung, also förmlich von der Straße zu uns kommen und sich untersuchen lassen. Und dann wäre es auch für mich ein Verfahren, dass man vor einem Eingriff vorschalten kann.

Was kann man zur Vorbeugung gegen Darmkrebs tun?

Zwar spielen beim Darmkrebs auch Erbanlagen eine Rolle; etwa 20 Prozent der Darmkrebserkrankungen gehen auf ein familiäres Risiko zurück. Den Hauptanteil macht jedoch das sporadische Dickdarmkarzinom aus. Anerkannte Risikofaktoren für den Krebs sind übrigens Ernährungsgewohnheiten mit Bevorzugung tierischer Produkte, Alkohol und Übergewicht – also die typische Lebensweise der Zivilisationsgesellschaft. Man kann sicher mit gesunder Lebensführung – von Vitaminen über Ballaststoffe bis zur Bewegung – durchaus etwas gegen den Darmkrebs tun. Auf Nummer sicher gehen, heißt aber vor allem: zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Denn leider kommen viele erst, wenn das Karzinom Beschwerden macht. Und dann ist es oft zu spät.

Prof. Dr. med. Joachim Mössner
Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II für Gastroenterologie / Hepatologie und Hämatologie / Onkologie des Universitätsklinikums Leipzig

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