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Experteninterview mit Prof. Dr. med. Stephan Matthaei

Im folgenden Interview beantwortet Herr Prof. Dr. med. Stephan Matthaei Fragen rund um das Thema Diabetes. Er ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats dieses Ratgebers und stand der Redaktion bei der Erstellung mit seinem Fachwissen beratend zur Seite.

Welche Mechanismen können Herzerkrankungen bei Diabetes begünstigen?

Ursache der koronaren Herzerkrankung ist eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung), die zu einer verminderten Durchblutung des Herzmuskels und durch Gefäßverschluss zu einem Herzinfarkt führen kann. Die Arteriosklerose begünstigende Faktoren sind Nikotingebrauch, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen sowie die Erhöhung des Blutzuckers. Um der koronaren Herzerkrankung vorzubeugen ist es wichtig, die Therapieziele bei Patienten mit Diabetes mellitus zu erreichen. Insbesondere sollte der HbA1c-Wert im individuellen Zielbereich liegen. Darüber hinaus ist es genauso wichtig, das LDL-Cholesterin im Zielbereich einzustellen wie auch den Blutdruck.

Sie haben sich u. a. mit dem Zusammenhang zwischen der Medikamentengabe und Herzerkrankungen beschäftigt. Welche Auswirkungen können von Medikamenten ausgehen?

Ziel der Therapie bei Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus ist es, das individuelle Therapieziel unter Vermeidung von Nebenwirkungen, insbesondere Unterzuckerungen sowie Gewichtszunahme zu erreichen. Vor diesem Hintergrund sollte die Gabe von Sulfonylharnstoffen vermieden werden, die zu Unterzuckerungen führen können, die teilweise einen schweren Verlauf (Bewusstlosigkeit, Aufnahme ins Krankenhaus) sowie selten auch einen tödlichen Verlauf nehmen können. Alternativ sollten Substanzen eingesetzt werden, die ohne Unterzuckerungsrisiko gegeben werden können, z. B. sog. DPP4-Inhibitoren oder SGLT2-Inhibitoren, die die Blutzuckerwerte verbessern ohne zu vermehrten Unterzuckerungen zu führen.

Welchen Einfluss hat der Lebensstil auf den Diabetes?

Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes hat der Lebensstil eine wesentliche Bedeutung, um die Therapieziele zu erreichen. In einer nationalen Versorgungsleitlinie hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften noch einmal deutlich betont, dass ein gesunder Lebensstil (gesunde, fettreduzierte Mischkost sowie ausreichende körperliche Bewegung) in jeder Phase der Erkrankung eine wesentliche Säule der Therapie darstellt.

Welches sind Ihrer Meinung nach die Erfolg versprechendsten Forschungsansätze in der Diabetestherapie und welche Erwartungen haben Sie bezüglich zukünftiger Möglichkeiten?

Für den Bereich Typ-1-Diabetes sind sicherlich langfristig die Forschungsanstrengungen im Bereich der Stammzelltherapie hochinteressant. Hierbei ist es das Ziel, eine Insulinunabhängigkeit bei Patienten mit Typ-1-Diabetes zu erreichen durch entsprechende Stammzelltherapie. Aus diesem Bereich sind jedoch erst in vielen Jahren Ergebnisse zu erwarten, die Eingang in den klinischen Alltag haben könnten.

Für den Bereich Typ-2-Diabetes werden vielfältige Forschungsanstrengungen unternommen, die insbesondere das Ziel verfolgen, eine Optimierung der Blutzuckerstoffwechseleinstellung ohne Nebenwirkungen wie z. B. Unterzuckerungen und Gewichtszunahme zu erzielen. Hierbei ist es langfristig das Ziel, das Fortschreiten der Erkrankung, welches durch den progredienten (fortschreitenden) Verlust der körpereigenen Insulinproduktion gekennzeichnet ist, aufhalten zu können.

Quelle: Ratgeber Diabetes Folge- und Begleiterkrankungen 2015

23.11.15

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