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Fatigue bei Krebs

Der Begriff Fatigue beschreibt eine tiefe, quälende Form der Erschöpfung bei Krebspatienten. Fatigue wird laut der Deutschen Fatigue Gesellschaft (DFaG) folgendermaßen definiert: „Die Tumorerschöpfung, auch Fatigue genannt, bedeutet eine außerordentliche Müdigkeit, mangelnde Energiereserven oder ein massiv erhöhtes Ruhebedürfnis, das absolut unverhältnismäßig zu vorangegangenen Aktivitätsänderungen ist.“

Wie die DFaG betont, ist die Fatigue eine krankhafte Form der Ermüdung, die von den Betroffenen als enorme Belastung erlebt wird und ihr Leben stark einschränkt. Einfach mal in Ruhe ausschlafen, in den Urlaub fahren, zur Ruhe kommen: Was bei normaler Müdigkeit hilft, reicht bei einer krebsbedingten Fatigue nicht aus. Doch es gibt trotzdem Optionen, um der Erschöpfung entgegenzuwirken.

Auftreten und Ursachen der Fatigue

Fatigue kann in akuter und in chronischer Form auftreten. So gibt es eine Form der Fatigue, die während oder kurz nach der Krebstherapie auftritt, so der Krebsinformationsdienst. Diese akute Fatigue wird oft besser, wenn die Krebstherapie beendet ist. Die chronische Form der Fatigue tritt hingegen noch Monate und Jahre später auf. Laut Krebsinformationsdienst sind sogar Menschen betroffen, die von der eigentlichen Krebserkrankung geheilt sind. Das könnte darauf hindeuten, dass es mehrere Ursachen für Fatigue gibt – die sich zudem unterschiedlich äußert, heißt es weiter.

So spielen die Krebserkrankung selbst, aber auch die Therapien wie Chemotherapie, Bestrahlung, Immuntherapien und deren Folgen eine wichtige Rolle. Darüber hinaus können Schlaf- und Bewegungsmangel eine Fatigue verschlimmern, heißt es weiter. Und auch seelische oder soziale Faktoren können zu der Fatigue beitragen. Laut der DFaG kann es durch die Krebstherapien zu Veränderungen im Blutbild kommen – bei einer Anämie sind die roten Blutkörperchen reduziert, was die Sauerstoffversorgung im Körper erschwert und die Fatigue mitverursachen kann.

Einige Menschen empfinden die Fatigue vor allem auf körperlicher Ebene und haben das Bedürfnis zu ruhen. Andere sind indes antriebslos und schaffen es nicht, den eigentlich normalen Alltag zu bewältigen – eine eher psychische Komponente der Fatigue. Zudem treten manchmal auch starke Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit auf.

Was hilft gegen Fatigue?

Die Deutsche Fatigue Gesellschaft (DFaG) beschreibt verschiedene Ansätze zur Behandlung der Fatigue. Eine unterstützende Psychotherapie kann sowohl in der akuten Krankheitsphase mit dem Schwerpunkt auf Information und Aufklärung des Patienten durchgeführt werden, als auch in der Nachsorge und Rehabilitation, wobei hier körperliche oder neuropsychologische Therapien im Vordergrund stehen. Auch eine Selbsthilfegruppe kann hilfreich sein.

Bei der Behandlung der Fatigue kann man nach Angaben der DFaG zwischen medikamentösen und nicht-medikamentösen Methoden unterscheiden. Liegt z. B. ein gesicherter organischer Befund vor, ist es sinnvoll, diese Störung als Ursache zu behandeln, beispielsweise eine Anämie oder andere Stoffwechselstörungen. Hier kommen dann entsprechende Medikamente zum Einsatz. Ist dies nicht der Fall, unterscheidet man laut DFaG drei Bereiche bei der Ursachensuche bzw. bei der Behandlung: den körperlichen, den emotionalen und den mental-kognitiven Bereich.

Wichtige Säulen der Behandlung von Fatigue sind laut der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) körperliche Aktivität sowie Psychotherapie. Bewegung und Sport baut Kondition und Muskelmasse auf, die Sauerstoffversorgung wird verbessert. Und anstatt noch müder zu machen, gewinnen vielen Betroffene durch Bewegung neue Energie. Laut DKG sind Ausdauersportarten wie zügiges Gehen, Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Rudern besonders geeignet.

In der Psychotherapie werden seelische Belastungen und Konflikte verarbeitet sowie Schlafstörungen behandelt. Einigen Patienten helfen auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Meditieren oder Yoga. Mitunter steckt hinter einer Fatigue auch eine Blutarmut (Anämie), die sich mit Medikamenten behandeln lässt. Weitere Medikamente die eingesetzt werden können sind laut DKG Psychostimulanzien (z. B. Methylphenidat) oder Kortikosteroide.

Neue Ansätze bei Fatigue

Neuere Ansätze bei der Behandlung von Fatigue konzentrieren sich auf biochemische Vorgänge im Körper, die zu einer Fatigue beitragen können. Dass die Chemotherapie (Tumor)-Zellen schädigt und zerstört, ist eine ihrer Hauptwirkungen – doch auch gesunde Zellen sind davon betroffen: So gibt es Hinweise darauf, dass die Fatigue auch mit einer Schädigung der Mitochondrien zusammenhängen könnte. Mitochondrien sind „Energiekraftwerke“ der Zellen, die das sog. Adenosintriphosphat (ATP) produzieren. Eine Untersuchung zeigte beispielsweise, dass eine gestörte Mitochondrienfunktion, insbesondere im Zusammenhang mit dem ATP-Gehalt bzw. dem ATP-Transfer der Zellen, und der Schweregrad der Fatigue miteinander korreliert waren.

Ein neuer Ansatz ist auch die Behandlung mit Ginseng. So zeigen Untersuchungen, dass Ginseng die Symptome der Fatigue offenbar reduziert, berichten das Deutsche Ärzteblatt sowie die Pharmazeutische Zeitung. Amerikanische Forscher behandelten 364 Krebspatienten, von denen ein Teil ein Ginseng-Präparat erhielt, der Rest ein Placebo. Die Ginseng-Gruppe hatte nach vier Wochen eine deutlich geringere Fatigue-Ausprägung, nach acht Wochen war dieser Zusammenhang noch stärker. In einer weiteren Studie dauerte es bei der Behandlung mit rotem Ginseng zwischen drei und fünf Monaten, bis sich positive Effekte zeigten, insgesamt waren die Ergebnisse jedoch vielversprechend. Auch der sog. amerikanische Ginseng zeigte deutlich positive Effekte auf Krebspatienten mit Fatigue. Weitere neue Ansätze gegen Fatigue arbeiten mit den Wirkstoffen L-Carnitin und Glutathion.

Das Antioxidanz Glutathion könnte beim Fatigue-Syndrom eine Rolle spielen. Antioxidanzien können die Zellen vor freien Radikalen schützen und damit auch vor Zellschäden bewahren. Glutathion, ein Co-Enzym, das sich aus den Aminosäuren Glutamin, Cystein und Glycin zusammensetzt und wichtig für die Vitalität und Funktionsfähigkeit der Zelle ist. Normalerweise kann man seinen Glutathion-Bedarf durch gesunde Ernährung durchaus decken, z. B. indem man ausreichend frisches Obst und Gemüse und Fleisch isst. Unter Chemotherapie kann es jedoch zu einem Glutathion-Mangel kommen – der Energiestoffwechsel der Zelle ist gestört, was zur Fatigue betragen kann.

Von Fatigue betroffene Menschen mit Krebs sollten sich am besten individuell beraten lassen – denn auch die Fatigue, ist, so betont die DFaG, ein vielschichtiges und individuelles Krankheitsbild.

Quelle: Befund Krebs 4/2016

21.11.16

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