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Gelenkte Imagination und Visualisierung bei Krebs

Methode zur Stressbewältigung bei Krebserkrankungen

Eine Krebserkrankung hat nicht nur körperliche Folgen, sondern wirkt sich auch auf die Psyche der Betroffenen aus. Die Diagnose allein sorgt für einen erhöhten Stressaufbau durch die unmittelbar einsetzende Angst. Lange Zeit wurde lediglich die Krebserkrankung als solche behandelt, während der Patient mit dem zusätzlichen psychosomatischen Stress alleingelassen war. Dies gehört jedoch immer mehr der Vergangenheit an und es wurden bereits die unterschiedlichsten Formen der Stressbewältigung entwickelt.

Eine dieser Methoden entwickelte Dr. O. Carl Simonton, Onkologe und Leiter des Simonton Cancer Centers in Malibu. Bereits in den 70er Jahren arbeitete er an einer Studie, die untersuchte, ob und wie sich eine aktive Teilnahme am Heilungsprozess, vor allem auf psychoonkologischem Gebiet, positiv auf das allgemeine Wohlbefinden der Betroffenen auswirken und dadurch die Lebensqualität erhöhen kann. Ein wesentlicher Punkt von Simontons Programm umfasst die Entspannung durch gelenkte Imagination und Visualisierung. Über möglichst intensive bildhafte Vorstellungen soll ein Gefühl der Entspannung erreicht werden. Die Vorstellungskraft des Patienten spielt für das Verfahren der gelenkten Imagination eine bedeutende Rolle. Ziel sind die Vermeidung von Stress sowie die Formulierung von Zielen, die das Leben, auch mit der Erkrankung, lebenswert machen und deren Erreichen das Gefühl von Freude und Erfüllung mit sich bringt.

Bochumer Gesundheitstraining (BGT)

In Deutschland ist das „Bochumer Gesundheitstraining nach Simonton“ bekannt geworden. In den Grundsätzen wurde dabei das Modell Simontons übernommen. Auch hierzulande handelt es sich um ein speziell für Tumorpatienten entwickeltes Trainingsprogramm, welches ein ähnliches Ziel verfolgt wie z. B. autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation. Im Mittelpunkt des Bochumer Gesundheitstrainings stehen ebenfalls Entspannungs- und Imaginationsübungen, zu denen der Patient angeleitet wird. Dabei soll auch an den inneren Einstellungen der Patienten gearbeitet werden, damit diese besser mit der Krankheit zurechtkommen. Dieser positive Effekt soll dem Patienten auch ermöglichen, weiterhin in seinem gewohnten Umfeld ein möglichst normales Leben zu führen. Hintergrund ist, dass man davon ausgeht, dass eine positive Lebenseinstellung und eine Zielorientierung sich positiv auf den Gesundheitswillen des Menschen auswirken. Das BGT ist von den Psychotherapeuten- und Ärtzekammern der Bundesländer zugelassen.

Möglichkeiten der gelenkten Imagination

Die gelenkte Imagination bzw. Visualisierung ist eine Technik, bei der über die Vorstellungskraft ein tiefer Entspannungszustand erreicht werden soll. Dies hilft dem Patienten bei der Selbstwahrnehmung und soll seine Krankheitswahrnehmung positiv beeinflussen. Bei der gelenkten Imagination handelt es sich um ein lebensorientiertes Verfahren, welches vor allem Themen wie Lebensfreude und persönliche Zielsetzung betont.

Unter den Begriff der Imagination fällt auch das katathyme (gefühlsmäßige) Bildererleben. Auch hierbei handelt es sich um ein Verfahren, welches hauptsächlich der Entspannung dient. Ausgangspunkt ist, dass in Tagträumen, ähnlich wie in Nachtträumen, unbewusst Konflikte und Gefühle widergespiegelt werden. Diese präsenten Gedanken, Gefühle und Wünsche sollen durch das katathyme Bilderleben offengelegt werden. Der Patient kann durch das Bewusstwerden dieser versteckten Gedanken und Gefühle diese verarbeiten. Dies eröffnet die Möglichkeit belastende Themen abzulegen und der Krankheit positiver entgegenzuwirken. Auch durch die Erkrankung aufkommende psychische Probleme, die möglicherweise unterdrückt werden, können so offengelegt und es kann diesen entgegengewirkt werden. Erreicht wird demnach eine Entspannung durch Konfliktbewältigung.

Gelenkte Imagination in der Forschung

Es ist allerdings zu beachten, dass sich der Patient auf die genannten Methoden der gelenkten Imagination einlassen muss, ähnlich wie dies auch bei anderen Entspannungstechniken, wie z. B. dem autogenen Training der Fall ist. Neue Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass gelenkte Imagination bei manchen Patienten neben dem Stressabbau auch dem besseren Umgang mit Schmerzempfinden dienlich sein kann. Das Schmerzempfinden selber bzw. das Ausmaß der Schmerzen blieb gleich, jedoch konnte bei einem Teil der untersuchten Patienten die Funktionalität verbessert werden. Diese Studienergebnisse bedürfen jedoch weiterer wissenschaftlicher Untermauerung.

Jeder Patient muss für sich selber herausfinden, ob die Methode der Imagination/Visualisierung für ihn nützlich sein kann. Das Gesundheitstraining wird heute z. B. an der Frauenklinik Ruhr-Universität Bochum Brustkrebspatientinnen während und nach der stationären Behandlung angeboten.

Heiko Mülfarth

Quelle: Leben? Leben! 4/2007

14.12.07

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