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Prostatakrebs: Gruppentherapie durch Selbsthilfe

Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Köln-Süd unter neuer Leitung

„Mensch, hilf dir selbst, so hilfet Gott mit.“ Getreu dieser Aussage des Barockdichters Schottelius (1612–1676) wurde im Jahr 2003 die Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Köln-Süd (SHG PCa Köln-Süd) gegründet. Sieben Jahre lang leitete Manfred Focke die Gruppe, im Januar 2014 hat Wolfgang Rohde die Leitung übernommen. Zum Vorstand gehören auch Wolfgang Schmitz (Stellvertreter, Berichterstattung) und Karl-Heinz Hosang (Planung). Zeit, die Gruppe und ihre Arbeit ausführlich vorzustellen.

Ein innerlich sehr gefestigter oder ein tief religiöser Mensch mag die Diagnose Krebs leichter verarbeiten, für andere bleibt die Frage „Warum ich?“ für immer unbeantwortet. In dieser tiefsten existenziellen Verunsicherung des Menschseins und der Sorge um Beruf und Angehörige der Betroffenen ist ärztliche Hilfe notwendig und genauso tief empfundene Empathie der Angehörigen und Freunde. Gleichzeitig kann sich jeder selbst helfen, indem er vor und nach der Therapie eine Selbsthilfegruppe besucht, in der Betroffene über ihre Krankheit sprechen und merken, dass sie nicht allein sind. Das gilt gerade auch für an Prostatakrebs Erkrankte, da die Folgen einer Operation wie mögliche Impotenz und Inkontinenz das ganze weitere Leben beeinflussen können.

Wie wirkt Selbsthilfe?

Schon in einem früheren Forschungsprojekt wurden zwölf zentrale Wirkfaktoren in jedem Selbsthilfegruppenprozess definiert, darunter Altruismus (Selbstlosigkeit), Zusammengehörigkeit, Identifikation und Entwickeln von Hoffnung (Yalom, 1980). Da Selbsthilfegruppen (SHGs) „nach innen“ auf die jeweils Beteiligten wirken und i. d. R. von nicht professionellen Betroffenen geleitet werden, entzieht sich Selbsthilfe randomisierten wissenschaftlichen Studien. Die Studien, die es gibt, sind eher wissenschaftssoziologisch ausgerichtet und beschreiben soziale und gesellschaftliche Funktionen von Selbsthilfegruppen. Allein die hohe Zunahme von Selbsthilfegruppen lässt auf die Akzeptanz ihrer Mitglieder schließen, darüber hinaus sind SHGs in Dachorganisationen wie dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband organisiert und anerkannte Partner von Krankenkassen und psychoonkologischen Institutionen wie der Uniklinik und dem Verein LebensWert. Kurz: Man kann Selbsthilfe als Fortsetzung der professionellen Hilfe mit „unprofessionellen“ Mitteln oder als „Gruppentherapie ohne Therapeut“ definieren.

Beispiel SHG PCa Köln-Süd

Der Kontakt des Patienten zur Gruppe sollte nach der Diagnose und vor einer Therapie des Prostatakarzinoms erfolgen. In dieser Zeit, in der der Patient zumeist in ein schwarzes Loch fällt, kann der behandelnde, meist niedergelassende Urologe durch Flyer auf die SHG hinweisen, was – nach den Ergebnissen einer Fragebogenaktion in unserer Gruppe – leider so gut wie nie passiert. Die meisten unserer Mitglieder hörten von Freunden oder Bekannten von der Gruppe, einige haben sich auch im Internet informiert. Natürlich können wir keine ärztlichen Ratschläge zur adäquaten Therapie erteilen, doch sprechen wir über persönliche Erfahrungen und verweisen auf Fachärzte der jeweiligen Therapieformen und ermutigen die Betroffenen zum Einholen von Zweit- oder Drittmeinungen.

Wenn Betroffene den Weg in unsere Gruppe gefunden haben, versuchen wir, die Betroffenen zu stabilisieren, damit sie die Krankheit aus der Mitte ihres Lebens verdrängen und wieder „Regie im eigenen Leben“ führen können.

Wie kann das gelingen?

  • Bei unseren Treffen führen wir persönliche Gespräche und ermöglichen einen engen Erfahrungsaustausch zu möglichen Therapieformen des Prostatakarzinoms. Wir geben aber keine ärztlichen Ratschläge.
  • Einmal im Monat laden wir Referenten (meist Ärzte) aus verschiedenen medizinischen Fachgebieten ein, die uns beispielsweise zu Fragen der Operation oder Bestrahlung, zu Hormon- und Chemotherapie informieren.
  • Ebenso laden wir Psychotherapeuten ein, die neben Vorträgen auch Seminare leiten, bei denen es sowohl um sehr persönliche und lebensverändernde Folgen der Operation wie Inkontinenz und erektile Dysfunktion geht, als auch um die sozialen und familiären Konsequenzen für die Betroffenen.
  • Da Sport und Ernährung bei Krebs eine sehr wichtige Rolle spielen, vermitteln wir auch den Kontakt zur Sporthochschule Köln und bemühen uns um Ökotrophologen sowie Referenten zum Thema Komplementärmedizin oder alternative Heilmethoden, wie z. B. der Galvanotherapie.
  • Wir stellen fachliche Publikationen zum Thema Prostatakrebs, Psychoonkologie und Nachsorge zur Verfügung und informieren auch über neueste Forschungsergebnisse.
  • Wir arbeiten eng mit dem Landesverband sowie dem Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V. zusammen.
  • Zu allen Fachvorträgen werden Protokolle geschrieben, die an die Gruppenmitglieder weitergeleitet werden.
  • Wir haben einen Kooperationsvertrag mit der Uniklinik abgeschlossen.
  • Wir betreiben eine eigene Homepage.
  • Wir unternehmen auch Wanderungen und organisieren eine Weihnachtsfeier.

Wolfgang Rohde,
SHG Prostatakrebs Köln-Süd

Quelle: Befund Krebs 5/2014

25.02.15

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