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Impotenz nach Prostatakrebs

Männer mit Prostatakrebs, die sich einer radikalen Prostatektomie unterzogen haben, sind häufig damit konfrontiert, dass sie keine Erektion mehr bekommen können. Ein unangenehmes Problem, über das man(n) nur ungern spricht. Dennoch ist es möglich, ein erfülltes Sexualleben zu führen. Dafür gibt es Medikamente und Hilfsmittel, aber auch eine offene Kommunikation mit der Partnerin gehört dazu.

Impotent zu sein gehört für viele Männer – trotz der großen Belastung, die sie durch ihre Krebserkrankung tragen müssen – zu den größten Befürchtungen, wenn sie sich für eine radikale Prostatektomie entscheiden. Wenn alles gut geht, sind sie nach der Operation zwar dem Ziel, krebsfrei zu sein, ein ganzes Stück näher gerückt, aber wie sieht das Leben danach aus? Eine Vorstellung, die viele Ängste schürt.

Bei einigen kann durch eine nervenschonende bzw. nervenerhaltende Operationsweise im Laufe der Monate die Erektionsfähigkeit wiederkommen, so die Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion – eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe formuliert es daher drastischer: „Die oft versprochene nervenschonende Operation, bei der die Erektionsnerven erhalten bleiben sollen, ist in den meisten Fällen eine schöne Illusion.“ Wichtig zu wissen ist jedoch: Männer verlieren deshalb nicht automatisch die Fähigkeit, einen Orgasmus zu erleben.

Medikamente: PDE-5-Hemmer

Auf ein Sexualleben müssen Männer mit erektiler Dysfunktion auch nicht verzichten. So gibt es verschiedene Methoden, wie Männer eine Erektion bekommen können. An erster Stelle stehen bestimmte Medikamente, die PDE-5-Hemmer: Sie werden einige Zeit (etwa eine bis eine halbe Stunde) vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen und zeigen bei vielen, jedoch nicht bei allen Männern eine gute Wirkung.

Wichtig ist: Nerven und Blutzufuhr müssen zumindest teilweise erhalten sein, damit diese wirken können. PDE-5-Hemmer sind verschreibungspflichtig. Da sie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht verwendet werden dürfen, sollten sie auch nur in Absprache mit dem Arzt genommen werden.

Laut der SHG Erektile Dysfunktion waren in einer Auswertung von 130 qualitativ hochwertigen Studien 67-89 % der Studienteilnehmer mit der Erektion zufrieden. Angst vor so gefährlichen Nebenwirkungen wie Herzinfarkt müsse man zudem nicht haben, wenn man die Kontraindikationen beachtet, betont die SHG Erektile Dysfunktion. Wichtig seien jedoch drei Dinge, heißt es weiter: „1. Die PDE5-Hemmer erzeugen keine Erektion, sondern verbessern Stärke und Dauer der Erektion. 2. Die Präparate können nur bei sexueller Stimulation wirken. 3. Die für eine Erektion erforderlichen Nervenstrukturen müssen intakt sein. Sind diese zerstört, können diese Medikamente nicht wirken.“

Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT)

Unabhängig von intakten Nervenbahnen und daher eine sinnvolle Alternative ist die sog. Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT). Laut Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion hat die SKAT aus diesem Grund auch einen großen Stellenwert in der Behandlung von Impotenz. Dabei wird ein gefäßerweiternden Wirkstoff (Alprostadil) direkt in die Schwellkörper des Penis gespritzt. Er kann auch als Mini-Zäpfchen mit einem Applikator direkt in die Harnröhre eingeführt werden. Ihre Wirkung ist unabhängig von intakten Nervenbahnen, betont die SHG Erektile Dysfunktion, weshalb die SKAT immer noch einen großen Stellenwert in der Behandlung von Impotenz hat. Oft haben Männer verständlicherweise Hemmung, sich eine Spritze in den Penis zu setzen. Der Facharzt weist jedoch in die richtige Handhabung ein, auch die korrekte Dosierung wird mit seiner Hilfe angepasst. Wichtig ist, so die SHG Erektile Dysfunktion, dass Einstichstelle und Penisseite bei jeder Anwendung gewechselt werden und die Einstichstelle vorher mit einem Alkoholtupfer desinfiziert wird. Zudem sollte SKAT höchstens dreimal pro Woche angewendet werden, mit einem Mindestabstand von 24 Stunden.

Vakuumpumpe

Neben medikamentösen Methoden gibt es noch einige mechanische Hilfsmittel. Bei der Anwendung der Vakuum-Erektionshilfe, auch als Vakuumpumpe bekannt, wird der Penis mit Hilfe von Gleitmitteln in einen durchsichtigen Plastikzylinder eingeführt, in dem man mit einer kleinen Hand- oder Elektro-Pumpe einen Unterdruck erzeugen kann. Auf diese Weise fließt Blut in die Schwellkörper und der Penis erigiert. Mit einem Penisring kann man dann verhindern, dass das Blut wieder aus den Schwellkörpern abfließt. Penisringe sind auch eine Option, wenn noch eine Erektion möglich ist: Wenn man diese bis zur Peniswurzel streift, kann so die Erektion aufrechterhalten werden. Die Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion weist jedoch darauf hin, dass Penisringe nicht länger als 30 Minuten angelegt bleiben sollten.

Beckenbodentraining

Unterstützend kann auch Beckenbodentraining bei Impotenz helfen. Durch ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur kann sich die Erektion verbessern. Führen diese Therapieoptionen nicht zum gewünschten Erfolg, besteht die Möglichkeit, Schwellkörper zu implantieren. Dabei unterscheidet man biegsame und aufpumpbare Modelle, mit denen dann bei Bedarf, eine Erektion herbeigeführt werden kann.

Für welches Hilfsmittel oder Medikament man sich nun entscheidet (oder vielleicht auch für gar keines) – von größter Wichtigkeit ist die offene Kommunikation mit der Partnerin. Männer müssen und können dieses Problem nicht für sich allein lösen. Vielmehr sollten sich die Partner offen über Ängste, Wünsche und Erwartungen austauschen. In den allermeisten Fällen werden betroffene Männer auf Verständnis ihrer Partnerin und die Bereitschaft stoßen, das Sexualleben neu und anders zu gestalten. Besser als ein kompletter Verzicht darauf ist dies allemal: Schließlich ist ein erfülltes Sexualleben nicht nur von der Erektionsfähigkeit abhängig.

Quelle: Befund Krebs 3/2014

17.02.17

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