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Insulinpumpentherapie und Österreichisches Insulinpumpenregister

In der Therapie des insulinpflichtigen Diabetes mellitus wird die Insulinpumpentherapie immer häufiger zur Verbesserung der Stoffwechselkontrolle durch eine physiologischere (d. h., den natürlichen Verhältnissen angenäherte) Insulinzufuhr eingesetzt. Durch Infusion von ausschließlich kurzwirksamem Insulin, typischerweise ein ultrakurzwirksames Insulinanalogon, in kleinen, bedarfsgerechten Mengen kommt die CSII (die kontinuierliche subkutane Insulininfusion, Insulinpumpentherapie) der natürlichen Funktion der Betazellen am nächsten.

Die für 24 Stunden des Tages programmierbaren Basalraten ermöglichen eine entsprechend den individuellen Bedürfnissen des Patienten exakt angepasste Insulinabgabe. Insbesondere das Dawn-Phänomen (der Blutzuckeranstieg in den Morgenstunden) sowie tageszeitenabhängige Insulinbedarfsschwankungen im Allgemeinen können durch spezielle Basalraten besser behandelt werden. Durch diese bedarfsgerechte Insulinabgabe wird i. d. R. der Insulinbedarf deutlich reduziert. Bei der Umstellung von einer Basis-Bolus-Injektionstherapie auf die CSII-(Insulinpumpen-)Therapie muss daher primär mit einem um 20–30 Prozent reduzierten Insulintagesbedarf gerechnet werden, andernfalls sind Hypoglykämien aufgrund der höheren Insulinempfindlichkeit und des geringeren Insulinbedarfes in der Umstellungsphase vorprogrammiert.

Als weitere Indikationen für die Insulinpumpentherapie ergeben sich eine stark schwankende Stoffwechsellage insbesondere bei berufsbedingten unplanbaren Tagesabläufen oder Schichtarbeit sowie eine unter Basis-Bolus-Injektionstherapie unbefriedigende glykämische Kontrolle. Besonders schwere und häufige Hypoglykämien, hervorgerufen durch eine mit der Diabetesdauer vermehrt auftretende Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung, können die Ursache für eine zunehmend schlechter werdende Diabeteseinstellung sein.

Wie schon eine Metaanalyse von 2002 zeigte, ermöglicht die Insulinpumpentherapie eine deutliche Senkung der Hypoglykämieraten. Dadurch ergeben sich stabilere Blutzucker-Tagesprofile. Durch Einsetzen der sensorunterstützten Pumpentherapie konnte noch zusätzlich eine Glättung der Tagesprofile erreicht werden. Es gibt mittlerweile Hinweise, dass unter der Insulinpumpentherapie die Entwicklung diabetischer Spätfolgen, insbesondere der Retinopathie und der Nephropathie, durch Reduktion der glykämischen Schwankungen aufgehalten werden bzw. teilweise sogar eine Rückbildungstendenz zeigen kann.

Aus den genannten Gründen erscheint die Insulinpumpentherapie insbesondere auch während der Schwangerschaft für Diabetikerinnen (sowohl Typ 1 als auch Typ 2) besonders geeignet, um die strengen Behandlungsziele erreichen zu können. Für insulinpflichtige Typ-2-Diabetiker stellt die Pumpentherapie ebenfalls eine sehr gute Option dar, den Insulinbedarf zu senken und eine gute Lebensqualität bei maximaler Flexibilität zu erhalten. Allerdings ist als Voraussetzung für ein erfolgreiches Einsetzen der Pumpentherapie bei den tendenziell älteren Patienten mit Typ-2-Diabetes eine hohe Motivation im Umgang mit der Technik erforderlich.

Da es bisher in Österreich keine epidemiologischen Daten über die Anwendung der CSII-Therapie gab, wurde im Herbst 2007 österreichweit ein Insulinpumpenregister unter der Schirmherrschaft der ÖDG etabliert. Ausgangspunkt war eine Pilotstudie zur standardisierten Erfassung und Dokumentation von Patienten mit CSII-Therapie. Ziel der Auswertung der epidemiologischen Daten von zahlreichen Pumpenpatienten in Österreich war eine Ist-Stand-Erhebung zum Stichtag 30. Juni 2008, woraus sich neue Aufschlüsse über landesspezifische Besonderheiten ergaben. In Zukunft sollen die Daten jährlich aktualisiert und neue Erkenntnisse über den Krankheitsverlauf bei Patienten mit Insulinpumpentherapie gewonnen werden.

Außerdem ist vom ÖDG-Pumpenausschuss Ende 2009 eine Behandlungsleitlinie zur Qualitätssicherung in der Insulinpumpentherapie erarbeitet und im Rahmen der neuen Diabetesleitlinien 2009 von der ÖDG veröffentlicht worden. Dadurch wurden österreichweite Standards in der Pumpentherapie festgelegt, die den Patienten langfristig eine optimale Behandlung und Betreuung durch definierte Pumpenzentren ermöglichen. Die Vernetzung und Kommunikation der Ärzte, die Insulinpumpen-Einstellungen in den Pumpenzentren vornehmen, kann zusätzlich als Erfolg des Pumpenregisters gewertet werden. Dies hat eine nahtlose Betreuung der Patienten in Österreich zur Folge und bereits zu einer deutlichen Qualitätssicherung beigetragen.

OA Dr. Sandra Fortunat

Quelle: Befund Diabetes Österreich 2/10

20.03.13

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