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Lymphödeme und Thrombosen mit Kompressionstherapie behandeln

Während einer Krebsbehandlung treten häufig Thrombosen oder Lymphödeme auf, die eine Kompressionstherapie notwendig machen. Prof. Dr. Knut Kröger, Krefeld, erklärt, wie die Therapie aufgebaut ist und worauf Patientinnen achten sollten.

Wann ist im Rahmen einer Krebsbehandlung eine Kompressionstherapie notwendig?

Immer dann, wenn die Patientinnen eine Thrombose bekommen, die grundsätzlich im Zusammenhang mit einem Tumorleiden häufig auftritt, sowohl am Arm als auch am Bein. Außerdem ist eine Kompressionstherapie auch dann angezeigt, wenn die Patientinnen ein Lymphödem entwickeln, weil bei der Tumortherapie Lymphknoten entfernt worden sind. Die Lymphknotenentfernung gehört häufig zu einer Operation, um zu klären, ob der Tumor bereits die Lymphknoten befallen hat oder nicht.

Wie sieht eine optimale Kompressionstherapie aus?

Die optimale Kompressionstherapie besteht immer aus zwei Phasen. In der ersten Phase muss das Ödem zunächst einmal beseitigt werden. Um dies zu erreichen, wird ein Kompressionsverband oder ein adaptives Kompressionssystem (Klettbandage) angelegt. Wichtig ist, den Verband immer nachzuwickeln sobald er locker wird bis der normale Umfang der Extremität (Arm oder Bein) wieder hergestellt ist.

Was geschieht in der zweiten Phase?

Ist der normale Umfang von Arm oder Bein wieder hergestellt, kann in dieser Phase auf diesen Umfang ein Kompressionsstrumpf oder ein Kompressionsärmel angemessen werden. Wichtig ist, dass dieser dann auch von den Patientinnen getragen wird. Dies gilt auch für die warme Jahreszeit, wenn aufgrund der Hitze das Tragen des Strumpfes ggf. als unangenehm empfunden werden kann. Wer den Strumpf nicht regelmäßig trägt, muss Rückschritte bei der Behandlung in Kauf nehmen.

Können Thrombose und Lymphödem wieder vollständig ausheilen?

Ein Lymphödem ist i. d. R. schwerer zu therapieren als eine Thrombose, da das Ödem wesentlich hartnäckiger ist. Viele Thrombosen heilen aus, dann ist keine weitere Kompression notwendig. Ein Lymphödem heilt dagegen nicht aus. Hier kann zum Kompressionsstrumpf oder -ärmel zusätzlich eine manuelle Lymphdrainage verordnet werden. Wichtig ist das strukturierte Vorgehen im Rahmen einer Behandlung. Dass bedeutet, dass die Behandlungsphasen eins und zwei sowie die Lymphdrainage immer aufeinander abgestimmt sein müssen, da sonst die Therapie nicht effektiv ist.

Was können Betroffene selbst tun, um ihre Beschwerden zu lindern?

In der Entstauungsphase können sie wenig tun. In der nachfolgenden Erhaltungsphase ist es wichtig, die Kompressionsmaterialien tagsüber auch konsequent zu tragen. Zusätzlich sollten die Patientinnen ihre Haut pflegen, ihr Gewicht falls nötig regulieren und körperlich aktiv sein, um die Muskelpumpe aktiv zu halten. Außerdem erhöht sich bei der Aktivierung der Muskulatur der Druck des Kompressionsmaterials (Arbeitsdruck), sodass auch in der Tiefe des Gewebes eine Entstauung stattfindet.

Wo finden Betroffene den richtigen Ansprechpartner?

Das ist im Alltag ein großes Problem. Es gibt keinen Facharzt, der sich auf eine Kompressionstherapie spezialisiert hat, denn hiermit können Ärzte keine Lorbeeren gewinnen. Grundsätzlich sind die Angiologen, Phlebologen, Gefäßchirurgen, Dermatologen und Onkologen (Gynäkologen) Ansprechpartner. Die meisten Patientinnen werden aber vom Hausarzt versorgt, der i. d. R. kein Spezialist auf diesem Gebiet ist. Hinzu kommt, dass die Medizin und damit auch die Behandlung von Patientinnen heute sehr von Leistungen geprägt ist, die abgerechnet werden können und müssen. Ein Arzt, der zu viele Patientinnen hat, die ständig neue Kompressionsmaterialien oder eine Lymphdrainage benötigen, verdient durch eine möglichst gute Betreuung der Patientinnen kein Geld, sondern bekommt im Gegenteil sogar noch Budgetprobleme.

Es gibt also ein Versorgungsdefizit bei den Betroffenen?

Ja, Versorgungsdefizite sind das größte Problem im Alltag, da es wie immer ums Geld geht, aber manchmal auch die Patientinnen die Lust verlieren, sich dauerhaft ihrem Problem zu widmen.

Was sind die Ursachen für dieses Versorgungsdefizit?

Es gibt keine Ausbildung für Ärzte, um sich in der Kompressionstherapie fortzubilden. Grundsätzlich gibt es bei der akuten Thrombose eine klare Regelung, die besagt, dass die Patientin eine Kompressionstherapie für drei bis sechs Monate erhält und bei einem bleibenden postthrombotischen Schaden der Beinvenen dauerhaft einen Kompressionsstrumpf tragen sollte. Ein Lymphödem muss mit einer dauerhaften Kompressionstherapie und einer Lymphdrainage behandelt werden. Viele Ärzte fürchten aber um ihr Budget und weigern sich, den Patientinnen ein Rezept für eine Lymphdrainage auszustellen. Hinzu kommt, dass die Physiotherapeuten, die die Lymphdrainage ausführen, in der Entstauungsphase nach der Lymphdrainage einen Kompressionsverband anlegen sollten. Dies wird häufig nicht gemacht, entweder, weil der Arzt es nicht rezeptiert oder weil der Lymphtherapeut es nicht kann. Die Gründe sind vielschichtig.

Was ist bei der Pflege der Strümpfe wichtig?

Unabhängig vom konkreten Krankheitsbild bekommen Patientinnen von der Gesetzlichen Krankenversicherung nach der Erstausstattung nur einmal alle sechs Monate einen neuen Kompressionsstrumpf, der dann i. d. R. täglich getragen werden muss. Das stellt die meisten Patientinnen vor ungelöste hygienische Probleme, da der Strumpf üblicherweise einmal am Tag, im Sommer u. U. noch öfter, gewaschen werden sollte. Auch das Anziehen eines Kompressionsstrumpfes ist mühsam, hierzu gibt es Anziehhilfen, die aber auch zu wenig verbreitet sind.

Wie können Patientinnen sich für eine umfassende Therapie selbst einsetzen?

Dies ist im Moment nur bedingt möglich. Wichtig ist, dass die Patientin ihr Krankheitsbild kennt und sich über die Therapieverfahren informiert hat. So weiß sie, was sie braucht und was ihr zusteht. Sie kann körperlich aktiv sein und ihr Gewicht beachten. Sie kann an der Koordination der Therapie aktiv teilnehmen. Andererseits kann sie seinen behandelnden Arzt nicht zwingen, ihr mehr Kompressionsstümpfe oder mehr Lymphdrainagen zu rezeptieren als die Vereinbarungen mit der gesetzlichen Krankenkasse vorsehen. Insbesondere Patientinnen mit Lymphödemen sollten sich Selbsthilfegruppen anschließen, um hier über den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) langfristig eine Verbesserung der Versorgungssituation zu erreichen.

Quelle: Leben? Leben! 4/2017

11.01.18

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