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Margit erzählt von ihrem Leben mit Eierstockkrebs

Jeden Tag genießen

Jedes Jahr erkranken rund 7.300 Frauen neu an Eierstockkrebs. Eine von ihnen ist Margit. Sie erhielt ihre Diagnose 2012. Ihr Tumor wurde im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt. „Schon vorher gab es Anzeichen für die Erkrankung“, erinnert sie sich. Doch ihre Gewichtszunahme und die Verdauungsprobleme führte sie auf Stress in der Familie und im Beruf und zu wenig Bewegung zurück, konnte erst im Rückblick die Symptome ihrer Erkrankung zuordnen.

Erst als sie nach der Operation im Juli 2012 aufwacht, realisiert sie: Ich habe Krebs – und beginnt zu weinen. „Auf meinen Weinkrampf folgte aber dann auch Entschlossenheit, als mein Mann mir signalisierte: Wir schaffen das!“, erinnert sie sich zurück.

Von Anfang an hat sie einen besonders großen Wunsch: So schnell wie möglich in den Alltag zurückfinden, wieder arbeiten gehen. Sie arbeitet als Lehrerin an einer Schule, will sobald wie möglich wieder unterrichten. Doch ein Rezidiv im Spätsommer 2013 wirft sie erneut aus der Bahn. „Es war ein Schock. Ich war verzweifelt, resigniert und dachte: Mein Leben ist vorbei.“ Trotzdem versuchte sie, sich selbst wieder Mut zu machen.

Frauen, die sie in einer Selbsthilfegruppe kennenlernt, helfen ihr dabei. „Ich habe gesehen, wie tapfer sie sich mit der Diagnose und der Therapie auseinandersetzen“, betont sie. Das gibt auch ihr Hoffnung und außerdem hilft es, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. „Hier kann ich offen sprechen, was z. B. in der Familie nicht so gut möglich ist“, erzählt sie.

Sie lässt sich ein zweites Mal operieren. Doch nicht alle Krebszellen können entfernt werden. Es folgt, wie im Rahmen der ersten Therapie, eine Chemotherapie. Außerdem wird sie mit Antikörpern behandelt, die sie aber nach rund zweieinhalb Jahren aufgrund der Nebenwirkungen wieder absetzen muss. Seither macht sie eine Antihormontherapie.

Arbeiten ist nicht mehr möglich

Der Weg zurück in das Berufsleben ist ihr nicht mehr wie gewünscht gelungen. Zweimal begann sie zu arbeiten, aber die Nebenwirkungen und die damit verbundene verringerte Belastbarkeit machten ihr das Unterrichten schwer. Besonders nach der ersten Chemotherapie hat Margit Wortfindungsstörungen, auch das Konzentrieren fällt ihr schwer, ein Buch zu lesen ist nicht möglich. „Ich habe versucht, mit Konzentrationsspielen und Rätseln wieder einen relativen Normalzustand zu erreichen“, sagt sie. Doch die fehlende Konzentration macht sich auch im Alltag bemerkbar, sie tut sich schwer bei der Koordination von Terminen, vergisst Verabredungen: „Ich musste mir alles aufschreiben“, erinnert sie sich.

Auch heute sind noch Nebenwirkungen spürbar. „Aber im Verhältnis zur Schwere der Erkrankung akzeptiere ich sie, solange die Lebensqualität stimmt.“ Außerdem hat Margit gelernt, den Tag zu genießen und nicht mehr alles langfristig zu planen. „Ich mache das, was mir Spaß macht, z. B. Spaziergänge im Wald, Aqua-Fitness und Sudoku“, bemerkt sie. „Manchmal kommt mein „altes Ich“ noch zum Vorschein, dann will ich alles sofort und vollständig exakt erledigen. Das Ergebnis: Ich bin k. o.! Man sollte an sich glauben, aber auch die Tatsache nicht vergessen, dass es sehr schnell zu einem weiteren Rückschlag kommen kann. Deshalb ist es m. E. auch wichtig, Vorsorge zu treffen, etwa mit einer Patientenverfügung“, betont sie.

Doch meist gelingt es ihr, ihre Krankheit und die damit verbundenen Einschränkungen zu akzeptieren. Diese Akzeptanz ist es auch, die ihr Kraft gibt, die schwere Zeit durchzustehen, ebenso wie die Familie und Freunde, aber auch die eigene Lebensfreude, die sie sich erhalten hat.

Quelle: Leben? Leben! 4/2017

19.01.18