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Mastektomie bei Brustkrebs: Amputation – na und?

Glücklich mit einer Brust: Eine Patientin berichtet

Über 70 % der Frauen, die an Brustkrebs erkranken, können brusterhaltend operiert werden. So kommen in manchen Fällen Patientinnen an einer Mastektomie (Amputation der Brustdrüse) nicht vorbei. Das stellt die Betroffenen dann auch vor die Frage: Will ich eine Brustrekonstruktion?

Für Ruth Diemer-Schäfer, die vor 15 Jahren mit 50 an Brustkrebs erkrankte, stand sofort fest: „Ich möchte keinen Brustaufbau.“ Zu dieser Entscheidung steht sie noch heute, hat ihren Entschluss nie bereut. „Ich fühle mich deswegen nicht weniger weiblich“, betont sie. Für sie stand weniger der Erhalt oder die Rekonstruktion der Brust, sondern vielmehr der Kampf gegen die Krankheit im Mittelpunkt. Als die Diagnose gestellt wurde, war ihr Tumor bereits vier Zentimeter groß und die Lymphknoten in allen drei Leveln befallen.

Dass bei Ruth Diemer-Schäfer der Tumor erst so spät entdeckt wurde, „lag nicht an mangelnder Vorsorge“, erklärt sie. Hauptursache dafür sei vor allem das schlechte Ultraschallgerät ihres Frauenarztes gewesen. Dieser habe so die in ihren Brüsten ohnehin vorhandenen Zysten nicht von dem bösartigen Tumor unterscheiden können. Nur ihrer eigenen Hartnäckigkeit verdankt sie es, dass sie letztlich den Weg zum Experten fand – und damit auch der Tumor entdeckt wurde. Ihre Prognose für eine Genesung war schlecht und die Rekonstruktion der Brust rückte erstmal in den Hintergrund. „Ich wusste, es wird eine schwere OP und, dass mein Körper seine ganze Kraft brauchen wird, um den Krebs zu besiegen. Ich wollte da nicht noch Kraft für den Wiederaufbau verwenden.“

Zudem sei die Brust für sie kein besonders wichtiges sexuelles Organ gewesen. „Ich wusste, es geht alles genauso gut mit einer Brust.“ Auch ihr Mann hatte damit keine Probleme. „Er hat einmal zu mir gesagt: Ich hab ja dich geheiratet und nicht deine Brust.“

Dieser offene und verständnisvolle Umgang der Partner von Frauen mit einer Amputation kommt häufiger vor als gedacht. Diese Erfahrung hat Ruth Diemer-Schäfer, die auch in der Selbsthilfe aktiv ist, oft in Gesprächen mit Frauen, aber auch Männern gemacht. Häufig habe sich hier herausgestellt, dass die Frauen mit ihren Männern nicht offen darüber gesprochen hatten, ob für sie der Aufbau überhaupt wichtig ist. „Es scheint in diesem Punkt eine unheimliche Sprachlosigkeit zwischen Männern und Frauen zu geben“, bemerkt sie. Dabei sei es wichtig, das Thema Mastektomie in der Partnerschaft zu besprechen. In den Medien werde ein falsches Bild dargestellt: „Ich rege mich darüber auf, dass niemand thematisiert, dass man auch mit einer Brust glücklich leben kann.“

Und damit ist sie kein Einzelfall, denn ca. 18 % der mastektomierten Frauen lassen eine Rekonstruktion durchführen. „Es gehört schon ein gewisses Selbstbewusstsein dazu, damit umzugehen“, gibt Ruth Diemer-Schäfer zu bedenken. Sie selbst geht sehr offen mit ihrer Amputation um, geht auch nach dem Schwimmen nackt in die Gemeinschaftsdusche. Die optische Veränderung war kein Problem für sie. „Ich bin einfach ein sehr pragmatischer Mensch. Ich konnte es nicht ändern, also musste ich mich damit arrangieren.“

Dank Epithese und Spezial-BH sei es auch problemlos möglich, enge T-Shirts zu tragen. Dass eine Brust fehlt, „sieht man so nicht, wenn man nicht nackt ist“. Auch weite Blusen oder Schals können helfen, das Fehlen der Brust zu verbergen.

Sie weiß aber auch, dass es nicht jeder Frau so leicht fällt, mit einer Mastektomie umzugehen. „Ich bin sehr dankbar für meine stabile psychische Konstitution“, betont sie. Auch ihr Körper hat sich von der Operation, zwei Chemotherapien und einer Bestrahlungstherapie gut erholt. Nach einem Jahr konnte Ruth Diemer-Schäfer wieder in die Berge in Urlaub fahren – wenn sie zunächst noch die ganz großen Gipfel gemieden hat. Auch die Hautmetastase, die fünf Jahren nach der Krebstherapie auftrat, hat sie besiegt und fühlt sich heute, mit 63, gut und möchte auch anderen Frauen helfen, die Krankheit zu überstehen.

Deshalb hat sie kurz nach ihrer eigenen Krebserkrankung bereits vor zehn Jahren das Themencafé Brustkrebs in Gifhorn ins Leben gerufen. Einmal im Monat informieren hier Referenten ausführlich über Brustkrebs. Ruth Diemer-Schäfer möchte so ermöglichen, dass Frauen wissen, was auf sie zukommt. Alle Aspekte der Krankheit zu kennen, war auch für sie besonders wichtig und hat ihr geholfen, den Kampf gegen den Krebs aufzunehmen.

Quelle: Leben? Leben! 3/2015

10.05.17

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