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Metabolische Chirurgie bei Diabetes

Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik (Wien) im Gespräch über Möglichkeiten und Entwicklungen der bariatrischen/metabolischen Chirurgie für übergewichtige Diabetiker.

Welche Rolle spielt die Adipositas für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes?

Adipositas tritt häufig zusammen mit einer Reihe von Stoffwechselerkrankungen auf, die das sog. metabolische Syndrom umfassen. Dazu gehören schwere Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörung(Dyslipidämie) und Diabetes mellitus Typ 2. Diese Krankheiten gelten auch als kardiovaskuläre Risikofaktoren und begünstigen so die Entwicklung von arteriosklerotischen, kardiovaskulären Krankheiten. Herzinfarkt und Schlaganfall können tödliche Folgen sein.

Ab wann spricht man von krankhaftem Übergewicht, und wie kann es den Körper schädigen?

Von krankhaftem Übergewicht (Adipositas permagna) spricht man ab einem BMI von über 40 kg/m². Hier kommt es zu einer deutlichen Zunahme des Risikos für Begleiterkrankungen wie Diabetes mit Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zudem werden die Gelenke entsprechend belastet, sodass die Patienten in ihren täglichen Aktivitäten eingeschränkt sein können.

Was ist „metabolische Chirurgie“ genau, was ist „bariatrische Chirurgie“ – und wo liegen die Unterschiede?

Beide Ausdrücke bedeuten dasselbe: Chirurgische Eingriffe zur Verminderung des Übergewichts und seiner Folgeerkrankungen. Der Begriff metabolisch hat sich eingebürgert, da mit diesen Operationen auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes gut behandelt werden.

Und für wen ist ein operativer Eingriff aus Ihrer Sicht zu empfehlen?

Diabetiker profitieren prinzipiell am meisten, da sie das größte Risiko aufweisen. An sich wird die bariatrische Operation ab einem BMI von über 40 empfohlen, bei Diabetikern wegen des hohen Risikos bereits ab 35. Ab einem BMI von 40 kg/m² werden die Kosten i. d. R. von der Krankenkasse übernommen.

Welche Möglichkeiten bietet die metabolische Chirurgie? Zählt dazu das sog. Magenband?

Das Magenband wird heute kaum noch verwendet, da es im Vergleich zu anderen Methoden schlechtere Langzeitergebnisse zeigt. Die Sleeve-(Schlauchmagen-)Operation und der Magenbypass sind die bevorzugten Operationsmethoden, wobei Letzterer etwas effektiver ist, jedoch auch mehr Komplikationen wie Mangelerscheinungen mit sich bringt.

Wie viele solche Eingriffe werden in Österreich derzeit durchgeführt?

In Österreich werden pro Jahr ca. 2.000 Eingriffe durchgeführt. Wichtig ist, dass diese Operationen nur in spezialisierten Zentren vorgenommen werden, die neben der großen Erfahrung der Chirurgen auch über ein multiprofessionelles Team von Internisten/Endokrinologen, Psychologen und Ernährungsberatern verfügen.

Mit welchen Erfolgen darf man rechnen?

Das Übergewicht kann je nach Methode um bis zu 60% verringert werden, bei Diabetikern kommt es bei bis zu 70 % zu einem Verschwinden des Diabetes, gemessen nach einem Zeitraum von fünf Jahren. Es ist mitunter eine Reduktion von hohen Insulindosen auf null möglich. Parallel zur Gewichtsreduktion kommt es zu einer Verbesserung bei Bluthochdruck (Hypertonie) und Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie).

Wo liegen die Risiken eines solchen operativen Eingriffs?

In erfahrenen Händen sind die unmittelbaren postoperativen Komplikationen (zum Beispiel Blutungen oder das Aufgehen von Nähten) gering und liegen im Bereich derer nach Gallenblasenentfernungen. Alle Eingriffe werden mittels Bauchspiegelung durchgeführt. Langfristig kann es zu Mangelerscheinungen von Vitaminen (D), Eisen und Eiweiß kommen. Aus diesem Grund sollten die Patienten entsprechende Vitamine und Spurenelemente nehmen und auf die Ernährung aufpassen. Es muss jedem operierten Patienten klar sein, dass er eine lebenslange Betreuung benötigt. Nur dann kann der Eingriff in jeder Hinsicht ein Erfolg sein.

Quelle: Befund Diabetes Österreich 1/2015

11.06.15

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