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Misteltherapie bei Krebs

Sie gehört zu den am häufigsten angewendeten komplementären Behandlungsmethoden bei Krebs: Die Misteltherapie. Dennoch sollte sie nur in Absprache mit dem behandelnden Onkologen angewandt werden.

Wirksamkeit der Misteltherapie

Einen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit der Misteltherapie im Sinne von evidenzbasierten Studien am Menschen gibt es bisher nicht. D. h. aber nicht, dass die Mistel keine Wirkung hat. So zeigen naturwissenschaftliche Untersuchungen der Inhaltsstoffe der Mistel, dass diese bestimmte Substanzen enthält, sog. Lektine, die zu einer sog. unspezifischen Immunreaktion führen und damit die Abwehrreaktion des Körpers aktivieren können, berichtet die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). Zudem fördern die Lektine die Ausschüttung von Glückshormonen, sog. Endorphine. Dies könnte sich wiederum positiv auf die Lebensqualität auswirken.

Auf dem Internetportal Komplementäre Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen wird die Misteltherapie zu den nicht hinreichend wirksamkeitsgeprüften Maßnahmen gezählt. In Anwendungsbeobachtungen habe sich gezeigt, dass ein durch die Krebstherapie geschwächtes Immunsystem von Menschen mit Krebs durch die Misteltherapie wieder aktiviert werden kann. Weiter heißt es, dass klinische Pilotstudien bei Menschen mit Brust-, Eierstock- und Lungenkrebs eine Minderung von Nebenwirkungen durch eine komplementäre Misteltherapie gezeigt haben. So litten die Teilnehmer weniger unter Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und depressiven Verstimmungen. Klinische Studien haben zudem eine Besserung der Lebensqualität gezeigt.

Wie wird die Misteltherapie angewendet?

Bei der Krebsbehandlung besteht die Misteltherapie aus wässrigen Extrakten der Mistelpflanze: Diese spritzt man in oder unter die Haut, so der Krebsinformationsdienst. Misteltropfen oder -tees sind zwar auch erhältlich, aber nicht für die Krebsbehandlung zugelassen. Die Anwendung der Misteltherapie sollte, so die Krebsgesellschaft NRW, nur durch einen erfahrenen Arzt eingeleitet und nachfolgend überwacht werden.

Bei der Anwendung der Misteltherapie können Nebenwirkungen wie Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle auftreten, ebenso wie grippeähnliche Symptome mit leichtem Fieber und Gliederschmerzen sowie allergische Reaktionen. Wie die DKG betont, treten diese Symptome typischerweise auf, wenn die Immunabwehr angeregt wird, und werden meist auch nicht behandelt, da diese i. d. R. nach einigen Tagen wieder abklingen.

Vorsicht bei Leukämien und Lymphomen

Es liegen keine kontrollierten wissenschaftlichen Untersuchungen vor, die zeigen, dass die Misteltherapie bei Krebserkrankungen des blutbildenden Systems wie Leukämie oder Lymphome, unbedenklich ist, heißt es auf dem Internetportal Komplementäre Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen. Vielmehr könnte bei diesen Krebserkrankungen, die vom Immunsystem ausgehen, eine schädliche, krebsfördernde Wirkung möglich sein, sodass die Erkrankung sich verschlimmern könnte, so die DKG.

Auch bei schweren Allergien, bei Autoimmunerkrankungen sowie bei der Einnahme von Krebsmedikamenten, auf die man schnell allergisch reagieren könnte, ist die Misteltherapie kontraindiziert. Davon abgesehen ist die kurzfristige Gabe von Mistelextrakt laut Dr. Jutta Hübner, Universitätsklinikum Frankfurt, möglich, eine langfristige Behandlung ist jedoch ebenfalls kritisch zu sehen, da es auch Hinweise dafür gibt, dass sich das Tumorwachstum dann verstärken könnte. Dies betont auch Prof. Dr. Josef Beuth vom Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität Köln im Gespräch mit Befund Krebs: „Man kann sein Immunsystem auch falsch oder überstimulieren. Manchmal entstehen dann viele der sog. Wachstumsfaktoren, die auch auf Krebszellen hinwirken können.“ Generell sollten Krebspatienten, auch solche mit anderen Krebsarten, immer erst mit ihrem Arzt besprechen, ob bei ihnen eine Misteltherapie möglich und sinnvoll ist.

Kostenübernahme

Ob die Kosten für die Misteltherapie von der Krankenkasse übernommen werden, sollte bei der Krankenkasse erfragt werden. Da die Mistelpräparate rezeptfrei sind, werden sie nicht automatisch von den Kassen bezahlt. Der Krebsinformationsdienst rät bei einer Ablehnung der Kostenübernahme dazu, eine ärztliche Stellungnahme mit der Empfehlung des Arztes einzureichen. Laut DKG können Palliativpatienten die Misteltherapie auch auf Rezept erhalten, sodass sie dann i. d. R. von der Krankenkasse übernommen wird.

Quelle: Befund Krebs 4/2016

15.11.16

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