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Radikale Prostatektomie bei Prostatakrebs

Die Angst vor Harn-Inkontinenz

Bei der radikalen Prostatektomie (operative Entfernung der Prostata) werden aufgrund einer lebensbedrohlichen Krebserkrankung funktionell wichtige Teile eines Organsystems (Prostata mit Teilen des unwillkürlichen Schließmuskels am Blasenausgang sowie teilweise oder komplett beide Samenbläschen) entfernt. Diese anatomische Veränderung des Körperbaus im kleinen Becken (Umbau des „Abflussrohrsystems“: Ein den ungebremsten Abfluss verhinderndes „Baustück“ fehlt nun) – verändert natürlich dessen Funktionsweise.

Es droht eine mögliche Harninkontinenz, auch bei den heutzutage durchgeführten modernen gewebeschonenden Operationstechniken, welche hinsichtlich ihrer Ergebnisse in Bezug auf die Harninkontinenz als gleichwertig anzusehen sind. In Abhängigkeit von der notwendigen Ausdehnung des Eingriffes (Größe der Prostata, Ausbreitung des Krebses, Zustand nach Voreingriffen oder Entzündungen) ist die Veränderung im kleinen Becken kleiner oder größer. Ob und in welchem Ausmaß die Harninkontinenz nach der Operation auftritt, kann daher kein Operateur genau und sicher voraussagen.

Der Körper muss nach der Operation neu lernen. Vorrangig die Muskulatur des Beckenbodens und besonders das Gehirn, dass ja nun von den Nervenleitungen aus dem Beckenboden neue, andere Signale bekommt, im Gegensatz zu der langen Zeit vorher. Dafür steht beispielsweise ein kurz nach der Operation ganz häufig geäußerter Satz vieler Patienten: „Ich spüre es nicht, wenn das Wasserlassen beginnt, erst wenn der erste Tropfen bereits gekommen ist, kann ich den weiteren Urinabgang bremsen.“ Sehr häufig besteht anfangs auch ein übermäßiger Drang zum Wasserlassen (es fühlt sich alles anders an). Die Situation nach der Operation ist niemals der endgültige Zustand. Es ist ein Prozess, der erfahrungsgemäß erst ca. nach einem Jahr abgeschlossen ist und sich danach kaum noch verändert. Denken Sie einmal daran, dass z. B. Babys mindestens zwei Jahre benötigen, um die willkürliche Steuerung des Wasserlassens zu erlernen – sie haben anfangs auch noch kein Gefühl „dafür“.

Wie hoch sind die Raten der Harninkontinenz und kann dagegen etwas unternommen werden?

Die Angaben in der Weltliteratur zu Inkontinenzraten nach radikaler Prostatektomie sind sehr uneinheitlich und schwanken zwischen einem und 60 Prozenz. Neuere Studien (der letzten fünf Jahre) geben im Überblick an, dass zwischen ca. 60 und 80 Prozent aller operierten Patienten kurz nach der Operation bereits (früh-)kontinent sind (keine Inkontinenzartikel benötigen). In einem Zeitraum von ca. einem Jahr steigt der Prozentsatz der kontinenten Patienten auf ca. 75 – 95 Prozent an. Kliniken, die die Operation mit trainierten Urologen in hoher Stückzahl durchführen (z. B. die Prostatakarzinomzentren in Deutschland), erreichen dabei die besseren Ergebnisse. Eine aktuelle Datenerhebung am Patientengut unserer Einrichtung ergab z. B. für das Jahr 2009 eine frühe Kontinenzrate nach offener radikaler Prostatektomie (Patient benötigt keine Inkontinenzartikel) von 88 Prozent.

Die Kontinenz lässt sich durch vielfältige Behandlungsmöglichkeiten weiter deutlich verbessern. Primär kommt dabei immer die Beckenbodengymnastik zum Einsatz. Des Weiteren können anfangs blasenfunktionsunterstützende Medikamente verabreicht werden, diese werden meist nach ein paar Wochen nicht mehr benötigt. Die Beckenbodengymnastik kann zusätzlich auch durch Elektrostimulationstherapie im Behandlungseffekt verstärkt werden. Das Gefühl bzw. die neue Steuerung des Wasserlassens kann mithilfe des sogenannten Biofeedbacktrainings wiedererlernt werden. Trotzdem fortbestehende ausgeprägte Inkontinenzbeschwerden können in einer Zweitoperation, die frühestens ein Jahr nach der radikalen Prostatektomie (bei Tumorfreiheit) z. B. durch Einbringen eines sog. „Männerbandes“ oder künstlichen Schließmuskels behoben werden. So kann „Mann“ weiterleben, wenn dafür der Krebs besiegt ist.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Artikel mehr Klarheit und Hoffnung geben sowie Angst und Ungewissheit etwas nehmen konnten.

Prof. Dr. med. U. Rebmann und Dr. med. D. Wießner, Dessau

Quelle: Befund Krebs 4/2010

21.03.13

Inkontinenz nach Prostatakrebs
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