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Schilddrüsenkrebs

Als Schilddrüsenkrebs werden bösartige Tumoren bezeichnet, die aus den Zellen der Schilddrüse entstehen. Je nachdem, aus welchen Zellen sich der Schilddrüsenkrebs entwickelt, werden differenzierte Karzinome (papilläre und follikuläre Karzinome), undifferenzierte Karzinome und medulläre Karzinome (auch C-Zell-Karzinome) und sonstige bösartige Neubildungen (z. B. Lymphome, Sarkome) unterschieden. In rund 80 % der Fälle treten differenzierte Schilddrüsenkarzinome auf.

Schilddrüsenkrebs ist eine seltene Tumorerkrankung

Schilddrüsenkrebs gehört zu den seltenen Krebsformen. Pro Jahr erkranken in Deutschland – so das Robert Koch-Institut (RKI) – ca. 6.000 Menschen an Schilddrüsenkrebs. Frauen sind von dieser Krebsart deutlich häufiger betroffen als Männer: Rund 70 % der Betroffenen sind weiblichen Geschlechts. Im Mittel sind betroffene Frauen zum Zeitpunkt der Diagnose 51 Jahre und Männer 56 Jahre alt.

Aufbau und Funktion der Schilddrüse

Die Schilddrüse (lat. Glandula thyroidea) befindet sich etwas unterhalb des Kehlkopfes. Sie hat die Form eines Schmetterlings und wiegt bei Erwachsenen zwischen 20 und 60 g. Hinter der Schilddrüse sind vier kleinere Nebenschilddrüsen lokalisiert. Die Schilddrüse produziert mehrere Schilddrüsenhormone: Thyroxin und Trijodthyronin sowie das Peptidhormon Kalcitonin. Außerdem dient die Schilddrüse als Speicher für Jod.

Thyroxin und Trijodthyronin werden in den Follikelzellen der Schilddrüse (kleinen Bläschen) produziert und gespeichert. Die sog. C-Zellen stellen das Kalcitonin her, das den Kalziumhaushalt reguliert. Für die Bildung von Thyroxin und Trijodthyronin wird Jod benötigt, das dem Körper über die Nahrung zugeführt werden muss. Bei Jodmangel kann es zu einer Vergrößerung der Schilddrüse kommen (sog. Kropf oder auch Struma).

Jodbedarf des Menschen

Der tägliche Jodbedarf eines Jugendlichen und Erwachsenen beträgt ca. 100 bis 150 Mikrogramm. Um eine ausreichende Zufuhr zu gewährleisten, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zweimal wöchentlich Seefisch zu essen und jodiertes Speisesalz zu verwenden.

Leben nach einer operativen Entfernung der Schilddrüse

Im Rahmen einer Erkrankung an Schilddrüsenkrebs kann es notwendig sein, die Schilddrüse operativ zu entfernen. Ein solcher Eingriff ist nicht ohne Risiko – es kann zum Auftreten von Komplikationen kommen, die das Leben der Betroffenen dauerhaft einschränken können.

Verletzung der Nebenschilddrüsen

Unmittelbar hinter der Schilddrüse sind die Nebenschilddrüsen gelegen. Dabei handelt es sich um eigenständige Organe, die nur wenige Millimeter groß sind. Sie produzieren Parathormon, welches zusammen mit dem von der Schilddrüse produzierten Kalzitonin den Kalziumstoffwechsel im Körper reguliert. In seltenen Fällen kommt es bei einer Operation aufgrund eines Schilddrüsenkrebses zu einer Schädigung der Nebenschilddrüsen. Kann dadurch nicht mehr genügend Parathormon gebildet und ausgeschüttet werden, sinkt der Kalziumspiegel im Blut. Es kann daher unmittelbar nach der Operation zu einem Kribbeln in Händen und Füßen und zu einem Auftreten von Muskelkrämpfen kommen. Etwa 7 % der Patienten trifft diese Schädigung vorübergehend, bei 0,2 % bleibt sie dauerhaft bestehen. In einem solchen Fall ist i. d. R. eine Nahrungsergänzung erforderlich. Dem Körper muss dann zusätzliches Vitamin D und Kalzium in Form von Tabletten zugeführt werden.

Lähmung der Stimmbandnerven

Im Zuge einer Operation bei einem Schilddrüsenkrebs kann es zudem zur Lähmung der Stimmbandnerven, einer so genannten Rekurrensparese, kommen. Diese Komplikation ist schwerwiegend, tritt aber nur bei etwa 3 % der Patienten vorübergehend und bei 0,5 % der Patienten dauerhaft auf.

Die Stimmbandnerven sind wie die Nebenschilddrüsen gefährdet, weil auch sie in unmittelbarer Nähe zur Schilddrüse gelegen sind. Je ein Nerv verläuft auf der Rückseite der zwei Schilddrüsenlappen. Werden diese Nerven geschädigt, kann es zu einer vollständigen oder teilweisen Lähmung der Stimmbänder kommen, wobei die Stimme leiser, tiefer oder heiser werden kann. Im schlimmsten Fall treten gravierende Probleme beim Sprechen auf. Heute werden die Nerven der Stimmbänder bei einer Schilddrüsenoperation genauestens überwacht, indem ein so genanntes Neuromonitoring durchgeführt wird.

Kommt es dennoch zu einer dauerhaften Schädigung der Stimmbandnerven im Rahmen einer operativen Therapie von Schilddrüsenkrebs, kann die Stimmqualität meist durch Logopädie verbessert werden. Dennoch kann dieser Zustand für die Betroffenen eine große Belastung sein.

Selbsthilfegruppen und psychologische Hilfe

Insbesondere für Menschen, die nach einem Schilddrüsenkrebs unter Komplikationen der Therapie leiden, kann es hilfreich sein, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Es kann zum Beispiel bei einer Schädigung der Stimmbandnerven Mut machen und wertvolle Unterstützung geben, andere Menschen kennenzulernen, die unter der gleichen Problematik leiden – und vielleicht bereits einen guten Umgang mit der neuen Situation gefunden haben. Aber auch für alle anderen Betroffenen, die ihre Erfahrungen mit dem Schilddrüsenkrebs teilen möchten, empfiehlt sich eine solche Selbsthilfegruppe.

Treten schwerwiegende psychische Probleme im Umgang mit dem Schilddrüsenkrebs oder den Folgen der Therapie auf, empfiehlt es sich, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Neben normalen Psychotherapeuten können speziell ausgebildete Psychoonkologen rekrutiert werden. Die Psychoonkologie ist eine relativ neue, interdisziplinäre Form der Psychotherapie bzw. der klinischen Psychologie, welche sich mit den psychischen, sozialen und sozialrechtlichen Bedingungen, Folgen und Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung befasst. Sie kann so gezielt auf die speziellen Bedürfnisse und Probleme Krebserkrankter eingehen.

Antje Habekuß, Lydia Köper

13.04.17

Schilddrüsenkrebs
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