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Schweregrade von COPD

Die Global Initiative for Obstructive Lung Disease, kurz GOLD, teilt die lebenslang fortschreitende Lungenerkrankung COPD in vier Schweregrade ein. Ziel ist es, die Behandlung der COPD dadurch zu vereinheitlichen.

Wichtigstes Kriterium für die Zuordnung zu einem COPD-GOLD-Stadium sind zwei Werte der Lungenfunktion: der FEV1-Wert (Forciertes Einsekunden-Volumen oder Einsekunden-Kapazität) und die Vitalkapazität (VC). Aus diesen beiden Werten wird das Verhältnis FEV1/VC bestimmt. Für die Ermittlung des FEV1-Wertes erhält der Betroffene ein Mundstück, über das er in ein geschlossenes Behältnis, dem Spirometer, ein- und ausatmet. Seine Nase ist dabei mit einer Nasenklemme verschlossen. Auf Anweisung des Arztes atmet der Patient nun über das Mundstück vollständig ein und anschließend möglichst schnell und kräftig wieder aus. Das Spirometer misst die Kraft und die Luftmenge der Atemstöße und stellt die Atemzüge grafisch dar. Die Einsekunden-Kapazität ist das größtmögliche Luftvolumen, das der Betroffene innerhalb einer Sekunde ausatmen kann. Mit dem Begriff Vitalkapazität ist das Lungenvolumen zwischen maximaler Einatmung und maximaler Ausatmung gemeint. Liegt der FEV1/VC-Wert unter 70 %, liegt eine Verengung (Obstruktion) vor.

  • Leichtgradige COPD (Schweregrad I): Der FEV1-Wert beträgt mindestens 80 % des Sollwertes, ist also nicht signifikant reduziert. Häufig sind die Symptome so gering, dass den Betroffenen ihre eingeschränkte Lungenfunktion gar nicht auffällt. Typische Beschwerden sind dauerhafter Husten und Auswurf, jedoch keine Atemnot.
  • Mittelgradige COPD (Schweregrad II): Die Symptome der Betroffenen nehmen zu. Unter körperlicher Belastung tritt nun Atemnot auf. Der FEV1-Wert liegt zwischen 50 % und 79 % des Sollwertes.
  • Schwere COPD (Schweregrad III): Der FEV1-Wert beträgt nun nur noch 30 % bis 49 % des Sollwertes. Die Lungenfunktion ist spürbar eingeschränkt.
  • Sehr schwere COPD (Schweregrad IV): Der FEV1-Wert liegt maximal bei 30 % des Sollwertes, in Kombination mit einer Hypoxämie bei maximal 50 %.

Ausprägung der COPD nach GOLD

Problematisch ist jedoch, dass häufig die Lungenfunktion nur schlecht mit den Beschwerden korreliert. Daher wurden die COPD-Schweregrade I bis IV 2011 von der GOLD modifiziert. Zwar beruht die neue Einteilung immer noch auf dem FEV1-Wert, jedoch werden zusätzlich zwei weitere Kriterien berücksichtigt:

  • Exazerbationsrisiko: Berücksichtigt wird an wie vielen Verschlechterungen der Betroffene in den vergangenen zwölf Monaten gelitten hat.
  • Ausprägung der Symptome, d. h. welche Beschwerden in welchem Ausmaß vorhanden sind. Gemessen werden diese beispielsweise mittels mMRC-Score.

Der mMRC-Score (modified Medical Research Council-Score) wird von dem Arzt mithilfe des modifizierten Medical-Research-Council-Dyspnoe-Fragebogens ermittelt. Dieser hilft dabei, die Schwere der Atemnot zu bestimmen. Hierfür müssen COPD-Patienten angeben, ob sie

  • nur bei schweren Anstrengungen (0 Punkte)
  • beim bergauf gehen oder schnellen gehen im flachen Gelände (1 Punkte)
  • in der Ebene beim Gehen mit normaler Geschwindigkeit (langsameres Gehen als Gleichaltrige aufgrund von Atemnot) (2 Punkte)
  • beim Gehen einer kurzen Strecke (etwa 100 m) in der Ebene oder nach ein paar Minuten (3 Punkte)
  • oder schon beim An- und Ausziehen (4 Punkte)

kurzatmig werden. Mithilfe der in den Klammern angegebenen Punkte sowie des FEV1-Wertes kann der Arzt COPD-Patienten einer der vier Gruppen (A bis D) zuordnen. Betroffene mit einem FEV1-Wert über 50 % werden den Risikogruppen A oder B zugeordnet. Beträgt der FEV1-Wert weniger als 50 % des Sollwertes, liegt das Stadium C oder D vor.

  • Risikogruppe A (niedriges Risiko, geringe Symptomatik): Die COPD ist dem Stadium I oder II der früheren COPD-Einteilung zuzuordnen und/oder es sind in den vergangenen zwölf Monaten höchstens eine Exazerbation aufgetreten und der mMRC-Score beträgt weniger als zwei Punkte. Betroffene der Risikogruppe A haben eine kaum eingeschränkte Lungenfunktion und nur geringe Beschwerden wie Atemnot und Husten.
  • Risikogruppe B (niedriges Risiko, intensivere Symptomatik): Betroffene mit ehemaligem COPD-Stadium I oder II und/oder höchstens einer Exazerbation im vergangenen Jahr sowie einem mMRC-Score größer oder gleich zwei Punkten. Im Vergleich zur Risikogruppe A leiden die Betroffenen unter stärkeren Beschwerden.
  • Risikogruppe C (erhöhtes Risiko, geringe Symptomatik): Betroffene mit früherem COPD-Stadium III oder IV und/oder mehr als einer Verschlechterung in den letzten zwölf Monaten und einem mMRC-Score unter zwei Punkten.
  • Risikogruppe D (erhöhtes Risiko, intensivere Symptomatik): Die COPD wird dem ehemaligen COPD-Stadium III oder IV zugeordnet und/oder der Betroffene litt im vergangenen Jahr unter mehr als einer Exazerbation und erzielte einen mMRC-Score mit zwei oder mehr Punkten.

Beispielsweise würde ein COPD-Betroffener mit einem mMRC-Score größer oder gleich zwei Punkten, keiner Exazerbation in den letzten zwölf Monaten und einem FEV1-Wert zwischen 50 % bis 79 % des Sollwertes der Risikogruppe B zugeordnet werden. Bei drei Exazerbationen im vergangenen Jahr würde er jedoch in die Gruppe D eingeordnet werden.

Quelle: COPD und Asthma 4/2016

21.02.17

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