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Besondere Momente sind Futter für die Seele

Mein Name ist Nicole. Ich bin 50 Jahre alt und alleinstehende Mutter eines Sohnes, der mit einer schweren Mehrfachbehinderung geboren wurde. Im Mai 2010 erhielt ich mit 41 Jahren die Diagnose Brustkrebs. Zwei Jahre später folgte die Diagnose BRCA2. Beide Diagnosen waren ein Schock für mich und veränderten mein Leben nachhaltig von jetzt auf gleich.

Mit großem Mut und viel Hoffnung gewappnet suchte ich mir meinen persönlichen Weg, um mit den Therapien und den entsprechenden Herausforderungen zurechtzukommen. Es war dabei immer sehr wichtig für mich, alle anfallenden Behandlungsoptionen sowie die Erkrankung besser zu verstehen. Mein Wissen gebe ich heute auf meinem Blog an betroffene Frauen und ihre Angehörigen weiter. Zusätzlich engagiere ich mich in der Hospizbewegung und ich bin als Patientenvertreterin aktiv.

Viele fragten mich damals und fragen auch heute immer wieder, wie ich die Krebserkrankung und zugleich die Lebenssituation als alleinstehende Mutter, bewältigen würde. Ich habe kein Patentrezept für schwierige Lebenssituationen, kann aber aus meiner Erfahrung heraus sagen, dass es mir hilft zu akzeptieren, dass Unglück und Enttäuschung zum Leben gehören und, das jeder für sich selbst verantwortlich ist.

Es hilft mir, mir ein klares Bild von meiner Lebenssituation zu machen und nach neuen Lebenswegen zu suchen, wenn sich mir ein Hindernis in den Weg stellt. Außerdem habe ich die grundsätzliche Überzeugung, dass das Leben als Ganzes betrachtet mehr Gutes als Schlechtes bereithält, und vertraue darauf, dass jedes Ereignis auch positive Aspekte in sich birgt.

Es gab Momente in meinem Leben mit und nach der Diagnose Brustkrebs, in denen ich meiner Verzweiflung freien Lauf ließ und meine Angst und Wut laut aus mir herausgeschrien habe. Schließlich ging es bei allem ja nie nur um mich allein, sondern auch um meinen Sohn. Denn, was wird aus ihm, wenn ich nicht mehr bin? Die Sorge um unsere Kinder ist für uns Mütter mit der Diagnose Krebs vielleicht eine der größten – und gleichzeitig ist die Liebe zu ihnen einer der wertvollsten Mutanker in unserem Leben.

Ich hatte das große Glück, dass die Therapien wirkten und ich in scheinbare Gesundheit entlassen werden konnte, mit allen Höhen und Tiefen. Ich bin mir bewusst, dass dieses Glück keine Selbstverständlichkeit ist. Auch wenn es für Außenstehende oft scheint, dass ich schwierigste Situationen scheinbar mit Leichtigkeit bewältige, weiß ich, was es mir letztendlich an Mut und Kreativität abverlangt, neue Lösungswege zu finden. Dabei kann ich auf eine Kraft zurückgreifen, die in mir ruht. Eine Kraft, die mir immer wieder dabei hilft, schwierigste Herausforderungen anzunehmen.

Ich betrachte mich nicht als Opfer der Umstände, sondern ich möchte handlungsfähig in meinen Entscheidungen bleiben. Denn ich bin mir bewusst, dass die Verantwortung für mein Leben allein bei mir liegt.

Ich habe Freunde, die meinem Sohn und mir zur Seite stehen, wenn wir Unterstützung benötigen. Meine Community auf meinem Blog und in den sozialen Netzwerken wurde mir zudem in den vergangenen Jahren ein wichtiger Anker und eine Stütze, durch die ich viele wunderbare Menschen im realen Leben kennenlernte. Sie alle miteinander sind für mich ein Geschenk, auf das ich immer wieder voller Demut und Freude blicke.

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass meine Erkrankung eines Tages fortschreitet oder ich neu an Krebs erkranke. Mit diesem Gedanken lebe ich und habe mich mit ihm ausgesöhnt. Ich plane mein Leben schon lange nicht mehr weit voraus, denn wer weiß, wie dieses in fünf oder zehn Jahren aussehen wird? Dafür wertschätze ich jeden Tag, an dem es mir und meinen Herzensmenschen gut geht und füttere das Immunsystem meiner Seele mit vielen besonderen Momenten – mögen sie noch so klein erscheinen.

Quelle: Leben? Leben! 2/2019

02.09.19