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Interview mit einem Allergen

Reporter H. Schnupfen vor Ort. Wir berichten heute von der diesjährigen Verbrauchermesse „Allergien für jeden – täglich frisch auf den Tisch“. Es ist uns gelungen, einen hochkarätigen Interviewpartner zu gewinnen, und zwar hat sich das Allergen bereit erklärt, unserem Reporter Rede und Antwort zu stehen.

Liebes Allergen, das war ja echt schwierig, Sie in der Menge ausfindig zu machen.

Na ja, meine Kollegen und ich möchten eben nicht so leicht entdeckt werden.

Warum nicht? Ihr Ruf eilt Ihnen doch schon voraus.

Sicher, aber trotzdem ist es immer wieder schön, wenn sich jemand bei der Suche Mühe gibt.

Diese Messe zeigt die Vielfalt der allergischen Erkrankungen. Ist es nicht manchmal schwierig, noch eine neue Art Allergie zu entwerfen?

Nein, trotz Jahrhunderte langer Arbeit stehen noch viele Möglichkeiten offen.

Sie sind schon sehr lange im Geschäft. Erinnern Sie sich an Ihren ersten Auftrag?

Aber sicher. Das war etwa im Jahre 2641 vor Christus. Da ist es mir gelungen, Pharao Menes von Ägypten am Ufer des Nils an den Folgen eines Wespenstichs („Kheb“) sterben zu lassen. Damit war er wohl der erste Allergiker der Weltgeschichte. Ein toller Coup!

Können Sie das auch beweisen?

Ja klar, darauf weist noch heute eine Hieroglyphenschrift hin. Allerdings gibt es auch Medizinhistoriker, die mir meinen Erfolg neiden und als Todesursache den Angriff eines Nilpferds für wahrscheinlich halten.

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich neue Opfer aus?

Ach, da bin ich nicht wählerisch. Es findet sich für jeden Typ etwas Interessantes. Die Menschen sind ja so darauf erpicht, sich aus der Masse hervorzuheben. Denken Sie nur mal an die unsäglichen Shows und das Internet.

Aber eine Allergie kann auch recht unangenehm und sogar tödlich sein!

Nun ja, es gibt sicher Schöneres. Aber man ist gleich im Gespräch, wenn man sich als Allergiker outet und jeder darf seine Meinung kundtun.

Allergien gibt es ja schon lange, trotzdem gelang erst 1925 einem Arzt in Südafrika die erste Desensibilisierung. Damit konnte man die Symptome erträglich machen oder sogar ganz verschwinden lassen.

Das war ein herber Rückschlag für mich und meine Kollegen. Da pfuscht doch irgend so ein Wichtigtuer in unser Handwerk. Wir geben uns solche Mühe und was ist der Dank? Die Menschen versuchen, uns wieder loszuwerden.

Ich sehe schon, Ihr Beruf ist auch gleichzeitig Ihre Berufung. Haben Sie schon mal daran gedacht, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen?

Auf gar keinen Fall! Das Leben wird doch jetzt erst richtig interessant! Industrie und Umwelt liefern doch fast täglich neue Möglichkeiten, Allergien zu entwickeln. Und erst die Lebensmittelindustrie! Ach, herrlich, da kann man so richtig aus dem Vollen schöpfen.

Sie werden verzeihen, wenn die Leser sich trotzdem eine etwas weniger enthusiastische Arbeitsauffassung wünschen und danken für das informative Gespräch.

Roswitha Stracke

Quelle: allergikus 2/2018

09.01.19