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Krebs, das Leben davor, damit und danach?

Wie war das Leben vorher? Ist es vorhersehbar, erklärbar oder sind es die negativen ‚6 aus 49‘?

Nach der Diagnose verliert sich die Leichtigkeit des Seins in Therapien, die Körper, Geist und Seele schwächen. Nicht nur den Patienten, sondern seine Familie, Freunde und Kollegen. Es schließen sich Fenster und Türen, aber es öffnen sich auch neue.

Die Musik wechselt von Dur zu Moll, aber sie ist dennoch hörbar und drückt aus, was man in Worte nicht fassen kann. Wie ein verletztes, gehetztes Reh irrt man umher, sucht nach seinem Weg, aber möchte sich am liebsten verstecken. Der Wald im Winter, der ein Sommer war.

Über die Sonne legt sich ein tiefer Schatten, macht dunklen Gedanken Platz. Es ist wie eine Zwangsjacke, die plötzlich jede Bewegung lähmt.

Aus heutiger Sicht, fast vier Jahre nach der Diagnose und vielen Therapien, bisher ohne neue Erkrankung, ist diese Zeit ein Gewinn.

Warum?

Es gibt Menschen, die verlassen Kranke aus Unsicherheit oder Angst. Das ist sehr traurig, aber es kommen neue Menschen hinzu, bedingungslos ohne Netz und doppelten Boden begleiten sie uns.

Da sind jene, die uns in der Ausübung ihres Berufes begleiten und dann welche, die wir während der Therapie kennenlernen, Wegbegleiter mit gleichem Ziel, Leben! Das ist eine Erfahrung der Hilfsbereitschaft und des Verständnis, Respekt und Achtung, die man sonst in dieser Form so nicht kennen gelernt hätte. Der Mensch, nicht beurteilt nach seinem Haben, sondern seinem Sein.

Es ist eine andere Welt, in die ich heute im Rahmen der Nachsorge gern eintrete, auch wenn mich immer Angst begleitet, so schätze ich doch die Menschen und die Arbeit in der Onkologie sehr. Vorher war mir das nicht bewusst.

Wenn ich nun meine Lebensqualität neu definiere, nicht mehr auf der Suche nach den früheren 100%, so finde ich mein Lachen wieder und die Sonne bahnt sich einen Weg durch die Wolken und wirft die Schatten zurück. Mir ist bewusst, dass Zeit kostbar ist und ich altere gern, weil es mir Zeit schenkt.

Narben, Falten und graue Haare verdienen keine Missachtung oder signalisieren einen Wertverlust des Menschen. Sie sind das Zeugnis des Lebens.

Gabriele Pfeil, 54 Jahre

Quelle: Leben? Leben! 2/2018

29.08.18